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Ex-Minister im Interview: "Es ist wichtig, dass es sich auch für die Versicherer lohnt"

Ex-Minister im Interview: Herr Riester, was ist bloß aus Ihrer Rente geworden?

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"Es ist wichtig, dass es sich auch für die Versicherer lohnt"

Irrtum 1: Riestern bringt hohe Steuervorteile

Dichtung:

"Die Riester Rente lohnt sich vielfach, vor allem für Familien mit Kindern", schreibt die Hannoversche Versicherung. Der Staat zahle Grundzulage und Kinderzulage. "Außerdem können Sie die Beiträge von der Steuer absetzen. Diese Vorteile machen die Riester Rente zu einem der rentabelsten Wege, für den Ruhestand vorzusorgen." Nicht übel - wer zahlt schon gerne Steuern. Doch da gibt es ein Problem...

Bild: dpa


Trotzdem: Die Rendite könnte besser sein, wenn die Kosten niedriger wären. Warum haben Sie damals keine strikteren Vorgaben gemacht?

Das habe ich gemacht. Erstmals wurde durch Gesetz festgelegt, die Kosten auszuweisen und die Abschlussprovision auf zehn Jahre zu verteilen. Aber Sie haben Recht: Es gibt Anbieter, deren Kosten zu hoch sind. Deshalb ist es auch sehr wichtig, sich durch unabhängige Produktvergleiche zu informieren. Aber ein weiterer wichtiger Hinweis: Von den Anbietern werden zusätzliche Auflagen und Leistungen verlangt, zum Beispiel die gesamte Zulagenabwicklung. Nach meinen Informationen hat dies die geförderten Produkte im Vergleich zu den nicht geförderten nicht verteuert.

Ist die Riester-Rente für die Anbieter etwa kein auskömmliches Geschäft?

Aktuell schon. Wir dürfen aber nicht vergessen: In den ersten vier Jahren haben die Anbieter mit ihren Riester-Beständen Verluste geschrieben. Es ist wichtig, dass sich das Produkt auch für die Versicherer wirtschaftlich rechnet und sie es aktiv vertreiben. Das ist nötig, denn die meisten Menschen kümmern sich nicht aus eigenem Antrieb um die Altersvorsorge. Das liegt in ihrer Natur. Sie geben ihr Geld lieber aus, statt es für das Alter zurückzulegen. Das haben wir in den ersten Riester-Jahren bitter erfahren müssen.

 

Rente "Ein fataler Fehler"

Wissenschaftler und Rentenexperte Bernd Raffelhüschen über die hohen Rücklagen der gesetzlichen Rentenversicherung, die Renditenot der privaten Versicherer und den Unsinn der jüngsten Reformvorhaben.

Rente: "Ein fataler Fehler"

In wie fern?

Ich habe damals durchsetzen können, dass die Abschlussprovision über die ersten zehn Jahre verteilt wird. Das war damals völlig neu. Das Ergebnis war aber, dass kaum Versicherungspolicen verkauft wurden. Das war für die Vertreter nicht interessant. Erst als meine Nachfolgerin den Zeitraum auf fünf Jahre verkürzte, gingen die Verkaufszahlen hoch. Jetzt gibt es 15,5 Millionen Riester-Verträge, mehr als zehn Millionen davon auf Versicherungsbasis.

Welche Effekte hat die Riester-Rente für den Staat? Verbraucherschützer kritisieren, es gäbe keinen volkswirtschaftlichen Nutzen. Die Förderung der Sparer seien die Steuergelder der anderen. Wegen der niedrigen Renditen ein Nullsummenspiel.

Völliger Blödsinn! Es gibt gewisse Kreise, die eine Kampagne gegen diese Rente führen. Beachten Sie: in den vergangen zehn Jahren hat der Staat 783 Milliarden Euro in das gesetzliche Rentensystem gesteckt. Das war auch erforderlich. 9,5 Milliarden Euro fließen durch Zulagen in die Förderung der Riester-Rente. Das sind 1,2 Prozent der staatlichen Förderung. Dafür haben jetzt fast 16 Millionen Menschen eine private Altersvorsorge abgeschlossen. Wenn das Geld in das gesetzliche  Rentensystem geflossen wäre, hätte das weder den Beitrag gesenkt noch die Leistung erhöht.

Die Finanzbranche profitiert, der Staat ebenfalls. Was ist mit dem Kunden?

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Der profitiert ebenfalls.

4 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 16.08.2012, 20:14 Uhrgast

    Eine kleine Korrektur zur Aussage meines Vorredners. Das Beispiel im Interview war durchaus korrekt.
    Jahreseinkommen EUR 20.000 davon 4% = EUR 800,-
    Davon werden in Abzug gebracht bei Eheleuten 2x Grundzulage mit jeweils 154,- EUR (= 308,- EUR). Geht man un von 2 Kindern aus die ab 2008 geboren sind kommt pro Kind jeweils noch eine Kinderzulage von je 300,- EUR dazu. Macht in der Summe Zulagen von 908,- EUR - die auf 2 Verträge (Ehemann und Ehefrau) verteilt gutgeschrieben werden.
    Die Aussage, dass damit nur der Mindesteigenbeitrag zu leisten ist wäre auch korrekt, da die Zulagen höher sind als 4% des Jahreseinkommens.

    Noch eine Anmerkung zum Statement der Altersarmut. Ziel der Riesterrente ist nach meinem Wissen nicht die Bekämpfung von Altersarmut sondern eine Ausgleichsmöglichkeit für die Absenkung des Rentenniveaus.

    Vielleicht sollten wir es öfter mit drei Buchstaben versuchen die schon Goethe nannt: TUN
    Dinge selbst anpacken und sich darum kümmern und nicht immer bei allen Problemen nach dem Staat schreien.

  • 16.08.2012, 07:03 UhrRiester

    "60 Euro pro Jahr." Das stimmt schon mal nicht Herr R.! Wer nur den Mindestbeitrag zahlt bekommt keine Subvention vom Staat. Ich hab mal so einen Vertrag gesehen: da erwartet wird das man 4% vom Jahresbrutto einzahlt, was viele nicht bezahlen können, haben die Verträge mit niedrigeren Beiträgen. In diesen Fällen wird die Subvention auch nur anteilig gewährt oder im Extremfall gar nicht, da zu geringe Summen angespart werden.

    In vielen Fällen liegt die Verwaltungsgebühr über der Subvention des Staates. Also bekommen die nur ihren Eigenanteil.

    außerdem ist Riester eine Fehlallokation, da sie Altersarmut nicht verhindert. Ein Minijobberin kann eben nicht 4% des Jahresbruttos auch noch anlegen mit so wenig Einkommen. Massenweise haben stattdessen Beamte und Besserverdiener ihre Vorsorgeprodukte umgeschichtet hin zu den Staatstransfers der Riester. Ob ein Beamter im gehobenen und höheren Dienst einen Riester braucht? Ich meine nicht, der bekommt schon hohe Pensionen. Altersarmut wird so nicht verhindert.

    viele Geringverdiener sind mit lfd. Ausgaben vollends beschäftigt.

  • 15.08.2012, 21:26 UhrWahrheit29

    Der Ex-Gewerkschafter Riester hat sich zum Büttel der Banken machen lassen und diesen auf den Leim gegangen. Banken sind die einzigen die richtig gut daran verdienen. Der Namen Riester wird für lange Zeit für ein zweifelhaftes Finanzprodukt stehen. Riester hätte bei seinen Leisten bleiben sollen sprich sich um die Belange der Arbeitnehmer zu kümmern anstatt Banken fette Gewinne zukommen zu lassen und Arbeitnehmer an der Nase herum zu führen.

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