
FrankfurtDie Wut über zu hohe Dispozinsen ebbt nicht ab. Inzwischen hat die Linke im Bundestag angekündigt, nach der Sommerpause eine Gesetzesinitiative für eine Begrenzung der Zinsen zu starten. Doch Verbraucherministerin Ilse Aigner lehnt dies ab, sie plant im Herbst ein Spitzentreffen zwischen Banken, Verbraucherzentralen und Schuldnerberatungen.
Bankkunden können allerdings auch selbst versuchen, ihre Zinsen herunterzuhandeln. Die größten Chancen haben Kunden, die besonders viel bezahlen, eine langjährige Bindung zu ihrer Bank haben und zudem andere Produkte nutzen.
Laut den jüngsten Erhebungen des Finanzdienstleisters FMH verlangen Banken im Durchschnitt rund elf Prozent von jedem, der sein Konto im Rahmen des Dispolimits überzieht. Dabei liegen die Direktbanken mit rund acht Prozent deutlich darunter, die Filialbanken dagegen häufig drüber.
Was viele nicht wissen: Die ausgewiesenen Zinssätze sind verhandelbar, ähnlich wie die Kosten für Privat- oder Hauskredite. Bei Direktbanken, bei denen die Kontoführung online erfolgt, scheitern Verhandlungen häufig schon daran, dass es keinen persönlichen Ansprechpartner gibt. Anders aber sieht es aus bei Filialbanken.
„Bei sehr umfangreichen Geschäftsbeziehungen gibt es für den Berater auch bei Kontokorrentkrediten mit Dispozins einen Spielraum“, sagt Mathias Behrendt von der Frankfurter Sparkasse. Wenngleich der bei einem solch standardisierten Produkt spürbar geringer ausfalle als bei sonstigen Krediten. „Wer allerdings nur ein Girokonto hat und plötzlich Sonderkonditionen verlangt, geht mit zu hohen Erwartungen an die Sache“, gibt Behrendt zu bedenken.
Ähnliches ist von anderen Geldhäusern zu hören. Ein Sprecher der Deutschen Bank gibt auf Anfrage des Handelsblatts offen zu: „Wie beim Rahmen- oder Ratenkredit sind auch beim Dispokredit bonitätsabhängige Bandbreiten gegenüber dem Standardzins möglich.“ Bei der Commerzbank heißt es hingegen offiziell, an den Dispozinsen sei nicht zu rütteln.
Jeder Kunde ist durch sein Konto wertvoll für die Bank
Doch Verbraucherschützer glauben, dass die Kunden bei jeder Bank unterschiedliche Zinsen zahlen. Sie fordern seit längerem, dass auf dem Kontoauszug nicht nur der offizielle Dispozins ausgewiesen wird, sondern auch der derzeit günstigste, der im Haus vergeben wird. Dann würden mehr Kunden ermutigt nachzufragen.
Jeder Kunde sollte sich bewusst sein, dass er durch sein Girokonto wertvoll für die Bank ist. „Girokonten sind hochinformativ für die Banken, denn sie geben Auskunft über die Zahlungsströme“, sagt Rolf Tilmes, Professor an der EBS Business School. Weil viele Kunden ihre Girokonten nur selten wechseln, ist den Banken klar: Wen sie einmal verloren haben, bekommen sie kaum wieder zurück.
„Dieser Fakt, eine gewisse Manövermasse in Form weiterer Bankprodukte, die genutzt werden, und eine längerfristige Geschäftsbeziehung sind gute Anknüpfungspunkte zum Verhandeln“, sagt Tilmes. Das gelte übrigens auch für Sparzinsen. Und dann heißt es hartnäckig bleiben. „Wenn die Bank kein Entgegenkommen zeigt, muss der Kunde auch konsequent etwas abziehen“, sagt Tilmes.
Der günstigste Zeitpunkt, um bessere Konditionen auszuloten, ist übrigens nicht, wenn das Konto deutlich im Plus liegt. „Viel mehr Verhandlungsmacht hat derjenige, der schon im Dispo ist, denn an ihm verdient die Bank in diesem Moment Geld“, sagt Max Herbst, Gründer der FMH-Finanzberatung.
Er untersucht seit Jahren die Zinskonditionen von Banken. Der Kunde könnte damit drohen, Wertpapiere zu verkaufen, um sein Konto auszugleichen, und dann vielleicht gleich die Bank wechseln, rät Herbst.
Für gute Kunden sollten zwei Prozentpunkte Nachlass schon drin sein, meint Herbst. „Theoretisch sind die Dispozinsen, die bei Direktbanken gezahlt werden, die Untergrenze“, sagt er. Dem könnte der Bankberater erwidern, dass diese Banken eine geringere Geldautomatendichte haben. Doch auch Banken, die einen ähnlichen Service bieten, verlangen teilweise niedrigere Dispozinsen. „Eine gute Vorbereitung ist für die Verhandlung mit dem Bankberater daher wichtig“, sagt Tilmes.
Die Verpfändung von Sicherheiten ist zudem bei einigen Banken möglich. Für den „AnlageDispoKredit“ der Deutschen Bank zum Beispiel werden das Depot, Sparbriefe, Spareinlagen und Termingelder berücksichtigt. Auf 20 Prozent des Wertes kann das verfügbare Dispolimit dadurch erhöht werden.






















