Berühmte letzte Worte: Ältere sollten stolz aufs Alter sein

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kolumneBerühmte letzte Worte: Ältere sollten stolz aufs Alter sein

Kolumne von Ralf Schwartz

Die Senioren sind selbst schuld, wenn sie sich die Butter vom Brot nehmen lassen. Sie sollten sich endlich ihren Namen verdienen.

Es gab eine Zeit, in meiner Jugend, da haben wir alte Leute gegrüßt. Einfach so, auf der Straße. Nicht aus Spaß. Aus Respekt.

Die alten Herrschaften, so lernten wir von unseren Eltern und Großeltern schon früh, hatten ein Leben lang gearbeitet, ein Leben erfolgreich gelebt, eine Familie gegründet, aufgezogen und zusammengehalten, durch Dick und Dünn. Ihren Kindern die Möglichkeit gegeben, alles zu erreichen, was diese sich erträumt und die Eltern vielleicht nicht geschafft hatten.

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Die alten Herrschaften hatten Lebenserfahrung und etwas zu sagen. Sie hatten aufmerksam gelebt, aus ihren Fehlern und Erfolgen gelernt, kannten die Antworten auf die wesentlichen Fragen des Lebens. Aus ihren Reihen kamen nicht nur die erfolgreichsten Unternehmer, Verleger, Ärzte, Politiker, sie standen auch sonst mitten im Leben.

Die alten Herrschaften wussten, das Instant Gratification nur bei Dieben und in der Werbung funktioniert. Wussten, dass man hart arbeiten, Leistung erbringen, Herausforderungen annehmen, und auch ein wenig Glück haben musste. Ohne eigene Leistung, nur aufgrund der Dummheit anderer konnte man nicht glücklich werden.

Heute ist das anders. Heute werden die Alten fabrikmäßig hergestellt. Die Alten, die Armen, die Kranken. Durch Ausgrenzung, Vernachlässigung, Abschiebung. Effizient nennt man das heute.

Eine Generation hasst ihre Eltern, ihre Großeltern und anscheinend sich selbst. Eine Generation hat sich entschieden, schön, jung, gesund und reich zu werden, zu sein, zu bleiben. Einfach indem sie tabuisiert, was ihr Angst macht. Indem sie die Spiegel zerschlägt, die ihr das eigene Leben brutal, vor allem ehrlich vor Augen halten. Indem sie die Alten, Armen, Kranken, Behinderten, Schwachen ausschließt aus ihrer Gesellschaft. In diesem doppelten Sinne.

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Quelle: dpa

Wir können jedoch nicht Alter, Armut, Krankheit und Tod an die Ränder unserer Städte, Gesichtskreise und Horizonte drängen und hoffen, jetzt wird alles gut.

Allerspätestens mit 40 oder 50 Jahren sollten wir begreifen, dass wir damit genau das Gegenteil erreichen: wir werden schneller arm, alt und krank. Wir sind weniger glücklich, weil wir unsere Zufriedenheit von Äußerlichkeiten, der Meinung anderer, dem Luxus und den Moden abhängig machen.

Es wollen doch nur deshalb alle jung sein, weil die Industrie jeder Couleur die Alten aus ihrer Kommunikation entfernt hat, aus ihren Produkten und ihrem Denken. Die 50 als Rubikon und die Ü50 als Totenreich 'gebrandet' (wie man dort so schön sagt) hat.

Tatsächlich gibt es keine einzige Altersschwelle, die irgendwie jung von alt trennen könnte. Wie übrigens jeder einzelne Mensch täglich an sich selbst erleben und auf seine Arbeit in F&E, Marketing, Innovation oder Kommunikation übertragen könnte. Wenn er nicht selbst an den Blödsinn glauben würde, den er uns allen zur Rezeption und Konsumption vorwirft.

Unglaublich, aber wahr: Auch für 25-Jährige sind 25cm hohe Ladekanten am Kofferraum eines SUV schwachsinnig. Auch für 30-Jährige, Kinder und Radfahrer machen Bus- und Bahneinstiege, für die man beinahe eine Leiter braucht, keinen Sinn. Oder Fahrkartenautomaten, für deren erfolgreiche Bedienung man studiert haben muss. Auch Behinderte und Frauen mit Kinderwagen würden gerne jedes Geschäft, jedes Restaurant, Museum und jeden Bahnhof, jedes Bahnabteil problemlos betreten können.

Autos wie Bunker, mit Sehschlitzen statt Fenstern, immobile Freizeitpanzer, mit zwei Tonnen Leergewicht, machen Wagen und Straße nicht sicherer. Sie töten nur leiser.

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