Börse: Russische Aktien bleiben auf Talfahrt

Börse: Russische Aktien bleiben auf Talfahrt

Bild vergrößern

Auch Gazprom ist von den hohen Steuern auf Ölexporte betroffen.

Kaukasuskrise und staatliche Angriffe auf Unternehmen machen 2008 zum Horrorjahr für die russische Aktien. Eine schnelle Wende ist nicht in Sicht.

Die russische Militäroffensive im Kaukasus ist für Moskaus Fondsmanager nur der vorläufige Höhepunkt eines total verkorksten Börsenjahres. Vor einigen Wochen hatte Premierminister Wladimir Putin den Montankonzern Mechel der Steuerhinterziehung und der Preistreiberei bezichtigt; daraufhin verlor das Unternehmen die Hälfte seines Börsenwerts. In den Aktionärsstreit im Öl-Joint-Venture TNK-BP mischte sich der Kreml zugunsten russischer Anleger ein, indem er den ausländischen Partner British Petroleum (BP) mit Hausdurchsuchungen und Steuerermittlungen massiv unter Druck setzen ließ. Zu allem Überfluss sank auch noch der Ölpreis – zumindest damit hat der Kreml nichts zu tun.

Am Moskauer Börsenplatz, wo sich gepanzerte schwarze Limousinen mit Blaulicht-Aufbau aneinanderreihen, macht sich Verunsicherung breit. In den vergangenen Wochen korrigierten praktisch alle großen Banken ihre Prognosen für den Jahresendstand des russischen RTS-Index kräftig nach unten – von zuletzt etwa 3.000 auf zum Teil weniger als 2.000 Punkte.

Anzeige

Verflogen ist die Euphorie von Mitte Mai, als der Leitindex ein Allzeithoch von 2487,92 Punkten erreichte. Seither hat der RTS mehr als ein Viertel seines Werts verloren.

Der russische Aktienmarkt – das wurde vielen Anlegern jetzt wieder bitter klar – ist und bleibt eine riskante Schwellenland-Börse. Der Staat mischt sich in die Wirtschaft ein – und politische Ereignisse können auf dem Moskauer Parkett eine umwerfende Wirkung haben.

Wie nutzloser Fensterschmuck wirken unter diesen Bedingungen die guten Fundamentaldaten: 7,6 Prozent Wachstum in diesem Jahr, konsumhungrige Verbraucher, ein praktisch schuldenfreier Staat mit hohen Gold- und Devisen-, sowie gewaltigen Öl- und Gasreserven. Selbst eine Regierung, die sich anschickt, ihre milliardenschweren Haushaltsüberschüsse in nützliche Infrastrukturprojekte zu investieren, ist wenig wert, wenn politische Abenteuer und Brandreden so heftig auf die Börsenkurse wirken wie in Russland. „Die Anleger haben Angst, dass Putin mit einem beiläufigen Witz eine Firma zerschlagen kann“, klagt ein Moskauer Fondsmanager.

Mechel mit einem blauen Auge davongekommen

Ein übles Beispiel ist Mechel – das bislang wichtigste Börsenereignis des Jahres, das eine fatalere Wirkung hatte als der plötzlich eskalierte Georgien-Konflikt. Putin ließ sich dabei zu einer rüden persönlichen Attacke auf Igor Sjusin hinreißen, den Vorstandschef des profitablen Rohstoffkonzerns. Er warf ihm vor, Kokskohle im Ausland billiger als in Russland zu verkaufen und kündigte „Überprüfungen“ durch die Kartell- und Steuerbehörden an. Im Staatsfernsehen drohte Putin dem Mechel-Chef, der mit Herzbeschwerden im Krankenhaus lag: „Herr Sjusin sollte so schnell wie möglich wieder gesund werden. Sonst müssen wir ihm einen Doktor schicken, der alle seine Probleme löst.“

Der Mechel-Kurs fiel in Moskau um mehr als die Hälfte, in New York verlor das Unternehmen binnen weniger Stunden fünf Milliarden Dollar Börsenwert. „Das hat den Markt sehr hart getroffen“, resümiert Anton Rachmanow, Fondsmanager bei der Moskauer Renaissance Capital. Das Schlimme daran sei, meint Jochen Wermuth von der Fondsgesellschaft Wermuth Asset Management, „dass der Markt eine solche Willkür erwartet“. Allerdings sei Mechel glimpflich davon gekommen. Am Donnerstag kündigte die Anti-Monopolbehörde an, dass das Unternehmen eine Strafe von zwei Prozent seiner Einnahmen zahlen und seine Preisstrategie überarbeiten müsse. Daraufhin erholte sich der Kurs.

Investoren machen eine simple Rechnung auf: Wer konservativ investieren möchte, der lege sein Geld bei staatlich kontrollierten Unternehmen wie Gazprom oder Rosneft an. Sie sind geschützt vor Steuerprüfern und Kartellbehörden, allerdings fallen die Kurse analog zu einem sinkenden Ölpreis. Da aber kaum ein Analyst erwartet, dass ein Fass Öl der Sorte Brent in absehbarer Zeit weniger als 100 Dollar kosten wird, gelten die Aktien Gazprom und Rosneft als verhältnismäßig stabile Werte.

Anzeige
Immobilien-Wertfinder:Was Mieten und Kaufen in Ihrer Region kostet

Mit unserem interaktiven Tool finden Sie Interessierte Mieten und Kaufpreise in ihrem Viertel und ihrer Straße. Mehr...

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%