Deutsche verlieren durch Mini-Zinsen: Asiaten werden reicher und reicher

Deutsche verlieren durch Mini-Zinsen: Asiaten werden reicher und reicher

, aktualisiert 07. Juni 2016, 19:55 Uhr
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Jack Ma gehört zu den reichsten Chinesen – und steht damit für einen weltweiten Trend.

von Robert LandgrafQuelle:Handelsblatt Online

Sie heißen Wang Jianlin und Jack Ma und zählen zu den reichsten Chinesen. Immobilienmagnat Jianlin und Alibaba-Gründer Ma sind aber nur zwei einer ganzen Reihe. China ist die treibende Kraft bei den Vermögenden in Asien.

Da können die Deutschen nicht mithalten. Sie hinken beim Wachstum der Vermögenswerte hinterher. Im vergangenen Jahr ist die Zuwachsrate sogar zurückgegangen, obwohl es den Deutschen gut geht, die heimische Wirtschaft in Europa eine erstaunliche Stabilität zeigt und die Konsumfreude der Deutschen nicht zu bremsen ist.

Wie der diesjährige Reichenreport des Beraters Boston Consulting Group (BCG) herausfand, wuchs das private Vermögen in Deutschland im vergangenen Jahr nur mit vier Prozent. Im Vorjahr waren es noch zehn Prozent mehr. Damit fiel das Ergebnis nicht berauschend aus. Doch zwei Drittel des deutschen Wachstums machen Spareinlagen aus.

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Nur sind diese in Zeiten von Minizinsen, die der Chef der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, mit seiner Geldschwemme verursacht hat, eine Reichstums-Bremse. Andererseits kann Ludger Kübel-Sorger, BCG Senior Partner und Experte für das Vermögensmanagement, der wenig veränderten Vermögensentwicklung auch etwas Gutes abgewinnen: „Ursache für die Stabilität in Deutschland ist der geringere Aktienanteil an den Vermögen. Damit sind sie den Schwankungen der Aktienmärkte weniger ausgesetzt.“

Ende vergangenen Jahres hatte die Allianz noch in ihrem „Global Wealth Report 2015“ errechnet, dass in den vorangegangenen sechs Jahren die Deutschen wegen ihrer Liebe zu Spareinlagen zusammengenommen knapp 30 Milliarden Euro „Verluste“ hatten hinnehmen müssen. Unter den weltweit Reichsten standen die Deutschen dann auch nur auf Platz 18. Der Versicherer hatte ein Netto-Geldvermögen von 44.769 Euro pro Kopf ausgerechnet. Das höchste Pro-Kopf-Einkommen besaßen die Schweizer mit rund 160.000 Euro, gefolgt von den Amerikanern mit knapp 140.000 Euro.

Insgesamt ist das globale private Vermögen vergangenes Jahr um 5,2 Prozent auf insgesamt 168 Billionen Dollar angestiegen, hat BCG errechnet – und damit deutlich langsamer als noch 2014. Da waren es satte 7,5 Prozent gewesen, wie es im Reichenbericht „Global Wealth 2016“ heißt. Seit 16 Jahren analysiert der Berater die Vermögenswerte von Privatanlegern, die in Bargeld, Aktien, Wertpapieren oder Fonds angelegt sind.

Auf der Überholspur befindet sich die Asiaten. Das Vermögen von Jianlin, Ma & Co wächst im Schnitt mit 13 Prozent und damit mehr als doppelt so stark wie weltweit. Und das macht die Überlegenheit noch nicht ausreichend deutlich: Asien ist die einzige Region mit einem zweistelligen Wachstum und unterstreicht damit seine Ausnahmerolle.

Was allerdings in den Zahlen des vergangenen Jahres nicht widergespiegelt wird, sind die Markt-Turbulenzen in China im Frühjahr dieses Jahres, die auch andere Schwellenländer mit nach unten gezogen hatten. Selbst nach der jüngsten Stabilisierung durch scharfe Gegenmaßnahmen der chinesischen Regierung bleibt eine gewisse Unsicherheit. Das gilt nicht nur für die Währung Yuan, die Schwäche gezeigt hatte. Das gilt insbesondere auch für Aktien, wo die Kurse in erster Linie von Privatanlegern nach oben und unten getrieben werden sowie für Immobilien.

Doch BCG kann das nicht erschüttern. Die Berater schreiben: „Schon 2017 werden die Asiaten voraussichtlich mit 45 Billionen Dollar Gesamtvermögen Europa überholen.“ Und dabei sehen die Experten China als „treibende Kraft“ in Asien. Ihre starke Dynamik ziehe die Region aus dem erwirtschafteten Neuvermögen, insbesondere durch gestiegene Haushaltseinkommen.

Von Wachstumsraten wie in Asien können Nordamerika und Osteuropa nur träumen. Hier verringerte sich das Wachstum privater Vermögen im Vergleich zum Vorjahr um fünf Prozent. „Diese Regionen leiden besonders unter den ungünstigen Bedingungen an den Finanzmärkten“, erklärt Kübel-Sorger.

Egal wie sich die Vermögen auch konkret entwickeln, eines steht für die Berater fest: Die Zahl der Millionärshaushalte wird weiter zunehmen. Ein Prozent der Haushalte weltweit verfügten über 47 Prozent des gesamten Privatvermögens. Und bei der tieferen Betrachtung zeigt sich ein Ergebnis, das man auf den ersten Blick auch vermutet hätte – noch. „Die meisten Millionäre leben nach wie vor in Nordamerika. Die dortigen Millionärshaushalte halten zusammen über 63 Prozent des gesamten regionalen Vermögens“, konstatiert die Studie.

Und Deutschland? Da sieht es bei weitem nicht so extrem aus. Im vergangenen Jahr teilten sich 1,1 Prozent der Bevölkerung rund 27,6 Prozent des Vermögens. Damit fällt das Ergebnis nicht einmal halb so hoch auch wie in Nordamerika, auch wenn die Anzahl der Millionäre und das Vermögen wachsen sollen. BCG wagt die Prognose, dass der Anteil der deutschen Millionäre bis 2020 „voraussichtlich 1,6 Prozent ausmachen“ wird und sie 31,5 Prozent des Vermögens besitzen werden. Stimmt die Vorhersage, dann steigt auch in Deutschland die Zahl der Reichen weiter Jahr für Jahr.

Quelle:  Handelsblatt Online
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