Deutsche Lebensversicherer: Schleichende Krise

Deutsche Lebensversicherer: Schleichende Krise

, aktualisiert 10. August 2016, 17:41 Uhr
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Lebensversicherungen sind nach wie vor eine der beliebtesten Anlageformen in Deutschland, doch die Branche hat stark mit den niedrigen Zinsen zu kämpfen.

von Daniel Schäfer Quelle:Handelsblatt Online

Die deutschen Lebensversicherer entwickeln sich zunehmend zum Unsicherheitsfaktor, ihr Kapitalpolster sinkt dramatisch. Der Branche bleibt nichts anders übrig, als mehr Risiko zu gehen und Kräfte bündeln. Ein Kommentar.

Warnhinweise gab es zuletzt genug: Von der größten Gefahr für das europäische Finanzsystem sprach der Internationale Währungsfonds. Und Felix Hufeld, Chef der Finanzaufsicht Bafin, warnte vor Schieflagen einzelner Unternehmen. Gemeint ist ausgerechnet eine Branche, die jahrzehntelang als Symbol deutscher Stabilitäts- und Vorsorgekultur galt: die Lebensversicherer.

Dass sich der einstige Hort der Absicherung zunehmend zum Unsicherheitsfaktor wandelt, zeigen neue Daten der Aufsicht Bafin. Gemessen an Regeln, die in den kommenden Jahren eingeführt werden, ist das Kapitalpolster demnach in den ersten drei Monaten des Jahres dramatisch gesunken.

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Schuld ist neben den neuen Regeln vor allem die Niedrigzinspolitik der Notenbank, die es den Anbietern immer schwerer macht, ihre Versprechungen zu erfüllen. Denn in den meisten der rund 90 Millionen Lebensversicherungsverträgen haben die Unternehmen hohe Garantieversprechungen abgegeben. So schätzt die Ratingagentur Fitch, dass die Branche im Schnitt 2,5 Prozent an den Kapitalmärkten verdienen müsste, um die Verpflichtungen aus den Garantien zu erfüllen.

In Zeiten von Minuszinsen für deutsche Staatsanleihen fällt das den Lebensversicherern aber zunehmend schwer. Je mehr ihrer alten, noch höher verzinsten Anlagen – überwiegend Anleihen – auslaufen, desto größer wird das Problem.

Zwar bieten viele Lebensversicherer die alten Garantieprodukte gar nicht mehr an. Doch das ändert nichts am Problem der Altverträge. Der Branche bleibt nichts anders übrig, als stärker ins Risiko zu gehen – und im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten stärker in höher rentierende Aktien, Immobilien und Infrastruktur zu investieren. Und das, obwohl sie dafür mehr Eigenkapital vorhalten müssen.

Zudem sind 84 Lebensversicherer zu viel. Die kleineren Anbieter sollen sich zusammentun, um ihr Anlage- und Risikomanagement zu professionalisieren, Kosten zu senken und das Kapital aufzustocken.

Quelle:  Handelsblatt Online
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