„Der Pflege-Bahr“: Das taugt das neue Pflege-Tagesgeld

„Der Pflege-Bahr“: Das taugt das neue Pflege-Tagesgeld

, aktualisiert 11. Juni 2013, 09:39 Uhr
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Namensgeber: Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr vor der Bundespressekonferenz in Berlin.

Quelle:Handelsblatt Online

Versicherer starten einen Werbefeldzug für den neuen geförderten „Pflege-Bahr“. Die Kritik der Verbraucherschützer ist vernichtend. Abschließen oder nicht? Ein Vergleich zeigt die besten Policen und deckt Schwächen auf.

Kaum ist der neue „Pflege-Bahr“ auf dem Markt, schon wird er von den Verbraucherschützern arg zerrissen. „Nichts anderes als eine Promotion für die Versicherungsbranche“, erklärt etwa Edda Castello von der Verbraucherzentrale Hamburg. Wegen Intransparenz und hoher Kosten sollten Versicherte das Geld lieber auf ein Festgeld-Konto legen.

Das Projekt sei ein „kalkulatorischer Blindflug der Versicherungsmathematiker, da die Privatwirtschaft ja keine Erfahrung mit derartigen Produkten habe“, erklärt Axel Kleinlein, ehemaliger Vorsitzender des Bundes der Versicherten. Stiftung Warentest verzichtete in einem Vergleich von Anfang Mai sogar auf das das bekannte Bewertungsurteil zwischen „sehr gut“ und „mangelhaft“. Auch Gerd Billen, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbandes lässt kein gutes Haar an der den neuen „Pflegetagegeldern“: „Es ist volkswirtschaftlich nicht sinnvoll, in diese Form der Risikoabsicherung zu investieren“.

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Was ist nur passiert, das die Kundenvertreter derart erzürnt? Anfang des Jahres führte die Regierung eine neue Förderung für Pflegetagegeld-Policen ein. Solche Policen springen ein, wenn der Versicherte im eigenen Haushalt nicht mehr ohne Hilfe auskommt. Die private Vorsorge ist wichtig, weil die staatlichen Zuschüssen nicht annähernd reicht, um die Kosten einer Pflege abzudecken. Laut Analysehaus Morgen & Morgen können die Deckungslücken von 360 Euro bei ambulanter Pflege in Stufe I rund 1700 Euro bei stationärer Pflege in Stufe III betragen.

Der Abschluss einer Police ist Pflicht für Vermögende, die im Alter nicht auf die Grundsicherung angewiesen sind oder ihren Nachkommen ein reiches Erbe hinterlassen möchten. Die ungeförderten Policen, die es bislang gab, galten in der Branche aber eher als Ladenhüter.

Die besten Policen im Vergleich

Das soll sich nun ändern. „Die Einführung der neuen Pflegezusatzversicherung ist auf jeden Fall ein historischer Schritt“, sagt Volker Leienbach, Direktor beim Verband der Privaten Krankenversicherung. „Bereits in den ersten vier Monaten nach seiner Einführung wurden 70.000 Verträge abgeschlossen und täglich kommen hunderte neue hinzu“. Bis zu 1,5 Millionen Menschen sollen laut Verband in den nächsten Jahren eine Police abschließen.

Aber lohnen die geförderten Tarife nicht nur für die Versicherer, sondern auch für den Kunden? Die Auswahl des besten Tarifes ist für Normalkunden ohne Fachwissen kaum möglich. Ein Marktvergleich des Analysehauses Morgen & Morgen von 20 Pflege-Bahr-Tarifen, die Handelsblatt Online vorab vorliegt, zeigt immense Unterschiede bei den Leistungen.

Bei einem 20 Jahre alten Versicherten, der monatlich einen Beitrag von rund 15 Euro zahlt, schwanken in Pflegestufe III die monatlichen Leistungen zwischen 1980 Euro beim besten Anbieter und 840 Euro beim schlechtesten Anbieter. 600 Euro sind vom Gesetzgeber als Untergrenze vorgeschrieben. Auch bei den Tarifen in Pflegestufe I und II sind die Unterschiede je nach Anbieter erheblich.

Das Problem: Es gibt keinen Versicherer, der in allen Pflegestufen die höchste Leistung bietet. Während bei einem jungen Versicherten vor allem die Leistungen variieren, unterscheiden sich bei Älteren vor allem die Monatsbeiträge. Einen 60 Jahre alte Versicherter kann bei keiner Gesellschaft in Pflegestufe III mehr als die gesetzliche Mindestanforderung von 600 Euro absichern.

Pflegeversicherung Nutzloser Pflegezuschuss

Die Zahl der Pflegebedürftigen wird wachsen. Weil das für den Sozialstaat zu teuer wird, gibt er künftig fünf Euro im Monat zu privaten Vorsorgetarifen dazu. Ein Witz, sagen Versicherer und Opposition.

Eine Krankenschwester hält am 27.10.2005 einer Seniorin die Hand. Quelle: dpa

Die Beiträge variieren je nach Anbieter dabei zwischen 24 Euro und mehr als 38 Euro im Monat. „Das Thema Pflege-Bahr ist komplex“, sagt Stephan Schinnenburg, Geschäftsführer von Morgen & Morgen. „Starke Beitragsunterschiede bei älteren Versicherungsnehmern, extrem variierende Pflegemonatsgelder bei jüngeren Versicherten, unterschiedliche Leistungen innerhalb der Pflegestufen machen die geförderte Pflege beratungsintensiver als ursprünglich angenommen“.

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