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Dax-30-Test: Börse: Schwache Hoffnung für 2009

von Mark Böschen (Frankfurt) und Stefan Hajek

Finanzkrise gelaufen, Rezession in den Kursen drin? Noch nicht. Einige Aktien aber bieten Wagemutigen wieder Chancen. Welche das sind, zeigt der Dax-Test.

Der tiefste Tagesstand des DAX Quelle: dpa
Der tiefste Tagesstand des DAX mit 4014,60 Punkten am 24.10.2008. Dem deutschen Aktienmarkt steht 2009 ein schwieriges Börsenjahr bevor. Quelle: dpa
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Wunderland ist abgebrannt: Steven Spielbergs Stiftung „Wunderkinder“, in die der Regisseur Teile seines mit „E.T.“ und „Indiana Jones“ verdienten Geldes steckte, war bei Bernard L. Madoff investiert. Madoff betrieb ein gigantisches Schneeballsystem und vernichtete 50 Milliarden Dollar. Viele Hedgefonds und Banken hatten bei ihm Kapital geparkt. Jetzt fürchten Anleger, dass geprellte Investoren an anderer Stelle Geld lockermachen müssen – es drohen Notverkäufe.

Neue Finanzskandale sind das Letzte, was die Börse gebrauchen kann. Die Welt schlittert gerade in die „schlimmste Rezession der Nachkriegszeit“, sagt Jörg Rahn, Volkswirt bei M.M. Warburg. 2009 werden die Gewinne fast aller Unternehmen deutlich fallen. Außerdem wird es schwieriger, Kapital zu beschaffen. „Die Banken werden die Kreditvergabe 2009 definitiv weiter einschränken, da können Herr Ackermann und Frau Merkel noch so treuherzig in die Kameras lächeln“, ätzt Gerald Blank, ehemaliger Leiter Strategie bei der HypoVereinsbank, der heute seine eigene Fondsgesellschaft führt. Er kenne mehrere Leiter von Kreditabteilungen in deutschen Banken, die unter der Hand zugäben, dass sie die Neuvergabe 2009 um mindestens ein Drittel verringern wollen. Hinzu kommt: „Die, die Kredit kriegen, müssen dafür mehr bezahlen“, sagt Babak Kiani, Aktienstratege bei HSBC Trinkaus.

Der Boden rückt näher
Der Boden rückt näher: Welche Perspektiven die Dax-Werte bieten, wie sie sich 2008 entwickelten (Klicken Sie auf die Grafik für eine erweiterte Ansicht)

Worauf sollten Anleger achten, wenn sie nach dem Boden tasten? „Die wichtigsten Faktoren, die sich erholen müssten, sind der deutsche ifo-Konjunkturindex und der US-Einkaufsmanager-Index ISM“, meint Rahn von Warburg. „Und die Renditen am Rentenmarkt müssen deutlich herunterkommen.“ Noch sieht es, trotz massiver Leitzinssenkungen – in den USA bis nahe null – nicht so aus. „Vom ifo-Index bis zu den Einschätzungen der Einkaufsmanager sind alle vorauslaufenden Konjunkturindikatoren in kürzester Zeit zusammengebrochen“, sagt Winfried Hutmann, Geschäftsführer der Fondsgesellschaft Frankfurt Trust. „Der Welthandel scheint zum Stillstand gekommen zu sein. Den Unternehmen bricht die Nachfrage weg.“ Hutmann rät zu einem niedrigen Aktienanteil im Depot und warnt davor, zu früh an eine dauerhafte Erholung zu glauben. „Aktien erholen sich nach einer großen Krise nicht so schnell, probieren es aber stets von Neuem“, sagt Hutmann. Bärenmarkt-Rallys von 30 oder 40 Prozent nach oben sind daher immer wieder möglich.

Die Gewinnchancen sind verlockend – wenn Anleger das Timing hinbekommen. Immer stärker locken stark gefallene Aktienkurse zum Einstieg.. „Wenn wir jetzt nicht in eine lange Weltwirtschaftskrise hineingehen, dann sind viele Aktien bereits günstig“, sagt Elisabeth Weisenhorn, Gründerin der Fondsgesellschaft Weisenhorn & Partner. Selbst wenn man den zweistelligen Milliardenbetrag komplett abschreibt, den die Konzerne noch auf immaterielle Vermögenswerte in den Bilanzen stehen haben, „kosten die Dax-Werte nur das 1,5- bis Zweifache dessen, was die Konzerne an Substanz in ihren Bilanzen stehen haben“, sagt Aktienfondsmanager Jürgen Meyer von SEB Invest.

Stratege James Montier von der Bank Société Générale unterzog kürzlich Aktien weltweit einem an Benjamin Graham orientierten Test. Graham, der Begründer der wertorientierten Aktienanalyse, fordert eine hohe Dividende und wenig Schulden. Außerdem sollten Aktien laut Graham weniger kosten als das 16-Fache des durchschnittlichen Gewinns der letzten zehn Jahre. Den Graham-Test bestanden im Dax unter anderem Lufthansa, MAN und Salzgitter. Sie sind schon für das Zehnfache des in den vergangenen zehn Jahren erzeugten Gewinns zu haben. Wichtig zu wissen: Hier geht es nicht um die sonst üblichen Kurs-Gewinn-Verhältnisse (KGV) auf Grundlage der Gewinnschätzungen von Analysten, sondern um verdientes Geld der Konzerne, in guten und in schlechten Jahren seit 1998.

Kursverlauf deutscher Aktien 2008
Kursverlauf deutscher Aktien 2008

Die klassischen KGVs, die auf den von Analysten abgegebenen Gewinnprognosen basieren, taugen bei den meisten Aktien heute nur begrenzt als Einstiegssignal. Auch nach 50 Prozent Kursrückgang und mehr seien viele Aktien noch nicht billig, warnt Trinkaus-Stratege Kiani. „Das derzeit häufig angeführte Argument, einzelne Aktien könnten wegen optisch sehr tiefer KGV von vier oder fünf nicht mehr sehr weit fallen, muss hinterfragt werden.“ Die Gewinnschätzungen für 2009 sind immer noch zu optimistisch, die KGVs stehen also in Wirklichkeit viel höher. Kiani: „Hinzu kommt, dass Anleger zunehmend aus dem Risiko fliehen. Das heißt, die KGVs, die sie dem Markt zubilligen, sinken weiter. Was im steigenden Markt als billig gilt (etwa ein KGV von zehn für einen Stahlwert), halten Anleger im fallenden Markt für zu teuer.“ Fazit: Kommt es zu weiteren Gewinnrückgängen und Risikoflucht, kann sich auch ein Wert mit KGV drei noch halbieren.

„Die Bewertungen können mehrere Jahre lang niedrig bleiben, wenn das Vertrauen in die Wirtschaft fehlt. Das haben die Dreißigerjahre gezeigt“, sagt Karl Fickel, Partner der Fondsgesellschaft Lupus alpha. „Heute ist schlicht die Frage, ob unser Wirtschaftssystem noch valide ist oder ob es grundsätzlicher Änderungen bedarf.“ Zwar seien die Banken staatlich gestützt – doch herrsche bei Unternehmern und Investoren die Angst, dass weitere Staaten wie Island an den Rand des Bankrotts geraten könnten.

Weil Staatsanleihen von als sicher eingestuften Ländern wie Deutschland oder den USA trotzdem nur noch Minimal-Renditen bieten, lohnt sich für Anleger auch ein Blick auf den Rentenmarkt: Erstklassige Schuldner wie zuletzt Daimler bei einer Anleiheemission Anfang Dezember müssen den Investoren derzeit Renditen von neun Prozent bieten, um Geld aufnehmen zu können. Mehr als sieben Prozent Rendite und damit so viel, wie Anleger früher nur am Aktienmarkt erwarten konnten, bieten heute auch Bonds von BMW oder ThyssenKrupp. „Unternehmensanleihen sind derzeit attraktiver als Aktien“, sagt Henning von Issendorff vom deutschen Hedgefonds Tungsten Capital. So lange der Emittent nicht zahlungsunfähig wird, bekommt der Anleihekäufer jährlich Zinsen und am Ende seinen Einsatz zurück. Ein schlechtes Aktienjahr muss also nicht schlecht für Anleger sein. Es gibt Alternativen – und nach dem nächsten Absturz bieten dann auch Aktien unbestreitbar günstige Kurse.

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6 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 28.01.2009, 14:39 UhrAnonymer Benutzer: Klaus

    An Justin: Gemeint ist wohl der in der Tat äußerst kritisch beäugte
    Superfund (also nicht "Superfonds") ! Die dubiosen Papiere dieses Anbieters sind auch über diverse banken in Deutschland vertrieben worden. Fachleute rätseln seit langem, wie diese Leute ihre behauptete Performance hingekriegt haben wollen. Als Vermögensberater kann ich nur allen Anlegern empfehlen, diese Papiere sofort zu verkaufen.

  • 28.01.2009, 14:33 UhrAnonymer Benutzer: Justin

    Apropos neue Finanzskandale: Die seit Jahren sehr kritisch bewertete Fondsfirma "Superfonds" soll kurz vor der Pleite stehen.
    Die von einem früheren Polizisten geleitete Geldsammelstelle soll nach insiderangaben mit Schneeballgeldern erstaunlich gute Ergebnisse vorgetäuscht haben. Angeblich ist in Kürze mit Hausdurchsuchungen un Verhaftungen durch die Wiener Staatsanwaltschaft zu rechnen !!!

  • 28.12.2008, 01:49 UhrAnonymer Benutzer: laotse

    Tja Grassus, die Anleger werden wiederkommen, aber nicht nach Deutschland. 70% Chance bei fast 30% staatlichen Sofortabzügen verträgt sich mit 100% Risiko so schlecht. 2009 wird das Todesjahr für Aktienkäufe deutscher Privatanleger. Möglicherweise auch das der politischen Verursacher.

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