
Viele Handwerker haben einen harten Job. Irgendwann machen der Rücken oder die Gelenke nicht mehr mit. Maurer oder Maler werden deshalb viel schneller berufsunfähig als Mathematiker oder Ingenieure.
Gerade für Handwerker wäre daher eine Berufsunfähigkeitsversicherung eine feine Sache. Doch oft bekommen Menschen in Berufen mit starker körperlicher Belastung gar keinen vernünftigen Schutz. Und wenn eine Versicherung doch dazu bereit ist, dann ist der Vertrag oft so teuer, dass viele ihn gar nicht erst abschließen.
An diesem Problem möchte die Regierung gerne etwas ändern. Deshalb plant sie, den Abschluss von Berufsunfähigkeitspolicen stärker zu fördern. Doch nach Ansicht von Experten wird das nun denkbar falsch umgesetzt.
Die Folge könnte sein: Denen, die solch eine Versicherung brauchen, bringt die neue Förderung wohl nichts. „Die Vorschläge sind ein Fake, ein einziger Blödsinn“, schimpft dementsprechend Michael Franke, der Geschäftsführer des Analysehauses Franke und Bornberg GmbH in Hannover.
„Die im Gesetzentwurf gestellten Anforderungen verhindern das wichtigste Ziel: die Verfügbarkeit geförderter Vorsorge für möglichst viele Verbraucher, insbesondere für Verbraucher mit erhöhter Invalidisierungswahrscheinlichkeit“, sagt der Branchenkenner.
Bild: dpaWer den falschen Beruf ausübt, muss beim Versicherungsschutz demnächst mehr bezahlen. Für Handelsblatt Online hat das Analysehaus Morgen & Morgen (M&M) analysiert, wo die Beiträge steigen und wer demnächst weniger zahlen muss. Die gute Nachricht zuerst: Für die meisten Berufsgruppen wird der Schutz günstiger. Von den 145 Berufen stellte M&M nur bei 30 Berufen eine Verteuerung fest. Die Analyse zeigt vor allem, dass „gute“ Risiken, also Berufe mit einer niedrigen Berufsunfähigkeitswahrscheinlichkeit überproportional profitieren.
„Gewinner sind ganz klar die Berufe mit dem geringsten Risiko. So zahlt unseren Auswertungen nach ein Notar beispielsweise für einen 5-Sterne-BU-Tarif mit 1.500 Euro BU-Rente monatlich nur um die 50 Euro. Während ein Dachdecker für eine gleichwertige BU-Rente mit über 200 Euro richtig tief in die Tasche greifen muss“, so Stephan Schinnenburg, Geschäftsführer von Morgen & Morgen.
Bild: ReutersDen Beginn machen zehn Berufe mit den höchsten Beitragsanstiegen:
Platz 10: Ergotherapeut
Ein Ergotherapeut muss einen unmittelbaren und persönlichen Kontakt zu seinen Patienten bilden. Seine Aufgabe ist es sie in ihrem Alltag zu unterstützen, um ihre Handlungsfähigkeit zu vergrößern und somit ihre Lebensqualität zu verbessern. Laut Morgen & Morgen überwiegen die "schlechten" Risiken, was einen Beitragsanstieg zur Folge hat.
Durchschnittlicher Nettobeitrag 2010: 34,61 Euro
Durchschnittlicher Nettobeitrag 2012: 36,45 Euro
Beitragsanstieg: + 5,32 Prozent
Bild: dpaPlatz 9: Pflasterer
Der Beruf des Pflasterers wird überwiegend von Männern ausgeübt. Kein Wunder, denn die körperlichen Belastungen in diesem Beruf sind erheblich. Die hohen Beitrage zur Berufsunfähigkeitsversicherung verwundern ebenfalls nicht. Eine Baustelle birgt viele Risiken.
Durchschnittlicher Nettobeitrag 2010: 66,13 Euro
Durchschnittlicher Nettobeitrag 2012: 69,66 Euro
Beitragsanstieg: + 5,33 Prozent
Bild: dpaPlatz 8: Estrichleger
Auch der Beruf des Estrichleger wird überwiegend von Männern ausgeübt. Die ungesunde Arbeitshaltung kann Gelenk- und Wirbelsäulenschäden verursachen und so zu einer verfrühten Berufsunfähigkeit führen. Im Ranking von Morgen & Morgen kommt der Estrichleger auf Platz acht der Berufe mit dem höchsten Beitragsanstiegen.
Durchschnittlicher Nettobeitrag 2010: 63,05 Euro
Durchschnittlicher Nettobeitrag 2012: 66,49 Euro
Beitragsanstieg: + 5,45 Prozent
Bild: dpaPlatz 7: Rangierbegleiter
Der überwiegend im Bahnbetrieb ausgeübte Job verlangt ebenfalls körperliche Belastungsfähigkeit. Außerdem stellt der Arbeitsplatz spezielle Risiken dar. Auf den Gleisen neben fahrenden Zügen darf sich der Rangierbegleiter keine Unaufmerksamkeit erlauben.
Durchschnittlicher Nettobeitrag 2010: 59,43 Euro
Durchschnittlicher Nettobeitrag 2012: 63,00 Euro
Beitragsanstieg: + 6,00 Prozent
Bild: apPlatz 6: Reinigungskraft
Die Reinigungskraft kommt auf den sechsten Platz. Auch in dieser Tätigkeit ist die körperliche Belastung hoch. Jedoch wird der Beruf der Reinigungskraft vorwiegend von Frauen ausgeübt.
Durchschnittlicher Nettobeitrag 2010: 53,05 Euro
Durchschnittlicher Nettobeitrag 2012: 56,64 Euro
Beitragsanstieg: + 6,77 Prozent
Bild: ZBPlatz 5: Gleisbauer
Wie der Rangierbegleiter stellt auch der Arbeitsplatz des Gleisbauers Risiken dar. Trotz signalfarbener Arbeitskleidung kann es schnell zu brenzligen Situationen mit fahrenden Zügen kommen. Auch das Montieren der schweren Gleisen birgt Gefahren.
Durchschnittlicher Nettobeitrag 2010: 62,30 Euro
Durchschnittlicher Nettobeitrag 2012: 66,78 Euro
Beitragsanstieg: + 7,19 Prozent
Bild: dpaPlatz 4: Polier
Der Beruf des Polier gilt als Schnittstelle zwischen der Bauleitung und den Bauarbeitern. Der Polier, früher Parlier genannt, ist für die korrekte Umsetzung des Bauplans verantwortlich. Er bewegt sich demnach auf Baustellen, was Risiken birgt. Außerdem ist der Job hart, was das Risiko für Berufsunfähigkeit erhöht.. Die Versicherer verlangen daher hohe Prämienzahlungen.
Durchschnittlicher Nettobeitrag 2010: 57,05 Euro
Durchschnittlicher Nettobeitrag 2012: 61,68 Euro
Beitragsanstieg: + 8,13 Prozent
Bild: dpaPlatz 3: Reitlehrer
Reitlehrer mussten in den vergangenen zwei Jahren deutlich mehr für ihre Berufsunfähigkeitsversicherung bezahlen. Dass das Reiten auf Pferden nicht ungefährlich ist, zeigt auch der Fall des mittlerweile verstorbenen Supermanndarstellers Christopher Reeve, der 1995 bei einem Reitunfall vom Hals abwärts gelähmt war.
Durchschnittlicher Nettobeitrag 2010: 54,76 Euro
Durchschnittlicher Nettobeitrag 2012: 59,49 Euro
Beitragsanstieg: + 8,65 Prozent
Bild: dpaPlatz 2: Nachtwächter
In den letzten zwei Jahren stiegen die Beiträge für Nachtwächter im einen zweistelligen Prozentbereich. Das Risiko etwa. bei einem nächtlichen Museums- oder Einkaufshausraub verletzt zu werden ist offenbar gestiegen. Der Job gilt bei den Gesellschaften daher als "schlechtes" Risiko.
Durchschnittlicher Nettobeitrag 2010: 45,07 Euro
Durchschnittlicher Nettobeitrag 2012: 50,00 Euro
Beitragsanstieg: + 10,95 Prozent
Wer den falschen Beruf ausübt, muss beim Versicherungsschutz demnächst mehr bezahlen. Für Handelsblatt Online hat das Analysehaus Morgen & Morgen (M&M) analysiert, wo die Beiträge steigen und wer demnächst weniger zahlen muss. Die gute Nachricht zuerst: Für die meisten Berufsgruppen wird der Schutz günstiger. Von den 145 Berufen stellte M&M nur bei 30 Berufen eine Verteuerung fest. Die Analyse zeigt vor allem, dass „gute“ Risiken, also Berufe mit einer niedrigen Berufsunfähigkeitswahrscheinlichkeit überproportional profitieren.
„Gewinner sind ganz klar die Berufe mit dem geringsten Risiko. So zahlt unseren Auswertungen nach ein Notar beispielsweise für einen 5-Sterne-BU-Tarif mit 1.500 Euro BU-Rente monatlich nur um die 50 Euro. Während ein Dachdecker für eine gleichwertige BU-Rente mit über 200 Euro richtig tief in die Tasche greifen muss“, so Stephan Schinnenburg, Geschäftsführer von Morgen & Morgen.
Er hat eine Stellungnahme zum Entwurf des Gesetzes zur Verbesserung der steuerlichen Förderung der privaten Altersvorsorge (Altersvorsorge-Verbesserungsgesetz – AltvVerbG) verfasst. Doch ob seine Kritik gehört wird? Da hat er wenig Hoffnung.
Schon heute sei die Berufsunfähigkeitsversicherung für körperlich Tätige kaum mehr bezahlbar, stellt Franke fest. Nun komme die Regierung mit Vorgaben, die willkürlich erschienen und in die falsche Richtung gingen. Was die Regierung nun festschreiben wolle, biete ein Großteil der angebotenen Berufsunfähigkeitsversicherungen bereits, so Franke.
"Nicht immer werden die guten Bedingungen eingehalten."
Wenn die Regierung sinnvolle Vorgaben in dieser Versicherungssparte machen wolle, müssten diese wesentlich umfangreicher sein. Der Grund: Die Branche ist findig und entdeckt schnell „Schlupflöcher“. Zudem zeige seine 16jährige Erfahrung, dass solche Vorgaben zumindest jährlich überarbeitet werden müssten, um „Umgehungen“ in Grenzen zu halten.
- Seite 1: „Ein Fake, ein einziger Blödsinn“
- Seite 2: Förderung könnte gutes Geschäft für clevere Vermittler werden
























