Engelmanns Eigenhandel: Zurück zu den Wurzeln

kolumneEngelmanns Eigenhandel: Zurück zu den Wurzeln

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Oliver Engelmann, Rentenmarktexperte bei der Citi

Die Staatsanleihen der Euro-Randstaaten spielen verrückt - und dennoch: Im vierten Jahr der Finanzkrise ist der Anleihemarkt ein Stück zurück in die Normalität gerückt. Risiken werden wieder bezahlt und die gehandelten Volumina sinken auf ein gesundes Maß. Das ist gut so, sagt unser Kolumnist.

Dass eine Kolumne mit dem Zitieren eines Sprichwortes zu beginnen stilistisch nicht der Weisheit letzter Schluss ist, liest man in vielen Fachbüchern zum Thema. Doch manchmal bietet es sich einfach an, zum Beispiel immer dann, wenn man sich in einer trüben Gegenwart gefangen glaubt und nur der Blick in die zumeist verklärt wahrgenommene Vergangenheit einem Trost spendet. "Früher war alles besser!", so lautet der Gruß der im Hier und Heute Frustrierten und gerne tauschen die ihre Erinnerungen an lang zurückliegende Tage seligen Glücks aus. Und tatsächlich war früher zwar nicht alles, aber doch vieles besser: Raider hieß noch nicht Twix, der Liter Normalbenzin kostete weniger als eine Mark und am deutschen Rentenmarkt beschäftigte man sich hauptsächlich mit Bundesanleihen und Pfandbriefen.

Denke ich an diese schöne Zeit zurück, so geht mir das Herz auf. Das Produktuniversum war vergleichsweise klein, Zinsen bewegten sich in der Hauptsache auf Grund volkswirtschaftlicher Daten und der Begriff "Spread" (Differenz) hatte seinen Siegeszug durch die Handelsräume noch nicht angetreten. Überhaupt die Handelsräume - eigentlich müsste man sie rückblickend eher Zimmer nennen. Der Handelsraum der Bank, für die ich Anfang der 90er Jahre tätig war, glich mehr der heimischen Wohnstube denn den Vorbildern von Wall Street: Bilder an den Wänden und Gardinen(!) an den Fenstern verliehen dem Ganzen eine für das eigentlich doch so harte Geschäft untypische Gemütlichkeit. Obwohl: War das Geschäft damals so "hart"? Eher nicht. Um in der Analogie vom Wohnzimmer zu bleiben: Der deutsche Rentenmarkt glich einer großen Familie, die in solchen Wohnzimmern zusammenkam, um miteinander Geschäfte abzuschließen. Das "gesprochene Wort" galt und um Pfennige wurde sich in der Regel nicht gestritten.

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Deutschland folgte London und der Wall Street

Doch die Globalisierung hat auch vor dem deutschen Rentenmarkt nicht halt gemacht. Viel hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten verändert. Die Verantwortung für die abgeschlossenen Geschäfte verschob sich nach angloamerikanischen Vorbild von der Gruppe (in Person des Chefs) auf den einzelnen Händler, die Produktpalette erweiterte sich deutlich und auch das Nominalvolumen einzelner Emissionen stieg im Gleichschritt mit den insgesamt stark in die Höhe schnellenden Umsätzen an.

Aus heutiger Sicht muss es manch jungem Händler wie eine Erzählung aus "Grimms Märchen" vorkommen, wenn man  - als mit über 40 Jahren schon "älterer" Kollege - darüber berichtet, dass noch zu Beginn der 90er Jahre nur der "Chefhändler" einer Bank das Recht hatte, über die Zinstendenz zu entscheiden und diese entsprechend umzusetzen. Ebenso wie eine Anekdote der beiden Brüder aus Hanau will es einem heute erscheinen, dass man sich vor zwanzig Jahren am deutschen Rentenmarkt fast ausschließlich mit Bundesanleihen und Pfandbriefen beschäftigte, allerhöchstens vielleicht noch mit sogenannten Eurobonds. Unternehmensanleihen führten ein Mauerblümchendasein, strukturierte Zinsprodukte wurden gerade erst entdeckt und mit dem damals noch an der Londoner Präsenzbörse gehandelten Bund-Future wurde erstmalig der Begriff des Hedging (sprich der Absicherung bestehender Positionen) in die Überlegungen der Marktteilnehmer eingeführt. Früher hatte man Anleihepositionen, die einem nicht mehr in den Kram passten, weil man fürchtete, mit ihnen Geld zu verlieren, einfach verkauft. Fortan wurde "gehedged". 

Siegeszug der großen "Covered Bonds"

Besonders stark entwickelte sich in der zweite Hälfte der 90er Jahre der Markt für gedeckte Schuldverschreibungen weiter. Nicht nur wurde mit der Erfindung des sogenannten "Jumbo-Pfandbriefes" - einer Abwandlung des bis dahin schon über 200 Jahre emittierten "traditionellen Pfandbriefes" -, der sich durch ein Emissionsvolumen von mindesten einer Milliarde Deutscher Mark und einer bindenden Verpflichtung der an der Begebung beteiligten Banken zur täglichen Preisstellung ("Marketmaking") von seinem traditionellen Pendant unterschied, ein neues Marktsegment geschaffen, das in der Folge als Vorbild zahlreicher anderer Märkte für großvolumige gedeckte Schuldverschreibungen ("covered bonds") aus halb Europa diente; auch das Gesamtvolumen der begebenen gedeckten Schuldverschreibungen und das Handelsvolumen stiegen stark an.

Covered Bonds im Jumbo Format versprachen das, was institutionelle Anleger angeblich zuvor vermisst hatten: Liquidität. Und zogen damit auch internationale Investoren an, ihr Geld in diesen Teilbereich des deutschen und europäischen Rentenmarktes anzulegen. Wer zu Beginn des neuen Jahrtausends die Sinnhaftigkeit des Marketmaking, das übrigens nicht nur im Verhältnis zwischen Bank und Kunde, sondern auch zwischen den einzelnen Banken am Markt verpflichtend war, bezweifelte, riskierte, als Ketzer auf dem Scheiterhaufen des Altmodischen verbrannt zu werden. 

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