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Börsenguru Marc Faber: "Auf jeden Fall einen Teil in Aktien packen"

von Frank Doll

Die Börsen werden weiter fallen, trotzdem seien Aktien langfristig weniger riskant als Staatsanleihen, sagt der berühmte Investor und Börsenguru Marc Faber.

Marc Faber alias Dr. Doom Quelle: Andreas Chudowski für Wirtschaftswoche
Marc Faber alias Dr. Doom Quelle: Andreas Chudowski für Wirtschaftswoche

Herr Faber, Standard & Poor’s hat der US-Regierung das erste von drei „A“ genommen. Kommt bald die nächste Abwertung, oder wird Washington jetzt sparen?

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Faber: S&P hat abgewertet, was zuvor schon Ramsch war. Die US-Regierung wird ihre aktuellen Ausgaben nicht kürzen, sondern sie will nur zukünftige, zusätzliche Ausgaben streichen. Also wird die Staatsverschuldung weiter steigen. 1980 kletterten die US-Staatsschulden erstmals über eine Billion Dollar. Dafür hat man 200 Jahre gebraucht. Seitdem sind die Schulden um das 14-Fache gestiegen, auf über 14 Billionen Dollar. In sieben Jahren werden sie doppelt so hoch sein wie heute. Nicht eingerechnet sind da die ungedeckten Schecks auf die Zukunft, etwa bei den Sozialversicherungen. Unter diesen Bedingungen würde ich keine zehnjährige US-Staatsanleihe kaufen, die gerade mal 2,16 Prozent Rendite bringt – nominal. Das ist Irrsinn und finanzieller Selbstmord!

Es gibt viele, die das machen...

Faber: Ja, es ist schon erstaunlich, was an den Anleihemärkten passiert. Die Realzinsen sind negativ. Man verliert mit US-Anleihen Kapital. Angenommen, wir beide müssen Geld für zehn Jahre anlegen und könnten es in dieser Zeit, weil wir ins Gefängnis müssen, nicht umschichten. Was würden Sie tun?

Sagen Sie es.

Faber: Auf jeden Fall einen Teil in Aktien packen. Bargeld zu halten ist ein großes Risiko, weil das Geld in zehn Jahren wesentlich weniger wert sein wird als heute. Staatsanleihen werden, wenn überhaupt, mit wertlosem Papiergeld zurückbezahlt. Die Deutschen sollten das ganz genau wissen. Im Ersten Weltkrieg ist der Staat pleitegegangen, dann kam die Weimarer Hyperinflation, dann der Zweite Weltkrieg. Aktien von Siemens oder Daimler waren vielleicht keine gute Anlage, aber man hatte noch etwas. Staatsanleihebesitzer hatten nichts mehr, und Bargeld wurde auch dreimal wertlos. Eben deshalb glaube ich, dass die Aktienmärkte nicht ins Bodenlose fallen werden.

Aber sie werden weiter fallen?

Faber: Davon gehe ich aus, technisch sieht es ziemlich bitter aus. Aktuell sind die Börsen aber unglaublich überverkauft, eine Erholung ist wahrscheinlich. Doch das Jahreshoch des US-Aktienindex S&P 500 vom 2. Mai bei 1370 Punkten wird auf absehbare Zeit nicht mehr erreicht. Dieses markiert den Beginn eines neuen Bärenmarktes.

Die Börsen haben furchtbare Angst vor einem Einbruch der Weltwirtschaft. Zu Recht?

Faber: Die Weltwirtschaft verlangsamt sich. Der S&P 500 fällt natürlich nicht um 20 Prozent, wenn die Wirtschaft gut läuft. Aber das Verrückte an den Finanzmärkten ist ja: Auch wenn es der Wirtschaft immer schlechter geht, ist es trotzdem möglich, dass die Aktien steigen.

Warum?

Faber: Weil die Notenbank Geld druckt, um die Vermögenspreise nach oben zu schieben. Das Gelddrucken hat der Realwirtschaft und den Menschen in Amerika wenig geholfen, wohl aber den Aktienmärkten und damit den reichen Leuten.

26 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 25.08.2011, 23:11 UhrAnonymer Benutzer: Bino

    Marc Faber schätzt privat unabhängig die Lage ein. Dass es nicht jeden gefällt wie schlecht es zur Zeit um das Thema Finanzen steht ist klar. Wenn ganze Kontinente Experimente zwischen "sozialer Marktwirtschaft + Planwirtschaft" wagen stellt Fabers Komentare in ein positives Licht für die Zukunft, andere verschleiern bloss die Tatsachen. Schlimm ist zur Zeit nicht nur die Überschuldung der Staaten sondern auch die Überschuldung der großen unternehmen (meist AG's). Wer laut Faber Aktien kaufen will, sollte sich deren Kapitalstruktur ansehen, nicht nur die Rendite beachten.

  • 25.08.2011, 14:26 UhrAnonymer Benutzer: Wilfried Senger

    Vor einem Aktienkauf ist gut zu überlegen in welche branchen und
    darauf aufbauend in welche Firmen man investistiert. Wie sind die
    dabei die Zukunftsaussichten ist eine entscheidende Frage.
    Unternehmen haben immer auch einen inneren Wert. Die Eigenkapitalquote sollte mitentscheidend für eine investition sein.
    bei Geld-und Vermögensalagen ist eine breite Streuung in
    Sachwerte (immobilien), Substanzwerte (Aktien) , Geldwerte (Anleihen und liquide Mittel) sowie Rohstoffe unabdingbar.
    (Nie alle Eier in ein Korb legen).
    Entscheidend ist dabei aber das der Anleger sich mit der Geldanlage
    wohlfühlt und die auch noch versteht.

  • 24.08.2011, 13:59 UhrAnonymer Benutzer: Dr. Meng

    Ein echter Kenner der Globalisierung und ihrer Folgen! China braucht nicht mehr schnelles Wachstum wie in der Vergangenheit wegen reduziertes beschaeftigungsbedarfs dank Ein-Kind-Politik. Die deutsche Wirtschaft und Politik sollen anfangen, Gedanken darueber zu machen!

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