Was machen die Superreichen besser? „Wer ein Leben lang unternehmerisch gehandelt hat, ist es gewohnt, eher die Chance zu sehen, als das Risiko zu fürchten“, sagt Naab und zitiert Fontane: „Am Mut hängt der Erfolg.“ Die Deutschen hätten durchweg zu wenig Aktien. Seine Kunden sollen viele haben oder zumindest eine feste Aktienquote. Die diszipliniert und ist auch für weniger vermögende Anleger sinnvoll: Wer sich auf eine Aktienquote festlegt, nimmt in überhitzten Märkten Gewinne mit und kauft, wenn Aktien unterbewertet sind. „Strategische Quoten soll man nur dann anpassen, wenn sich die persönliche Lebenssituation ändert oder wenn ich an den Börsen mit schwersten Verwerfungen rechne“, sagt Naab. Zertifikate, die Anlegern bei Aktien den Kapitalerhalt garantieren, ihnen dafür aber einen Teil der Gewinnchancen nehmen, lehnt er generell ab: „Unsere Kunden haben keine Zertifikate. Wir halten sie nicht für zielführend.“ Denn: „Mit Allwetterreifen liegt man im Rennen immer hinten.“ Ralf Schumacher könnte dies bestätigen. Der Formel-1-Pilot ist bekennender Aktienanleger und managt sein Vermögen nach eigenem Bekunden selbst. „Dafür gibt es Laptops“, vertraute er einst dem „Spiegel“ an. Engagements am Neuen Markt lehnte er ab und warnte im Frühjahr 2000 auch vor dem großen Crash: „Es muss bald rappeln.“ Ende 2004 kaufte er sich bei einer Tochter der börsennotierten Beate Uhse AG ein. Als er deswegen von TV-Blödler Stefan Raab als „Porno-Ralle“ verulkt wurde, stieg er wieder aus. Heute kann er Raab dafür dankbar sein. Bei Beate Uhse läuft es nicht rund, die Aktie hat sich seit Ende 2004 halbiert. Pläne seines Ex-Managers Willi Weber, das Merchandising-Geschäft mit Fanartikeln von Bruder Michael an die Börse zu bringen, starben mit dem Crash. Weber macht es jetzt eine Nummer kleiner. Er beteiligte sich am Spieleentwickler 10 Tacle, der im Mai an die Börse ging und seitdem 30 Prozent Kursplus verbuchte. 10 Tacle vermarktet unter anderem ein Schumacher-Spiel. Prominenten werden oft Aktien angedient, verknüpft mit Werbeangeboten oder Geschäftsideen. Selten wird etwas von Dauer daraus. So kam die Schauspielerin Iris Berben 2001 zu einem Aufsichtsratsmandat und 8333 Aktien des Neue-Markt-Rohrkrepierers Neue Sentimental Film. Fußballer Lothar Matthäus kaufte Anfang 2001 vier Prozent am österreichischen Wettanbieter Bet-at-home. Dessen Mutter E-Multi wollte im Internet mit Matthäus’ Hilfe Sportwetten anbieten. Mitte 2002 war E-Multi pleite. Aus der vollmundig angekündigten „Lothar-Aktie“ wurde nichts. Immerhin rettete Matthäus sein in Bet-at-home investiertes Kapital. Als E-Multi übernommen wurde und die Insolvenz zurückzog, wurde er ausbezahlt. Zu früh: Bet-at-home startete zu einer furiosen Aufholjagd. Von Ende 2004 bis Mai 2006 stieg der Kurs von 1,40 auf gut 70 Euro. Heute liegt er bei 23 Euro.
Zertifikate Tool: Nachschauen, ob Ihr Geld gut aufgehoben ist!
Sportlern, Schauspielern oder Sängern fehlt oft das, was viele Unternehmer sich im Lauf ihres Lebens erarbeiten: „Unternehmer haben eine sehr gute Vorstellung davon, was wirklich der Wert einer Beteiligung ist“, sagt Naab vom Bankhaus Metzler. Und Erben? „Wer in einer vermögenden Familie aufwächst, lernt meist von früh auf den Umgang mit Vermögen“, sagt Berater Teufel von Sal. Oppenheim. So wie Daniel Hopp, Sohn des SAP-Gründers: 2004 kaufte er billig 15 Prozent des Callcenter-Unternehmens D+S Europe. Im Mai 2006, der Kurs hatte sich verdoppelt, verkaufte er eine erste Tranche und vor wenigen Tagen eine zweite, über dem Dreifachen seines Einstandspreises. Winter am Tegernsee. Die Vermögensverwaltung PEH hat ihre reichsten Kunden zum Investoren-Wochenende nach Rottach-Egern gebeten. Vor „Bischoff am See“, einem Lieblingstreff der Münchner Schickeria, parken 911er, Cayenne und Jaguar. Drinnen drängen sie sich um die Bar, mit Blick auf den nachtblauen See: der Schnaps-Industrielle, der von seinem Vater die Familienbrennerei samt Abnahmeverträgen von großen Discountern übernommen hat. Dazu der Privat-Investor, in Kordhose und kariertem Hemd, der mehrere Unternehmen gegründet und gut verkauft hat, einige auch an der Börse, bei Verfünffachung seines Einsatzes. Oder der weißhaarige Privatier, mit Sohn. „Immobilien“, raunen die, die ihn kennen. Das Geschäft mit den Reichen boomt. PEH selbst war ein lukratives Investment. Zum Beispiel für Falk Strascheg, den Doyen der deutschen Wagniskapital-Szene, der Intershop und Brokat an den Neuen Markt brachte und ausstieg, bevor deren Kurse abstürzten. Sein PEH-Aktienpaket hat ihm bisher etwa 220 Prozent Kursgewinn gebracht. „Am besten schneiden vermögende Kunden in den Bereichen ab, in denen sie selber ihr Geld gemacht haben“, sagt PEH-Vorstand Stefan Mayerhofer. Auf neuen Spielfeldern wird es schwierig. Großindustriellen-Spross Stefan Quandt griff mit seinen neu aufgebauten Logistik-Beteiligungen Thiel und Microlog kräftig daneben. Mit den Familien-Aktien BMW und Altana wäre er besser gefahren. Die größte Gefahr für die Reichen? „Kontrollillusion“, sagt Mayerhofer, „das falsche Gefühl, alles im Griff zu haben.“ So wie Boris Becker, der sein Internetportal Sportgate statt an die Börse in die Pleite begleitete. Oder Edelgastronom Michael Käfer, der wie die halbe Münchner Bussi-Szene zu spät aus EM.TV ausstieg. „Sehr, sehr aktiv an der Börse “, seien einige Beratungskunden, sagt Christian Hefti, Analysechef im Wealth Management der Schweizer UBS in Frankfurt. Für Top-Kunden, die einen Teil ihres liquiden Vermögens in Aktien anlegen und täglich handeln, hat die Schweizer Großbank einen eigenen Handelstisch eingerichtet. Viele Vermögende lassen einen kleinen Anteil ihres Gesamtvermögens frei, als Millionen-Spielgeld. „Der Reiz des Spekulierens ist sehr ausgeprägt“, sagt Bankier Teufel. Viele engagierten sich auch aus Langeweile an der Börse, sagt Mayerhofer. „Sie wollen eben nicht den ganzen Tag Golf spielen.“ Mehr dazu in der aktuellen WirtschaftsWoche: Mit den Reichen investieren - lesen Sie wo Erben und Selfmade-Millionäre anlegen und wie sich die Aktien entwickeln.














