Betriebsrente: Wie Jobwechsel Ihre Altersvorsorge belasten

Betriebsrente: Wie Jobwechsel Ihre Altersvorsorge belasten

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Häufige Jobwechsel bergen die Gefahr einer Mini-Rente.

von Heike Schwerdtfeger

Durch niedrige Zinsen, ein neues Lebensversicherungsgesetz und unbewegliche Arbeitgeber verlieren Arbeitnehmer beim Jobwechsel rund 20 Prozent ihrer Altersvorsorge. Was die Regierung ändern will, welche Auswege es gibt.

Deutschland ist nicht Griechenland – und doch kann auch hierzulande eine Rente um ein Viertel niedriger ausfallen. Das passiert ausgerechnet denen, die eigentlich alles richtig machen: Arbeitnehmer, die durchgehend arbeiten und für ihr Alter vorsorgen. Die erkannt haben, dass sie, wenn sie vorankommen wollen, auch mal den Arbeitsplatz wechseln sollten. Die wenigsten Arbeitnehmer verbringen heute ihr Berufsleben bei einem einzigen Arbeitgeber. Doch wer flexibel ist, wie von Politikern in Sonntagsreden immer wieder gefordert, dem droht bei der betrieblichen Altersvorsorge ein böses Erwachen.

„Ein Jobwechsel kann für den Arbeitnehmer zu erheblichen finanziellen Einbußen bei der Betriebsrente führen“, sagt Thorsten Teichmann, Geschäftsführer der Pensions Insurance Broker beim Beratungsunternehmen Aon Hewitt. Zwar müssen sich Arbeitgeber bei der Betriebsrente an einmal gemachte Zusagen halten. Die aber gelten nur für den Zeitpunkt, zu dem der Arbeitnehmer in Rente geht – und nicht bei einem vorzeitigen Ausscheiden. Wer den Job wechselt, muss bei vom Arbeitgeber finanzierten Betriebsrenten aktuell noch mindestens fünf Jahre im Betrieb gewesen sein. Erst danach ist die Rente „unverfallbar“, bleiben einmal erworbene Ansprüche erhalten.

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Während bei der gesetzlichen Rente Arbeitnehmer mit ihren Beiträgen das Altersgeld der Rentner finanzieren, sparen die meisten der 20 Millionen Beitragszahler in der Betriebsrente für ihre spätere Zusatzrente. Dazu bekommen sie in der Regel einen Zuschuss vom Arbeitgeber. Einige Arbeitgeber garantieren die Höhe der Betriebsrente, andere leiten die Gelder an Versicherer und Vermögensverwalter weiter. Die Rentenhöhe hängt davon ab, wie erfolgreich sie Spargelder anlegen.

Zahlen zur Betriebsrente

  • 50 Prozent

    50 Prozent der Berechtigten verzichten auf die betriebliche Altersvorsorge.

  • 270 Euro

    270 Euro beträgt die monatliche Betriebsrentenzahlung derzeit im Durchschnitt.

  • 500 Mrd. Euro

    500 Mrd. Euro sind in die betriebliche Altersvorsorge investiert.

  • 30 Prozent

    30 Prozent Unterdeckung bei den Rentenzusagen befürchten Experten.

Seit dem Jahr 2002 haben Beschäftigte das Recht, einen Teil ihres Gehalts zugunsten einer betrieblichen Altersvorsorge umzuwandeln, um später eine Betriebsrente zu erhalten. Um diese „Entgeltumwandlung“ Arbeitgebern und Beschäftigten schmackhaft zu machen, gibt der Staat Anreize: Er erlässt für Einzahlungen in Höhe bis zu vier Prozent des sozialversicherungspflichtigen Bruttogehalts Steuern und Sozialabgaben. Maximal 2904 Euro Einzahlung im Jahr werden so begünstigt, 1800 Euro können zusätzlich steuerfrei eingezahlt werden.

Das Problem: Für den Arbeitnehmer fließt durch die Entgeltumwandlung weniger Geld in die gesetzliche Rentenkasse. Damit sinkt seine spätere Rente aus diesem Topf. Nur Arbeitnehmer, deren Gehalt über der Beitragsbemessungsgrenze für die Rentenversicherung von aktuell 72.600 Euro liegt, haben durch die Entgeltumwandlung keine Einbußen bei der gesetzlichen Rente, da sie ohnehin schon den maximalen Betrag in die Rentenversicherung einzahlen.

Im Alter drohen Einbußen

Weil dort künftig weniger Arbeitnehmer immer mehr Rentner finanzieren werden, drohen im Alter Einbußen. Die durch Kapital gedeckten Betriebsrenten sollten ein Befreiungsschlag sein, um dem Demografieproblem der gesetzlichen Rente zu entkommen. Doch nun erfüllen sich die hochgesteckten Erwartungen nicht.

So wirkt sich der Arbeitgeberwechsel eines heute 35-Jährigen auf seine betriebliche Altersvorsorge aus

So wirkt sich der Arbeitgeberwechsel eines heute 35-Jährigen auf seine betriebliche Altersvorsorge aus (für eine vergrößerte Ansicht bitte klicken).

Bei Andreas Hansen* etwa lief zunächst alles gut. Im Alter von 24 Jahren hatte er 2004 mit seinem Arbeitgeber eine Entgeltumwandlung vereinbart. Der Arbeitgeber überwies einen Teil von Hansens Gehalt und einen Zuschuss in eine Rentenversicherung. Aus steuer- und sozialabgabenfrei eingezahlten 100 Euro monatlich sollte er mit 65 monatlich 399 Euro Rente bekommen.

In diesem Jahr aber wechselte der Betriebswirt von seinem Wirtschaftsprüfungsunternehmen zu einem Konkurrenten. Der allerdings bietet eine andere Form der Betriebsrente an. Hansen braucht einen neuen Vertrag. Weil der niedriger verzinst wird, büßt er über 20 Prozent ein (siehe Grafik).

*Name ist der Redaktion bekannt

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2 Kommentare zu Betriebsrente: Wie Jobwechsel Ihre Altersvorsorge belasten

  • Künftige Betriebsrenten werden bei Arbeitnehmern, deren Entgelt unter der Beitragsbemessungsgrenze von aktuell 6.050 € pro Monat in der gesetzlichen Rentenversicherung West liegt, gleich dreifach gekürzt.

    Die gesetzliche Rente fällt infolge der ersparten Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung geringer aus und gesetzlich krankenversicherte Betriebsrentner müssen den vollen Beitrag zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung von aktuell bis zu 18,8 % der Betriebsrente zahlen.

    Schließlich wird die Betriebsrente nachgelagert und daher mit dem persönlichen Steuersatz versteuert. So kommt es, dass die Netto-Betriebsrente im Alter in vielen Fällen auf die Hälfte absinken kann. Von dem was in die Taschen von Versicherung und Vermittler landen mal hier ganz abgesehen, was im Grunde einen 4. Kürzungsfaktor darstellt.

    Wenn man aber in der Beitragsphase die Hälfte des Bruttobeitrags bei den Sozialabgaben und Steuern einspart und andererseits in der Rentenphase die Hälfte der Brutto-Betriebsrente für die dreifache Kürzung abgeben muss, lohnt sich die betriebliche Altersversorgung kaum noch. Das gilt vor allem dann, wenn es keinen Arbeitgeberzuschuss zum Beitrag gibt und die betriebliche Altersversorgung somit rein arbeitnehmerfinanziert wird.

  • Betriebsrente?

    Und wo bleibt diese, wenn das Unternehmen in eine gesunde Insolvenz geht?

    Oder das Unternehmen wird in mehrere Unternehmen aufgeteilt wird, und man landet plötzlich beim getrennten Unternehmsteil, der wenig später nicht mehr existiert?

    Welche Infos gibt es dazu z.B. zu Siemens und BenQ, oder in Kürze zu eon?

    Betriebsrenten müssen extern gesichert werden.

    Alles andere ist "Glückssache" - oder Müll.

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