Dax-Konzerne: Niedrigzinsen bringen Betriebsrenten in die Bredouille

Dax-Konzerne: Niedrigzinsen bringen Betriebsrenten in die Bredouille

Die Zinsen im Euro-Raum sind so niedrig wie nie. Das hat nicht nur Vorteile für die Unternehmen. Für viele wird es schwieriger, die Pensionslasten zu finanzieren - mit Folgen für die Mitarbeiter.

Das Dauertief bei den Zinsen nagt nicht nur am Ersparten, es bereitet auch Unternehmen Probleme bei der betrieblichen Altersvorsorge. Um das Versprechen eines auskömmlichen Ruhestandbeitrags für die Mitarbeiter zu halten, muss manche Gesellschaft Geld zuschießen. Immer weniger Firmen, die für die Altersversorgung geradestehen, garantieren ihren Beschäftigten daher ein festes Versorgungsniveau.

Das bestätigt nun auch eine Umfrage der Welt am Sonntag unter 25 Dax-Konzernen. Gerade jüngere beziehungsweise neue Mitarbeiter würden gegenüber Älteren zunehmend schlechter gestellt, heißt es. Sie bekämen zum einen geringere Leistungen oder die Höhe der Beiträge orientiere sich am Kapitalmarktzins - der Arbeitgeber wälze das Risiko also auf die Angestellten ab. So zitiert die Welt am Sonntag unter anderem das Unternehmen Daimler, bei dem es hieß: "Vergangenes Jahr haben wir ein modernes und zukunftsfähiges System der betrieblichen Altersversorgung für alle neu eintretenden Tarifbeschäftigten eingeführt." Das heißt: Die Neuen bekommen eine kapitalmarktorientierte Rente - wie viel das letztlich ist, hängt vom Markt ab, nicht von Daimler.

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Pensionskassendefizite im Dax

  • Thyssen-Krupp

    Börsenwert: 8.919 Mio. EUR
    Pensionsrückstellung: 7.708 Mio. EUR
    % vom Börsenwert: 86,4

    Quelle: Rückstellungen für Pensionen und ähnliche Verpflichtungen, jeweils zuletzt verfügbarer Jahresabschluss, Bloomberg, Flossbach von Storch Research; Stand: Dezember 2012

  • Deutsche Lufthansa

    Börsenwert: 6.143 Mio. EUR
    Pensionsrückstellung: 2.165 Mio. EUR
    % vom Börsenwert: 35,2

  • Deutsche Post

    Börsenwert: 19.864 Mio. EUR
    Pensionsrückstellung: 4.445 Mio. EUR
    % vom Börsenwert: 22,4

  • Volkswagen

    Börsenwert: 75.945 Mio. EUR
    Pensionsrückstellung: 16.787 Mio. EUR
    % vom Börsenwert: 22,1

  • RWE

    Börsenwert: 19.499 Mio. EUR
    Pensionsrückstellung: 3.846 Mio. EUR
    % vom Börsenwert: 19,7

  • Siemens

    Börsenwert: 72.154 Mio. EUR
    Pensionsrückstellung: 9.926 Mio. EUR
    % vom Börsenwert: 13,8

  • Bayer

    Börsenwert: 59.648 Mio. EUR
    Pensionsrückstellung: 7.870 Mio. EUR
    % vom Börsenwert: 13,2

  • Lanxess

    Börsenwert: 5.691 Mio. EUR
    Pensionsrückstellung: 679 Mio. EUR
    % vom Börsenwert: 11,9

  • Deutsche Telekom

    Börsenwert: 36.511 Mio. EUR
    Pensionsrückstellung: 6.095 Mio. EUR
    % vom Börsenwert: 11,4

  • HeidelbergCement

    Börsenwert: 8.048 Mio. EUR
    Pensionsrückstellung: 833 Mio. EUR
    % vom Börsenwert: 10,3

  • Continental

    Börsenwert: 17.075 Mio. EUR
    Pensionsrückstellung: 1.432 Mio. EUR
    % vom Börsenwert: 8,4

  • Allianz

    Börsenwert: 46.963 Mio. EUR
    Pensionsrückstellung: 3.754 Mio. EUR
    % vom Börsenwert: 8,0

  • Daimler

    Börsenwert: 41.933 Mio. EUR
    Pensionskassendefizit: 3.184 Mio. EUR
    % vom Börsenwert: 7,6

  • Muenchener Rueck

    Börsenwert: 23.996 Mio. EUR
    Pensionsrückstellung: 1.691 Mio. EUR
    % vom Börsenwert: 7,0

  • Deutsche Bank

    Börsenwert: 31.817 Mio. EUR
    Pensionsrückstellung: 1.716 Mio. EUR
    % vom Börsenwert: 5,4

Besonders zu schaffen macht der Zinssatz den Unternehmen, die eigene Pensionskassen haben: Wurden den Mitarbeitern noch vor einigen Jahren mehr als drei Prozent Zinsen zugesagt, müssen sich die Unternehmen auch daran halten - auch wenn sie selber weniger Zins am Kapitalmarkt erwirtschaften. Auch im Mittelstand bekommen Unternehmen Probleme: Nach Berechnungen des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) droht deshalb in den kommenden 15 Jahren bei den Betriebsrenten eine Deckungslücke von 4,1 Milliarden Euro. Bei den Mittelständlern belaufen sich die Pensionsverpflichtungen den Angaben zufolge auf insgesamt 24 Milliarden Euro, die eigentlich durch entsprechende Kapitalanlagen abgesichert sein sollten. Da die Zinseinnahmen nach DIHK-Schätzungen niedriger ausfallen dürften als erwartet, müssten die Unternehmen die fehlenden 4,1 Milliarden Euro über ihren Gewinn ausgleichen. Dieses Geld fehle dann für Investitionen.

Die Renditen der größten Pensionsfonds

  • Siemens Pensionsfonds

    Siemens Pensionsfonds

    Pensions-Anwärter: 1

    Rentner: 99.993

    Kapitalanlage: 5650 Millionen Euro

    Nettorendite

    2009: 2,6

    2010: 15,1

    2011: 0,9

    ⁴Summe aus den Kapitalanlagen des Fonds und den Kapitalanlagen auf Rechnung und Risiko der Arbeitnehmer und Arbeitgeber

    ⁵Rendite auf die Kapitalanlagen auf Rechnung und Risiko der Arbeitnehmer und Arbeitgeber (Erträge abzüglich der Aufwendungen aus Kapitalanlage zuzüglich der Differenz aus nicht realisierten Kursgewinnen und Kursverlusten in Prozent des Mittelwertes der Kapitalanlagen

    ⁶Geschäftsjahr bis Ende Juni

    Quelle: Stand: Ende 2011; Quelle: Geschäftsberichte der Pensionskassen und Pensionsfonds, BaFin, eigene Berechnung

  • RWE Pensionsfonds

    RWE Pensionsfonds

    Pensions-Anwärter: 0

    Rentner: 41,432

    Kapitalanlage: 6391 Millionen Euro

    Nettorendite

    2009: 15,2

    2010: 7,6

    2011: 0,4

    ⁴Summe aus den Kapitalanlagen des Fonds und den Kapitalanlagen auf Rechnung und Risiko der Arbeitnehmer und Arbeitgeber

    ⁵Rendite auf die Kapitalanlagen auf Rechnung und Risiko der Arbeitnehmer und Arbeitgeber (Erträge abzüglich der Aufwendungen aus Kapitalanlage zuzüglich der Differenz aus nicht realisierten Kursgewinnen und Kursverlusten in Prozent des Mittelwertes der Kapitalanlage)

    Quelle: Stand: Ende 2011; Quelle: Geschäftsberichte der Pensionskassen und Pensionsfonds, BaFin, eigene Berechnung

  • Bosch Pensionsfonds

    Bosch Pensionsfonds

    Pensions-Anwärter: 119.498

    Rentner: 37.848

    Kapitalanlage: 1523 Millionen Euro

    Nettorendite

    2009: 17,3

    2010: 9,2

    2011: -0,4

    ⁴Summe aus den Kapitalanlagen des Fonds und den Kapitalanlagen auf Rechnung und Risiko der Arbeitnehmer und Arbeitgeber

    ⁵Rendite auf die Kapitalanlagen auf Rechnung und Risiko der Arbeitnehmer und Arbeitgeber (Erträge abzüglich der Aufwendungen aus Kapitalanlage zuzüglich der Differenz aus nicht realisierten Kursgewinnen und Kursverlusten in Prozent des Mittelwertes der Kapitalanlagen)

    Quelle: Stand: Ende 2011; Quelle: Geschäftsberichte der Pensionskassen und Pensionsfonds, BaFin, eigene Berechnung

  • DEVK Pensionsfonds

    DEVK Pensionsfonds

    Pensions-Anwärter: 122.109

    Rentner: 586

    Kapitalanlage: 312 Millionen Euro

    Nettorendite

    2009: 24,6

    2010: -0,8

    2011: -17,0

    ⁴Summe aus den Kapitalanlagen des Fonds und den Kapitalanlagen auf Rechnung und Risiko der Arbeitnehmer und Arbeitgeber

    ⁵Rendite auf die Kapitalanlagen auf Rechnung und Risiko der Arbeitnehmer und Arbeitgeber (Erträge abzüglich der Aufwendungen aus Kapitalanlage zuzüglich der Differenz aus nicht realisierten Kursgewinnen und Kursverlusten in Prozent des Mittelwertes der Kapitalanlagen)

    Quelle: Stand: Ende 2011; Quelle: Geschäftsberichte der Pensionskassen und Pensionsfonds, BaFin, eigene Berechnung

  • Pensionsfonds insgesamt

    Pensionsfonds insgesamt²

    Pensions-Anwärter: 463.659

    Rentner: 293.376

    Kapitalanlage: 25381 Millionen Euro

    Nettorendite

    2009: 8,3

    2010: 7,8

    2011: k.A.

    ²Stand: Ende 2010

    ⁴Summe aus den Kapitalanlagen des Fonds und den Kapitalanlagen auf Rechnung und Risiko der Arbeitnehmer und Arbeitgeber

    ⁵Rendite auf die Kapitalanlagen auf Rechnung und Risiko der Arbeitnehmer und Arbeitgeber (Erträge abzüglich der Aufwendungen aus Kapitalanlage zuzüglich der Differenz aus nicht realisierten Kursgewinnen und Kursverlusten in Prozent des Mittelwertes der Kapitalanlagen)

    Quelle: Stand: Ende 2011; Quelle: Geschäftsberichte der Pensionskassen und Pensionsfonds, BaFin, eigene Berechnung

Bei den Dax-Konzernen klafft laut der Umfrage der Welt am Sonntag eine noch viel größere Lücke: 311 Milliarden Euro Pensionsverpflichtungen stünden 193 Milliarden Euro Vermögen gegenüber. Zuletzt hat die Lufthansa wegen einer solchen Lücke beschlossen, ihr Vorsorgemodell umzukrempeln: Europas größte Fluggesellschaft hat Anfang September angekündigt, den seit 1994 bestehenden Tarifvertrag zur betrieblichen Altersvorsorge aufzuheben und neu zu verhandeln. Bis dato haben die Mitarbeiter im Inland eine Verzinsung von sechs bis sieben Prozent der eingezahlten Beiträge bekommen. Die Zinsgarantie soll nun wegfallen.

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