Einbruchdiebstahl: Beklaut, versichert und sehr verärgert

Einbruchdiebstahl: Beklaut, versichert und sehr verärgert

von Andreas Toller

Wohnungseinbrüche in Deutschland nehmen zu. Hausratversicherungen sollen zumindest vor finanziellem Schaden schützen. Doch viele Betroffene fühlen sich übervorteilt. Was Versicherte tun können, um sich zu schützen.

Als Markus Becker* und seine Freundin nach einem langen Arbeitstag ihre Wohnung im fünften Stock im Düsseldorfer Stadtteil Flingern betreten wollten, mussten sie nicht nach dem Wohnungsschlüssel kramen – die Tür war schon offen. Einbrecher hatten die Tür in den Nachmittagsstunden einfach eingetreten. Alles Tragbare von Wert hatten sie mitgehen lassen: drei Computer, zwei teure Kameras mit Objektiven und Zubehör, eine kleine Digitalkamera sowie etwas Bargeld. Geschätzter Schaden einschließlich der beschädigten Wohnungstür: Rund 6500 Euro.

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Ohne die Versicherung wäre das Paar aus Düsseldorf wohl allein auf den Kosten für die Wiederbeschaffung der geklauten Geräte sitzen geblieben. Die Hausratversicherung regulierte den Schaden schnell – allerdings nicht in voller Höhe. Die Versicherung stellte sich bei den teureren Positionen auf der eingereichten Diebesgutliste an. Das sechs Jahre alte Notebook, seinerzeit teuer und auf dem Stand der Technik, sollte etwa am aktuellen Preis eines vergleichbaren Computers gemessen werden – der heute als zu leistungsschwach und billig gilt. Auch die teure Spiegelreflexkamera, die das Paar erst vier Monate zuvor gekauft hatte, war inzwischen beim Internetdiscounter 200 Euro billiger zu haben. Den Fachhandelspreis wollte die Versicherung nicht als Maßstab nehmen. Insgesamt ersetzte die Versicherung aber knapp 90 Prozent des Schadens.

So glatt lief es für Otto Clampe* aus einer Kleinstadt am Niederrhein nicht. Der Ruheständler und seine Frau hatten am Einfamilienhaus nur wenige Wochen zuvor nach einer Beratung durch die Kriminalpolizei Türen und Fenster mit modernen Schlössern und Riegeln ausstatten lassen. Aber als die Einbrecher während ihrer kurzen Abwesenheit am helllichten Tag in das Haus einbrachen, hielten die sich erst gar nicht mit Schlössern auf, sondern warfen mit einem Stein eine Scheibe ein – und stahlen den ganzen Tresor. Darin befanden sich Erbstücke wie antiker Schmuck, zahlreiche Sparbücher, Ersatzschlüssel und wichtige Originaldokumente. Der Schaden war immens. Zu allem Unglück stellte sich die Versicherung bei der Regulierung quer, denn beim Schmuck fehlte ein Beleg oder ein Gutachten über den Wert. Aber auch beim Ersetzen der Schlösser an Haus und Auto und vielen weiteren Punkten trat die Assekuranz auf die Kostenbremse. Clampe war seit mehr als dreißig Jahren treuer Versicherungskunde, nun ist er erbost: „Ich habe durch den Einbruch einen Verlust von mehr als 30.000 Euro zu tragen.“ Clampe hatte sich ganz klar mehr von seiner Versicherung erhofft.

Alle vier Minuten ein Einbruch

Das Risiko von Wohnungseinbrüchen steigt in Deutschland. Gegenüber 2011 ist laut der Polizeilichen Kriminalstatistik, die Mitte Mai vorgestellt wurde, die Zahl der Diebstähle nach Wohnungseinbrüchen um 8,7 Prozent auf 144.000 im Jahr 2012 gestiegen. Die Einbrüche am Tag sind sogar überproportional gestiegen und machen mehr als 40 Prozent der Fälle aus. Statistisch findet alle vier Minuten ein Einbruch statt. Die Aufklärungsquote ist mit knapp 16 Prozent niedrig.

Die Ursachen für den starken Anstieg bei den Einbruchdiebstählen sind nicht so einfach auszumachen, zumal die Aufklärungsquote für eine klare Indizienlage nicht ausreicht. Aber die Politiker sind nun alarmiert. Innenminister Hans-Peter Friedrich lässt vom Bundeskriminalamt jetzt ein bundesweites Lagebild erstellen, das als Grundlage für Beratungen der Landesinnenminister dienen soll. Dann soll sich zeigen, welche Maßnahmen geeignet sind, um eine weitere Zunahme der Einbruchdiebstähle zu stoppen.

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