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Fehlende Versicherung: Wenn der Regen richtig teuer wird

von Michael Detering Quelle: Handelsblatt Online

Hochwasser und starker Regen können zu enormen Schäden am Eigenheim führen. Doch viele Deutsche sind dagegen nicht versichert. Ein fataler Fehler. Denn das Hochwasserrisiko wird immer größer.

Hochwasser in Deutschland: Die Wahrscheinlichkeit von Starkregen wird wegen des Klimawandels immer höher. Quelle: dpa
Hochwasser in Deutschland: Die Wahrscheinlichkeit von Starkregen wird wegen des Klimawandels immer höher. Quelle: dpa

FrankfurtDie Medien haben bereits einen Namen für diesen Sommer gefunden: "Dschungelsommer". Gerade ist es noch sonnig und schön, schon gibt es im nächsten Moment einen tropischen Platzregen. Kleine Bäche steigen rasant an, Straßen sind überflutet, Geröll und Schlamm rutschen von den Bergen. Wenn dann der Keller vollläuft, erleben viele Hausbesitzer und Mieter eine böse Überraschung: Die Versicherung will nicht zahlen.

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Eine herkömmliche Wohngebäude- oder Hausratversicherung kommt nämlich nur für Wasserschäden durch Rohrbrüche, nicht aber für Schäden durch Hochwasser oder Starkregen auf. Um sich dagegen abzusichern, müssen Kunden eine Erweiterung des Versicherungsschutzes auf sogenannte Elementarschäden vereinbaren. "Wir halten diese Ergänzung für sinnvoll", sagt Bianca Boss vom Bund der Versicherten.

In Deutschland ist bislang nur rund jedes dritte Haus gegen solche Schäden versichert. "Viele Hausbesitzer glauben, sie brauchen so eine Versicherung nicht, da sie nicht flutexponiert sind", sagt Jens Mehlhorn, Flutexperte bei der Swiss Re. Doch immer häufiger entstehen Überschwemmungsschäden nicht durch Flüsse, die über die Ufer treten, sondern durch Starkregen. Wenn es örtlich zu extrem starkem Niederschlag kommt, sammelt sich das Wasser in niedriger gelegenen Gebieten. So kann durchaus Wasser in Höhe von einem halben oder einem Meter in den Straßen stehen - und dann dringt das Wasser auch in Häuser ein. "Da können schnell Schäden von 10.000 oder 15.000 Euro entstehen", sagt Mehlhorn.

Allmählich steigt das Interesse an den Versicherungen gegen Hochwasser und Starkregen. "Der Grund ist sicherlich, dass der Klimawandel deutlicher spürbar wird und diese Ereignisse merklich zunehmen", sagt eine Sprecherin der SV Sparkassenversicherung in Stuttgart. Dass die Schäden deutlich zunehmen, liegt aber auch daran, dass weiterhin viel in hochgefährdeten Gebieten gebaut wird, also nah an Flüssen oder in Küstengebieten. "Es ist einfach attraktiv, nah am Wasser zu leben", sagt Mehlhorn.


Versicherung nur in Paketlösung

Die bislang größte Flutkatastrophe in Deutschland war das Elbe- und Donauhochwasser im August 2002. Zwar war die Katastrophe für die Versicherer bei weitem nicht so teuer wie die verheerende Thailand-Flut im vergangenen Jahr. Doch Mehlhorn warnt: "Wir können ähnlich große Schäden wie in Thailand auch in Deutschland bekommen." Eine Katastrophe mit versicherten Schäden von über zehn Milliarden Dollar sei auch hierzulande möglich. Die Wahrscheinlichkeit sei aber geringer. Während in Thailand alle 50 Jahre mit einer so schweren Flutkatastrophe gerechnet werden müsse, sei dies in Deutschland nur alle 200 bis 250 Jahre der Fall. Große Schäden könnten vor allem an Rhein, Elbe und Donau entstehen, wo große Städte und die meisten Sachwerte seien. "Es müssten aber schon einige Faktoren zusammenkommen", sagt Mehlhorn, etwa lang anhaltender Regen und gleichzeitige Schneeschmelze.

Versicherungsschutz gegen Überschwemmungen gibt es meist nur im Paket mit anderen Bausteinen. Die meisten Elementarschadenversicherungen decken auch Schäden ab, die bei Erdbeben, Erdrutschen, Schneedruck und Lawinen entstehen. Wie teuer die Police ist, kann stark schwanken. Der Preis hängt von der Versicherungssumme und der Lage des Hauses ab. Ein Hausbesitzer in Hamburg muss beispielsweise für ein Wohngebäude mit einem Wert von 200 000 Euro mit einem zusätzlichen Jahresbeitrag von 40 bis 50 Euro rechnen. Wer als Mieter seine Möbel, PC und Fernseher schützen will, erhält in Hamburg bei einer Versicherungssumme von 50.000 Euro den Elementarschutz für die Hausratversicherung für rund 20 Euro.

Doch nicht jeder kann eine Versicherung gegen Elementarschäden abschließen, ist die Erfahrung beim Bund der Versicherten. In den Antragsformularen fragen die Versicherer ab, ob es bereits in den vergangenen Jahren Schäden gab, und es wird genau geprüft, wie gefährdet das Wohngebiet ist. "Wenn man an einem Ort wohnt, wo alle paar Jahre der Fluss über die Ufer tritt, dann ist dem Versicherer das Risiko einfach zu hoch", sagt Expertin Boss. Hier sei dann oft kein Versicherungsschutz zu bekommen, auch nicht mit einem besser isolierten Haus oder einer Erhöhung des Selbstbehalts. "Unsere Erfahrung ist, dass da nichts zu machen ist", sagt Boss.

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