ETF-Fonds: Wetten auf die Krise

ETF-Fonds: Wetten auf die Krise

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Wer nicht nur Bargeld halten will, kann mit Short-ETFs auf fallende Kurse setzen. Was diese Fonds leisten, für wen sie geeignet sind.

Rote Karte für Leerverkäufer: Nach heftigen Attacken auf Bankaktien verboten die Aufsichtsbehörden Wetten auf fallende Kurse von Finanzunternehmen in den USA, Großbritannien und – wenn auch nur halbherzig – in Deutschland. Leerverkäufer, auch Shortseller genannt, verkaufen Aktien, die sie eigentlich gar nicht besitzen. Klingt paradox, ist aber möglich: Sie leihen sich die Papiere, zum Beispiel von Fonds. Fallen die Kurse der von ihnen verkauften Aktien weiter, kaufen sie diese billig an der Börse zurück und bezahlen so ihre Aktienschuld.

Privatanleger können mit viel weniger Aufwand weiter auf fallende Kurse setzen – selbst bei Finanztiteln. Möglich ist dies über Zertifikate, Optionsscheine und – besonders charmant – über Short-ETFs, eine neue Generation von börsengehandelten Indexfonds (ETF). Selbst Finanzwerte können Private weiter shorten.

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Ein wichtiger Vorteil der neuen Short-Indexfonds: Anders als die schon länger angebotenen Short-Zertifikate und Put-Optionsscheine gehen Short-ETFs bei einer Bankenpleite nicht mit unter. Zertifikate sind Schuldverschreibungen, für sie haftet nur der Emittent, also die Bank, die sie ausgegeben hat. ETFs dagegen sind Fonds, also Sondervermögen, und als solche bei einer Pleite geschützt. Die Werte, die darin sind, gehören dem Anleger.

„Die Finanzkrise rückt das Emittentenrisiko von Zertifikaten und anderen Schuldverschreibungen wieder in den Mittelpunkt. ETFs sind als Sondervermögen insofern im Vorteil“, sagt Heiko Geiger, Direktor bei Vontobel Europe. Bevor er 2007 seinen Job bei der Schweizer Bank antrat, entwickelte Geiger für die Deutsche Börse den ShortDax, eine Art spiegelbildlicher Dax, der immer dann steigt, wenn der wichtigste deutsche Aktienindex fällt.

Wie funktioniert das Spiel? Der ShortDax läuft entgegengesetzt zum Dax. Fällt dieser um 100 Punkte, steigt der ShortDax um 100. Haben die deutschen Aktien in der Zeit, in der der Anleger den ETF gehalten hat, 20 Prozent verloren, bekommt er deshalb 20 Prozent gutgeschrieben. Hat der Dax während der Haltedauer des ETF zugelegt, verliert der Anleger.

Auf fallende Kurse wettet ein von der Deutschen Bank ausgegebener Short-ETF. Mithilfe von komplizierten Finanztransaktionen (Swaps) simuliert die Deutsche Bank Leerverkäufe. Diese Swaps machen zehn Prozent des Portfolios aus, 90 Prozent bestehen aus rechtlichen Gründen aus Dax-Aktien. Die Swaps sorgen für den beabsichtigten Anlage-Effekt. Für den Dax ist bisher ausschließlich dieser ETF der Deutschen Bank auf dem Markt.

Neben den Leerverkäufen simuliert der Fonds Geldmarkt-Geschäfte, wie sie bei einem echten Leerverkauf von Profis laufen. Die geben der Bank 1000 Euro für eine Short-Spekulation auf den Dax. Die Bank leiht sich die im Index vertretenen Aktien und verkauft diese für 1000 Euro. Die insgesamt 2000 Euro – 1000 vom Anleger, 1000 aus dem Aktienverkauf – legt die Bank für rund 4,5 Prozent am Geldmarkt an.

Wenn der Anleger sein Geld zurück will, kassiert er, abzüglich Gebühren, bei 1000 Euro Einsatz den doppelten Geldmarktzins, auch beim ETF. Geldmarkt-Ertrag plus Gewinn aus einem fallenden Dax machen den Gesamtgewinn aus.

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