Börsengang: Schott Solar: Konkurrenzlos für Anleger

Börsengang: Schott Solar: Konkurrenzlos für Anleger

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Solar-Röhren von Schott: Strom für 14.000 Haushalte in den USA

Schott Solar geht an die Börse und lockt Investoren mit nahezu konkurrenzloser Technologie. Für Anleger ist die Aktie daher einen Blick wert.

Einst war der US-Wüstenstaat Nevada nur bekannt für Atombombentests und Glücksspiel. Doch dank einer Firma aus dem unterfränkischen Alzenau hat die Mojave-Wüste eine neue Attraktion, die für Investoren weit aufregender ist: das Kraftwerk Nevada Solar One, 60 Kilometer südöstlich von Las Vegas gelegen. Auf einer Fläche von 200 Fußballfeldern sind Zehntausende jeweils vier Meter lange Glasrohre des Herstellers Schott Solar montiert. Riesige Spiegel fangen die Sonnenstrahlen ein und erhitzen die Rohre darüber auf 400 Grad. Noch Stunden nach Sonnenuntergang versorgt die im Glas gespeicherte Wärme 14.000 Haushalte mit Strom.

Schott Solar ist neben dem israelischen Rivalen Solel einziger Hersteller der Vakuum-Rohre – und hat bereits Aufträge für weitere Solarthermie-Kraftwerke. Mangels Wettbewerb behält Schott hier 30 Cent pro Euro Umsatz als Vorsteuer-Gewinn.

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„Solarthermie ist aussichtsreich, denn seit Kurzem erreichen die Kraftwerke eine Größe, die für Energiekonzerne interessant ist“, sagt Sandy Christie, der 7,5 Milliarden Dollar im New Energy Fund des US-Anbieters Blackrock verwaltet. Allerdings sei Solarthermie im Großeinsatz weniger erprobt als die Windkraft. Außerdem gebe es bislang keine reinen Solarthermie-Aktien an der Börse, so Christie.

Wettbewerb wird härter

Am Gewinn gemessen ist Schott Solar nur zur Hälfte Solarthermie-Anbieter. Den Rest bringen Solarzellen, deren Profitmarge nur einstellig ist. Und der Wettbewerb wird härter: Blackrock hat deshalb den Solar-Anteil im Fonds seit Ende 2007 auf elf Prozent halbiert. Denn Christie fürchtet in den kommenden Jahren einen Preisrutsch bei Zellen wegen des wachsenden Angebots aus Fernost, was auch Schott Solar treffen würde.

Schotts starke Position bei Solarthermie sollen Anleger teuer bezahlen. Der Solarspezialist stellt im Börsenprospekt eine Bewertung des Eigenkapitals von 1,5 Milliarden Euro in Aussicht – und das bei nur 283 Millionen Euro Umsatz und 1,1 Millionen Euro Gewinn im Vorjahr. Analysten von Co-Konsortialführer Deutsche Bank sehen sogar bis zu 1,7 Milliarden Euro als fairen Wert. Investoren sollen für die Solarthermie-Sparte einen Preisaufschlag von 20 bis 30 Prozent auf die Bewertung des Solarzulieferers SMA bezahlen. Das ist akzeptabel, denn der Elektronik-Hersteller hat mehr Wettbewerber und ein leichter kopierbares Produkt. Für das Zellgeschäft rechnen die Analysten dagegen einen Preisrabatt von 20 bis 30 Prozent zum Rivalen Solarworld mit ein, weil der an der Börse etabliert ist und dazu Größenvorteile hat. Auch das ist angemessen.

Verlockendes Geschäft mit Sonnenwärme

Börsengang im Check

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Der bislang größte Börsengang des Jahres dürfte gelingen – aber nur, wenn Schott die von den Banken vorgegebene Spanne nicht ausreizt. Seit die Analysten ihre Bewertung abgegeben haben, sind die Kurse der Rivalen Solarworld und Q-Cells um rund 15 Prozent gefallen. Schott muss Anlegern entgegenkommen, ein Börsenwert zwischen 1,25 Milliarden und 1,6 Milliarden Euro erscheint fair. Das entspricht einem Ausgabepreis zwischen 15 und 19 Euro. Die Aktie kostet dann das 13- bis 17-Fache des für 2009 geschätzten Gewinns.

Wegen der Kursverluste der Branche könnte Schott Solar mit der Kapitalerhöhung den geplanten Erlös von 500 Millionen Euro verfehlen. Das schmälert den Spielraum für Investitionen. Ein Drittel der Kapitalerhöhung soll an die Muttergesellschaft fließen, den Glaskonzern Schott. Fondsmanager Gunter Greiner von VCH missfällt das. Er kritisiert auch, dass Schott Solar das frische Geld mehrheitlich in die Solarzellensparte stecken will, nicht in die Thermie.

Denn gerade das Sonnenwärme-Geschäft ist verlockend – auch wenn es künftig mehr als zwei Wettbewerber geben dürfte, wie Schott-Solar-Chef Martin Heming einräumt: „Unsere Marge ist attraktiv, auch für andere.“ Doch Neueinsteiger dürften Jahre brauchen, ehe sie etwas von Schott Solars 60-Prozent-Marktanteil abknapsen können. Zwei Großaufträge hat Schott gerade erhalten – aus den USA und Arabien. Die Wüste lebt eben, nicht nur in Nevada.

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