"Es ist wichtig, dass es sich auch für die Versicherer lohnt"
Bild: dpaIrrtum 1: Riestern bringt hohe Steuervorteile
Dichtung:
"Die Riester Rente lohnt sich vielfach, vor allem für Familien mit Kindern", schreibt die Hannoversche Versicherung. Der Staat zahle Grundzulage und Kinderzulage. "Außerdem können Sie die Beiträge von der Steuer absetzen. Diese Vorteile machen die Riester Rente zu einem der rentabelsten Wege, für den Ruhestand vorzusorgen." Nicht übel - wer zahlt schon gerne Steuern. Doch da gibt es ein Problem...
Bild: dpaIrrtum 1: Riestern bringt hohe Steuervorteile
Wahrheit:
Richtig ist: Riester-Sparer dürfen ihre Beiträge aus dem unversteuerten Brutto-Einkommen zahlen. Jedes Jahr erstattet das Finanzamt ihnen den Steuervorteil für die gezahlten Riester-Beiträge. Ein Steuerspar-Trick ist das trotzdem nicht: Im Gegenzug wird im Ruhestand die ausgezahlte Riester-Rente voll mit dem persönlichen Steuersatz versteuert. Die Steuer ist also nur gestundet. Bislang ergibt sich meist dadurch ein Vorteil, dass die Steuersätze der Rentner unter den Steuersätzen der Erwerbstätigen liegen. Da der Fiskus künftig im Alter stärker zugreifen will, wird dieser steuerliche Vorteil jedoch sinken. Sparer sollten darauf nicht bauen. Im Vergleich zu anderen abgeltungsteuerpflichtigen Anlagen bietet Riester aber tatsächlich einen Vorteil: Sparer müssen in der Ansparphase keine Abgeltungsteuer auf die Erträge zahlen.
Bild: dpaIrrtum 2: Mit Riester können Sparer kein Geld verlieren
Dichtung:
"Selbst wenn die Geldanlage im schlimmsten Fall keine Wertentwicklung verzeichnet, machen Sparer noch Gewinne", schreibt zum Beispiel die Stiftung Warentest 2008 in einem Artikel zur Riester-Rente. Auf der Internetseite der Genossenschaftsbank Unterallgäu heißt es zum angebotenen Riester-Fondssparplan: "So können wir Ihnen garantieren, dass von Ihren eingezahlten Beiträgen kein Cent verloren geht." Tatsächlich müssen alle Riester Riester-Anbieter garantieren, dass zu Rentenbeginn wenigstens die Summe aus eingezahlten Beiträgen und staatlichen Zulagen auf dem Sparkonto liegt. Es scheint daher logisch, dass Riester-Sparer kein Geld verlieren können – warum es trotzdem nur Dichtung ist?
Bild: dpaIrrtum 2: Mit Riester können Sparer kein Geld verlieren
Wahrheit:
Das Riester-Guthaben zu Beginn der Rentenzahlung ist aus Sicht der Sparer eine fiktive Summe: Sie können auf dieses Guthaben nicht komplett zugreifen. Lassen sie sich ihr Guthaben auf einen Schlag auszahlen, müssen sie alle erhaltenen Vorteile zurückzahlen, sowohl Zulagen als auch Steuervorteile. Allenfalls 30 Prozent der Summe sind frei verfügbar, ohne dass sie die staatliche Förderung erstatten müssen. Im Regelfall erhalten Sparer aus dem Guthaben aber eine lebenslange Rente. Wie viel Geld der Riester-Sparer insgesamt bekommt, hängt daher vor allem von seiner Lebensdauer ab: Wer vor Erreichen des 80. Lebensjahres stirbt, kann mit Riester sehr wohl Geld verlieren. Auch in der Ansparphase sind Verluste möglich. Wer dann aus seinem Vertrag aussteigt, verliert ebenfalls Geld. Im schlimmsten Fall machen Riester-Sparer also anders als dargestellt keinen Gewinn, sondern Verluste.
Bild: dpaIrrtum 3: Kinder bringen Riester-Sparern viel Geld
Dichtung:
"Bei Familien mit Kindern meint es der Staat besonders gut: Für jedes Kind zahlt er bei einem Riester-Vertrag eine Zulage von 185 EUR", wirbt der Versicherer Hanse Merkur 24 in einer Beispielrechnung. Für alle seit 2008 geborenen Kinder gibt es sogar 300 Euro. Klingt gut - ist es oft aber nicht.
Bild: dpaIrrtum 3: Kinder bringen Riester-Sparern viel Geld
Wahrheit:
In den meisten Fällen ändert sich die Rendite der Riester-Sparer durch die Geburt eines Kindes nicht. Zwar erhalten Sparer nach der Geburt zusätzlich zu ihrer eigenen Zulage (154 Euro) tatsächlich noch die Kinderzulage (185 Euro, für seit 2008 geborene Kinder 300 Euro). Doch neben den Zulagen gibt es auch noch einen Steuervorteil. Das Problem: Das Finanzamt zieht vom rechnerischen Steuervorteil (Gesamt-Riesterbeitrag multipliziert mit dem persönlichen Steuersatz) alle bereits ausgezahlten Zulagen ab – sowohl die eigene Zulage als auch alle Kinderzulagen. Daher fällt nach der Geburt eines Kindes der Steuervorteil meist genau um den Betrag der Kinderzulage. Solange der rechnerische Steuervorteil über der Summe der Zulagen liegt – und das ist in der Regel so –, verändert sich die Förderung insgesamt nicht. Die Summe aus Zulagen und tatsächlichem Steuervorteil bleibt dann nach der Geburt des Kindes gleich. Einen echten finanziellen Nutzen durch den Nachwuchs haben nur kinderreiche Sparer (etwa ab dem dritten Kind) oder Geringverdiener (unter 40 000 Euro).
Bild: dpaIrrtum 4: Sparpläne vermeiden eine Beitragsverrentung
Dichtung:
"Bei der Riester-Rente entscheiden Sie sich zuerst für ein Vorsorgeprodukt, mit dem Sie Kapital für Ihr Alter ansparen wollen. Das kann etwa eine private Rentenversicherung, ein Fondssparplan oder ein Banksparplan sein", schreibt das Bundesfinanzministerium zur geförderten Altersvorsorge. Falsch ist das nicht. Die ganze Wahrheit aber auch nicht...
Bild: dapdIrrtum 4: Sparpläne vermeiden eine Beitragsverrentung
Wahrheit:
Auch wer sich für ein anderes Riester-Produkt, etwa einen Fondssparplan oder einen Banksparplan entscheidet, bekommt indirekt eine Rentenversicherung. Zwar fließt die spätere Rente anfangs in der Regel direkt aus dem angesparten Guthaben im Sparplan. Damit die Anbieter der Sparpläne ihnen aber wirklich eine lebenslange Rente garantieren können, schließen diese zu Rentenbeginn für die Kunden bei einem Versicherer eine Rentenversicherung ab. Die Police übernimmt dann alle Auszahlungen vom 85. Lebensjahr an. Tatsächlich muss also bei allen Riester-Sparprodukten eine Rentenversicherung genutzt werden. Nur wer vorzeitig aussteigt, kann diese Police meiden.
Irrtum 1: Riestern bringt hohe Steuervorteile
Dichtung:
"Die Riester Rente lohnt sich vielfach, vor allem für Familien mit Kindern", schreibt die Hannoversche Versicherung. Der Staat zahle Grundzulage und Kinderzulage. "Außerdem können Sie die Beiträge von der Steuer absetzen. Diese Vorteile machen die Riester Rente zu einem der rentabelsten Wege, für den Ruhestand vorzusorgen." Nicht übel - wer zahlt schon gerne Steuern. Doch da gibt es ein Problem...
Trotzdem: Die Rendite könnte besser sein, wenn die Kosten niedriger wären. Warum haben Sie damals keine strikteren Vorgaben gemacht?
Das habe ich gemacht. Erstmals wurde durch Gesetz festgelegt, die Kosten auszuweisen und die Abschlussprovision auf zehn Jahre zu verteilen. Aber Sie haben Recht: Es gibt Anbieter, deren Kosten zu hoch sind. Deshalb ist es auch sehr wichtig, sich durch unabhängige Produktvergleiche zu informieren. Aber ein weiterer wichtiger Hinweis: Von den Anbietern werden zusätzliche Auflagen und Leistungen verlangt, zum Beispiel die gesamte Zulagenabwicklung. Nach meinen Informationen hat dies die geförderten Produkte im Vergleich zu den nicht geförderten nicht verteuert.
Ist die Riester-Rente für die Anbieter etwa kein auskömmliches Geschäft?
Aktuell schon. Wir dürfen aber nicht vergessen: In den ersten vier Jahren haben die Anbieter mit ihren Riester-Beständen Verluste geschrieben. Es ist wichtig, dass sich das Produkt auch für die Versicherer wirtschaftlich rechnet und sie es aktiv vertreiben. Das ist nötig, denn die meisten Menschen kümmern sich nicht aus eigenem Antrieb um die Altersvorsorge. Das liegt in ihrer Natur. Sie geben ihr Geld lieber aus, statt es für das Alter zurückzulegen. Das haben wir in den ersten Riester-Jahren bitter erfahren müssen.
In wie fern?
Ich habe damals durchsetzen können, dass die Abschlussprovision über die ersten zehn Jahre verteilt wird. Das war damals völlig neu. Das Ergebnis war aber, dass kaum Versicherungspolicen verkauft wurden. Das war für die Vertreter nicht interessant. Erst als meine Nachfolgerin den Zeitraum auf fünf Jahre verkürzte, gingen die Verkaufszahlen hoch. Jetzt gibt es 15,5 Millionen Riester-Verträge, mehr als zehn Millionen davon auf Versicherungsbasis.
Welche Effekte hat die Riester-Rente für den Staat? Verbraucherschützer kritisieren, es gäbe keinen volkswirtschaftlichen Nutzen. Die Förderung der Sparer seien die Steuergelder der anderen. Wegen der niedrigen Renditen ein Nullsummenspiel.
Völliger Blödsinn! Es gibt gewisse Kreise, die eine Kampagne gegen diese Rente führen. Beachten Sie: in den vergangen zehn Jahren hat der Staat 783 Milliarden Euro in das gesetzliche Rentensystem gesteckt. Das war auch erforderlich. 9,5 Milliarden Euro fließen durch Zulagen in die Förderung der Riester-Rente. Das sind 1,2 Prozent der staatlichen Förderung. Dafür haben jetzt fast 16 Millionen Menschen eine private Altersvorsorge abgeschlossen. Wenn das Geld in das gesetzliche Rentensystem geflossen wäre, hätte das weder den Beitrag gesenkt noch die Leistung erhöht.
Die Finanzbranche profitiert, der Staat ebenfalls. Was ist mit dem Kunden?
Der profitiert ebenfalls.
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Alle Kommentare lesen16.08.2012, 20:14 UhrAnonymer Benutzer:gast
Eine kleine Korrektur zur Aussage meines Vorredners. Das Beispiel im Interview war durchaus korrekt.
Jahreseinkommen EUR 20.000 davon 4% = EUR 800,-
Davon werden in Abzug gebracht bei Eheleuten 2x Grundzulage mit jeweils 154,- EUR (= 308,- EUR). Geht man un von 2 Kindern aus die ab 2008 geboren sind kommt pro Kind jeweils noch eine Kinderzulage von je 300,- EUR dazu. Macht in der Summe Zulagen von 908,- EUR - die auf 2 Verträge (Ehemann und Ehefrau) verteilt gutgeschrieben werden.
Die Aussage, dass damit nur der Mindesteigenbeitrag zu leisten ist wäre auch korrekt, da die Zulagen höher sind als 4% des Jahreseinkommens.
Noch eine Anmerkung zum Statement der Altersarmut. Ziel der Riesterrente ist nach meinem Wissen nicht die Bekämpfung von Altersarmut sondern eine Ausgleichsmöglichkeit für die Absenkung des Rentenniveaus.
Vielleicht sollten wir es öfter mit drei Buchstaben versuchen die schon Goethe nannt: TUN
Dinge selbst anpacken und sich darum kümmern und nicht immer bei allen Problemen nach dem Staat schreien.
16.08.2012, 07:03 UhrAnonymer Benutzer:Riester
"60 Euro pro Jahr." Das stimmt schon mal nicht Herr R.! Wer nur den Mindestbeitrag zahlt bekommt keine Subvention vom Staat. Ich hab mal so einen Vertrag gesehen: da erwartet wird das man 4% vom Jahresbrutto einzahlt, was viele nicht bezahlen können, haben die Verträge mit niedrigeren Beiträgen. In diesen Fällen wird die Subvention auch nur anteilig gewährt oder im Extremfall gar nicht, da zu geringe Summen angespart werden.
In vielen Fällen liegt die Verwaltungsgebühr über der Subvention des Staates. Also bekommen die nur ihren Eigenanteil.
außerdem ist Riester eine Fehlallokation, da sie Altersarmut nicht verhindert. Ein Minijobberin kann eben nicht 4% des Jahresbruttos auch noch anlegen mit so wenig Einkommen. Massenweise haben stattdessen Beamte und Besserverdiener ihre Vorsorgeprodukte umgeschichtet hin zu den Staatstransfers der Riester. Ob ein Beamter im gehobenen und höheren Dienst einen Riester braucht? Ich meine nicht, der bekommt schon hohe Pensionen. Altersarmut wird so nicht verhindert.
viele Geringverdiener sind mit lfd. Ausgaben vollends beschäftigt.
15.08.2012, 21:26 UhrRegistrierter Benutzer:Wahrheit29
Der Ex-Gewerkschafter Riester hat sich zum Büttel der Banken machen lassen und diesen auf den Leim gegangen. Banken sind die einzigen die richtig gut daran verdienen. Der Namen Riester wird für lange Zeit für ein zweifelhaftes Finanzprodukt stehen. Riester hätte bei seinen Leisten bleiben sollen sprich sich um die Belange der Arbeitnehmer zu kümmern anstatt Banken fette Gewinne zukommen zu lassen und Arbeitnehmer an der Nase herum zu führen.