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Edelmetall-Experte: "Silber ist gegenüber Gold unterbewertet"

von Frank Doll

Silber sei die preiswerte Alternative zum Gold und biete das deutlich höhere Preissteigerungspotenzial, meint Investor Thorsten Schulte. Vor allem für die Industrie ist das Edelmetall als Rohstoff unverzichtbar.

Thorsten Schulte
Thorsten Schulte

WirtschaftsWoche: Herr Schulte, Sie sagen Silber werde in Papierwährungen noch stärker steigen als Gold. Warum sollte das passieren?

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Weil es gegenüber Gold unterbewertet ist. Es gibt zwar mehr als fünfmal soviel Silber wie Gold, das noch im Boden liegt. Doch dieses Silber wird nur mit einem Zehntel des Wertes des Goldes bewertet. Bezogen auf den Preis pro Unze müsste das Preisverhältnis zwischen Gold und Silber also nicht bei 58 liegen, sondern auf 30 fallen.

Potenzielles Silberangebot liegt auch über der Erde. Rechnet man die bereits geförderten Mengen dazu, dann passte das aktuelle Preisverhältnis exakt.

Der Vergleich hinkt. Etwa die Hälfte des bisher gewonnen Silbers ging verloren oder wurde industriell verbraucht. Gold aber wird gehortet und wiederverwertet.

Genießt Gold nicht gerade deshalb eine höhere Wertschätzung, weil es nicht auf der Mülldeponie landet? Gold hat seinen monetären Charakter behalten, Silber hat sich immer mehr zum Industriemetall entwickelt.

Richtig. Deshalb haben Regierungen ja heute fast kein Silber mehr, das sie verkaufen könnten.     Zwischen 1993 und 2009 verkauften Regierungen 753 Millionen Unzen und drückten so den Preis. Aber das Ende ist in Sicht. Die Silberlager der Regierungen sind so gut wie leer. Dagegen können Staaten und internationale Organisationen noch 982 Millionen Unzen Gold verkaufen.

In der Praxis passiert das Gegenteil. Notenbanken stocken die Staatsreserven auf - mit Gold, nicht mit Silber.

Es steht nicht in Stein gemeißelt, dass das ewig so bleibt. Möglicherweise werden die Staaten irgendwann auch wieder Silberreserven aufbauen. Ganz hat Silber seinen Währungscharakter ja nicht verloren. Da Silber von großer realwirtschaftlicher Bedeutung ist, wird der private Besitz von Silber kaum verboten aufgrund hoher administrativer Kosten. Gold war in den USA und China lange verboten. Gerade in der Doppelrolle von Silber als Edel- und Industriemetall sehe ich einen starken Preistreiber. Beim Gold kommt nur weniger als zehn Prozent der Nachfrage aus der Industrie, beim Silber tragen industrielle Anwendungen, die Fotografie und Tafelsilber rund zwei Drittel zur Gesamtnachfrage bei. Die Nachfrage aus der Industrie stieg binnen zehn Jahren um 70 Prozent.

Das reichte gerade, um den Nachfrageschwund aus anderen Bereichen aufzufangen. Fotografiert wird heute digital, als Aussteuer ist Silberbesteck out. Bei schwacher Konjunktur braucht auch die Industrie weniger Silber.

Aber die Weltwirtschaft wächst. Man sollte weniger auf die schwache Geldmengenentwicklung in den USA schauen und sich besser die Entwicklung in den Schwellenländern anschauen. Die gemeinsame Geldmenge von Brasilien, Russland, Indien, Indonesien, China und Südafrika hat sich seit 1999 bis heute versiebenfacht auf fast 14 000 Milliarden Dollar. Ich sehe keinen baldigen Zusammenbruch der Weltwirtschaft. Die weltweiten Exporte haben das Vorkrisenniveau nahezu wieder erreicht – dank Asien. Ich bleibe für die kommenden Monate optimistisch, dass die Erholung nicht abbricht.

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7 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 30.11.2010, 23:56 UhrAnonymer Benutzer: Goldmark

    Es sind noch immense Mengen an Silber im Umlauf, ob als Omas besteck, alte Münzen oder Gegenstände. Die Dunkelziffer muss sehr hoch sein. in der industrie ist man in vielen bereichen schon zu Substitutmetallen übergegangen, die Silber ersetzen.
    Keine anderes Metall übt auf die Menschen eine solche Faszination aus wie Gold. Das wird sich auch nicht ändern.

  • 21.10.2010, 13:54 UhrAnonymer Benutzer: Hägar Schmidt

    ist ja interessant. Und was ist, wenn es umgekehrt ist: Gold ist gegenüber Silber überbewertet? Es mag etwas überspitzt erscheinen, aber für mich hören sich die Artikel wie "Gold ist noch eine Prima-Anlage" und "Silber ist auch nicht schlecht" nach Aussagen von Händlern an, die bereits gekauft haben und per Social Media Stimmung für ihre Anlage machen wollen, um die Spekulationsgewinne zu maximieren und kurzfristig auszusteigen (das war bisher bei allen Spekulationsobjekten so gelaufen). Anders formuliert: eine Anlageform lohnt sich in unserer mediensaturierten Welt in Wahrheit nur dann wirklich, wenn es keiner laut behauptet (sondern in aller Stille investiert).

    Sollte die Konjunktur demnächst 1-2 Jahre weiter Spaß machen, werden sich zumindest mittelfristig interessante Schwankungen ereignen. Jedenfalls muss Gold noch ordentlich fallen (50%), damit es als Spekulationsobjekt wieder attraktiv wird. Spätestens in der nächsten Krise, die womöglich die letzte tief in den Schatten stellt, wird sich Gold und ähnliches als Anlage lohnen (genauer: gelohnt haben). Wenn man bedenkt, dass die Konjunkturzyklen inzwischen 3-4 Jahre ausmachen, und die aktuelle Konjunktur faktisch bereits seit 3/4 Jahr gut läuft, liegt der Zeitpunkt für einen günstigen Einstieg in Gold noch 2-3 Jahre vor uns.

  • 19.10.2010, 20:23 UhrAnonymer Benutzer: Gewicht als Kriterium ist Dummheit!

    Wer wegen der größeren Menge lieber Gold kauft hat nicht mehr alle Latten am Zaun! Von Silber kann man nie genug haben wenn es wieder zu seiner historischen Kaufkraft von 200 v. Chr bis 1900 n. Chr. zurück kommt, der wird sich wegen diesen blödsinnigen Argument noch ärgern. Wer sich mit Geschichte befasst wird schnell merken das eine unze Silber eine Reale kaufkraft von heute 800-1500euro hätte.

    und man kann diese momentan noch zu 20,-euro kaufen.

    (((WAS FÜR EiN SCHNÄPCHEN))))

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