EU-Aufsichtsbehörde: "Schwachstellen in Pensionsfonds aufdecken"

InterviewEU-Aufsichtsbehörde: "Schwachstellen in Pensionsfonds aufdecken"

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Gabriel Bernardino ist der Chef der Eu-Aufsichtsbehörde

von Silke Wettach

Der Chef der EU-Aufsichtsbehörde Gabriel Bernardino sieht die betriebliche Altersvorsorge unter Druck und fordert regelmäßige Stresstests für Pensionsfonds.

WirtschaftsWoche: Herr Bernardino, wie gut weiß die europäische Aufsichtsbehörde Eiopa über Betriebsrenten in der EU Bescheid?

Bernardino: Wir haben bisher auf europäischer Ebene sehr wenig Daten von den Pensionsfonds. Die nationalen Systeme weichen stark voneinander ab, weshalb es noch schwieriger ist, vergleichbare Daten für alle Länder zu bekommen. Wir können nicht beurteilen, wie nachhaltig die Fonds sind, wie zuverlässig ihre Pensionsversprechen. Ein gemeinsamer transparenter Ansatz, der vergleichbare Daten liefert, wäre extrem nützlich.

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Was würden Sie damit machen?

Wenn wir vergleichbare Daten hätten, könnten wir Stresstests abhalten, wie wir das für Versicherungen schon tun.

Was versprechen Sie sich von Stresstests bei Betriebsrenten?

Europäische Betriebsrentenfonds investieren in Anlagen aller Art, wodurch sie relevant für die Wirtschaft und die Stabilität unseres Finanzsystems sind. Deshalb schlägt Eiopa einen jährlichen Stresstest für große Betriebsrentenfonds auf europäischer Ebene vor. Zusätzlich sollten die nationalen Aufseher in ihrem Land Stresstests organisieren. Kleinere Fonds könnte man weniger häufig testen. Wir wollen durch die Stresstests künftige Schwachstellen aufdecken.

Bei den Bankenstresstests gab es nationale Reflexe, niemand wollte die nationalen Champions durchfallen sehen. Wird das bei Betriebsrenten anders?

Wir haben jetzt schon eine erregte Debatte zum Thema Betriebsrente, und das war zu erwarten. Die Wahrheit muss endlich auf den Tisch.

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Und wie sieht die genau aus?

Die Betriebsrenten stehen unter großem Druck – und zwar überall. Egal, ob in Deutschland, den Niederlanden oder Großbritannien, überall gehen die Einwohnerzahlen zurück. Gleichzeitig zeigen die Aktienmärkte eine hohe Volatilität, die langfristigen Zinsen orientieren sich nach unten. Das ist eine Bedrohung für die Pensionsversprechen, die in der Vergangenheit gemacht wurden. Wenn wir die Realität ausblenden, werden wir nicht in der Lage sein zu reagieren. Ich fürchte, dass wir auf einen Konflikt zwischen den Generationen zusteuern, wenn wir nicht reagieren – weil künftige Generationen möglicherweise viel geringere Betriebsrenten bekommen dürften.

Was kommt auf die Versicherten zu?

Es ist ganz simpel: Wenn ich ein Zahlungsversprechen abgebe, das auf einer Annahme basiert, und diese Annahme ändert sich, dann kann ich entweder weniger auszahlen, oder ich verlange höhere Einzahlungen. In den Niederlanden sehen wir bereits die Konsequenz: Betriebsrentenfonds reduzieren ihre Auszahlungen, weil die Marktzinsen niedriger sind als ursprünglich angenommen.

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