Börsenkommentar: Bei Mittelstandsbonds genau hinschauen

KommentarBörsenkommentar: Bei Mittelstandsbonds genau hinschauen

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Annina Reimann

von Annina Reimann

Mittelständler wollen unabhängiger von Banken werden und locken Privatanleger mit attraktiven Zinsen. Doch Anleger sollten bei den Minibonds ganz genau hinschauen.

Auf den ersten Blick sieht das Angebot toll aus: 7,5 Prozent Kupon jährlich zahlt Michael Müller Anlegern, die die Anleihe seiner Immobilienentwicklungsfirma Amictus/Eyemaxx zeichnen. 25 Millionen Euro will Müller am schwach regulierten Entry Standard der Frankfurter Börse sammeln. Als Sicherheit bietet er vermietete Immobilien im Wert von 26 Millionen Euro aus seinem Besitz. 800.000 Euro Miete pro Jahr verpfändet er zusätzlich.

Anleger jedoch sollten den Prospekt studieren: Mit dem Geld aus der Emission löst Müller bis zu 10,9 Millionen Euro aus Darlehen ab. Auf Nachfrage erklärt er, dass es sich um Kredite auf Häuser handele, die er als Sicherheiten einbringe. Anleger zahlen somit einen Teil des Kredites für ihre Sicherheiten ab. Und mit der Miete seien 45 Prozent des Kupons gedeckt, so Müller. Lieber wären Anlegern wohl 100 Prozent.

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Immer mehr Mittelständler wollen unabhängiger von Banken werden und zielen mit kleinen Anleihe-Stückelungen von 1000 Euro auf Privatanleger ab. Beim Marktführer BondM, dem Mittelstandssegment der Stuttgarter Börse, emittierten Firmen bislang 18 Bonds im Wert von 1,2 Milliarden Euro.

Das Segment bleibt nicht von Kapriolen verschont. So irritierte bei Windreich, dass die 2009er-Bilanz historische Rennwagen im Wert von mehreren Millionen Euro auswies. Ebenso windig: Chef Willi Balz lieh sich zweistellige Millionenbeträge. Windreich spielt das runter: Die Rennwagen seien in der Bilanz gewesen, da Balz zur Gründung der Windreich AG alle Aktivitäten unter einem Dach gebündelt habe. Kürzlich habe er der Firma die Autos abgekauft. Die Kredite wolle er in den nächsten drei Jahren tilgen, so wie bereits die Hälfte der anfangs 100 Millionen Euro.

Anleger greifen trotzdem zu: Zwar lief die Erstemission schleppend, der Konzern brauchte lange, um 50 Millionen Euro zu platzieren. Jetzt sammelt Balz weitere 75 Millionen mit einer zweiten Anleihe.

Trau, schau, wem

Von 18 Anleihen in BondM sind neben der zweiten Windreichanleihe drei nicht voll platziert (Rena, Payom Solar und Uniwheels). An der Börse Düsseldorf zeichneten Anleger mit Katjes (30 Millionen Euro Emissionsvolumen), Valensina (50) und Underberg (50) bislang nur drei von fünf Anleihen voll.

Anleger sollten genau hinschauen, wem sie Geld geben: Underberg emittiert über die Semper Idem Underberg GmbH. Die hat zwar einen Vertrag mit der Underberg KG, Gewinne werden abgeführt und Verluste ausgeglichen. Doch haftet die KG für die Anleihe?

In Düsseldorf platzierte Eno Energy erst 5 statt 25 Millionen Euro; FFK verkaufte nur die Hälfte statt 25 Millionen. In Frankfurt geht es bei vier von acht Anleihen schleppend: etwa Siag Schaaf, die Maschinenfabrik Spaichingen (23 statt 30 Millionen) und SAG Solarstrom kamen nicht voll zum Zuge.

Mittelstandsbonds sind was für Profis. Kupons zwischen 6,5 und 9,25 Prozent wie in BondM sollten Private nur nach gründlicher Analyse locken.

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