Finanzen: Abgeltungsteuer: Filius statt Fiskus

Finanzen: Abgeltungsteuer: Filius statt Fiskus

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8465 Euro kann ein Kind pro Jahr steuerfrei einstreichen

Wie Eltern das Finanzamt ausbremsen können, indem sie jetzt Ersparnisse auf ihre Kinder übertragen.

Derzeit überbieten sich die Parteien mal wieder mit Vorschlägen für Steuergeschenke an Familien. Die CSU will das Kindergeld erhöhen – und bekommt Applaus von der FDP, die außerdem einen höheren Grundfreibetrag für Eltern und Kinder fordert. Auch die SPD möchte Familien entlasten, aber doch lieber erst mal nachrechnen und den Schwerpunkt dann bei besseren Betreuungsangeboten setzen.

Doch Familien müssen nicht warten, bis Politiker ihren warmen Worten Taten folgen lassen. Das schönste Steuergeschenk können sie sich in diesem Jahr selbst machen. Denn wenn Eltern Vermögen auf ihre Kinder übertragen, kann die Familie ganz legal die 25-prozentige Abgeltungsteuer – plus Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer – vermeiden, die von Januar 2009 an pauschal für sämtliche Zinsen, Dividenden und Kursgewinne gilt.

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Familien profitieren davon, dass auch Kinder den steuerlichen Grundfreibetrag von 7664 Euro und den „Sparerpauschbetrag“ von 801 Euro pro Jahr für sich beanspruchen dürfen. Haben sie sonst keine Einkünfte, etwa aus einem Ferienjob, können sie also jährlich Kapitalerträge von zusammen 8465 Euro kassieren, ohne dass der Fiskus zugreift. So bleibt bei Renditen von fünf Prozent im Jahr ein Vermögen von bis zu 169.000 Euro steuerfrei. „Gerade mit Blick auf die Abgeltungsteuer sollten Familien ihre Kinder bei der Steueroptimierung voll einbeziehen“, rät der Düsseldorfer Steuerberater Krischan Treyde.

Zwar sind auch Singles den neuen Vorschriften nicht wehrlos ausgeliefert. Sie können sich steuerfreie Kursgewinne sichern, indem sie vor dem Abgeltungsteuerstichtag 1. Januar 2009 Aktien, Fonds oder niedrig verzinsliche Anleihen kaufen (siehe WirtschaftsWoche 20/2008). 

Erst für Investments danach gilt: Das Finanzamt zwackt vom späteren Gewinn ein Viertel ab, auch wenn die einjährige Haltefrist abgelaufen ist. Anders als jetzt kommen langfristig orientierte Anleger somit nicht mehr steuerfrei davon. Familien können diese fiskalische Klippe anders als Einzelkämpfer aber bequem umschiffen und den Steuerschlussverkauf dieses Jahres dann ganz entspannt aus der Ferne beobachten. Denn wenn Eltern ihrem Kind – oder Großeltern dem Enkel – jetzt Geld schenken, können die Nachwuchsanleger damit auch nach Silvester Aktienfonds kaufen – und spätere Gewinne dank der Freibeträge trotzdem steuerfrei kassieren.

Damit ihre Sprösslinge in den Genuss maximaler Steuerfreiheit kommen, müssen Eltern für sie beim Finanzamt eine „Nichtveranlagungsbescheinigung“ besorgen und der Bank vorlegen. Dann bleiben Zinsen, Dividenden und Kursgewinne des Kindes von bis zu 7664 Euro im Jahr unangetastet. Erteilen Eltern der Bank im Namen ihres Nachwuchses zudem einen „Freistellungsauftrag“, sind weitere 801 Euro pro Jahr steuerfrei. Anders als bisher gilt dieser Freistellungsauftrag künftig nicht nur für Zinserträge und Dividenden, sondern auch für Spekulationsgewinne, zum Beispiel mit Aktien.

Auch ohne Nichtveranlagungsbescheinigung und Freistellungsauftrag sind die steuerfreien 8465 Euro pro Kind nicht verloren: Die Eltern müssten dann nach dem Jahresende für das Kind eine eigene Steuererklärung abgeben und sich über diese die gezahlten Steuern zurückholen.

Das ist so einfach, wie es klingt – aber nur, wenn Eltern einige Regeln beachten. Denn wer jetzt bei Schenkungen schludert, erlebt in einigen Jahren sein blaues Wunder; etwa, weil die Finanzbeamten die Kapitaleinkünfte nachträglich doch wieder den Eltern zurechnen oder weil sie der Familie wegen eines zu hohen Einkommens des Kindes Transferleistungen und andere Privilegien streichen.

Die wichtigste Regel lautet: Geschenkt ist geschenkt. „Das Kind muss der tatsächliche wirtschaftliche Eigentümer des übertragenen Vermögens werden“, mahnt Steuerberater Treyde. Wenn Eltern sich das Geld irgendwann zurückholen, etwa weil es sowieso für den Kauf des nächsten Autos eingeplant war, konstatieren Finanzbeamte ein Scheingeschenk und rechnen sämtliche Kapitalerträge nachträglich wieder den Eltern zu.

Und solchen riskanten Rückholaktionen kommen Finanzbeamte schneller auf die Schliche, als die meisten Familien glauben. Denn gerade, wenn Eltern für ihr Kind die Nichtveranlagungsbescheinigung beantragen, schauen die Finanzämter in den Folgejahren oft genauer hin und machen gerne mal eine Stichprobe. Besonders misstrauisch werden Steuerprüfer, wenn die Bescheinigung nach drei Jahren abläuft und keine neue beantragt wird – in solchen Fällen liegt der Verdacht nahe, dass die Ersparnisse zurückgeholt wurden. Eltern sollten deshalb Geld verschenken, das sowieso für die Kinder geplant ist, beispielsweise zur Finanzierung des Studiums.

Für eine wirksame Schenkung ist nicht mal ein schriftlicher Vertrag notwendig, Eltern können Sparkonten oder Depots auch formlos an den Nachwuchs abtreten. Kommt es später zu Streitigkeiten mit dem Finanzamt, ist es aber besser, wenn Familien etwas Schriftliches präsentieren können. „Ich empfehle Eltern, einen Schenkungsvertrag aufzusetzen“, sagt Claus Henrik Horn, Anwalt bei der Kanzlei Heuking in Düsseldorf. Das ist nicht besonders aufwendig: Die notwendigen Formulare gibt’s bei der Bank, eine notarielle Beglaubigung ist unnötig. Notarielle oder anwaltliche Hilfe sollten Eltern aber in Anspruch nehmen, wenn es um mehr als ein paar Tausend Euro geht und wenn sie in den Vertrag Widerrufsvorbehalte einbauen wollen, etwa für den Fall, dass aus dem süßen kleinen Fratz in einigen Jahren ein Alkoholiker oder ein überschuldeter Pleitier geworden ist. „Bei der Formulierung solcher Vorbehalte ist höchste Vorsicht geboten“, warnt Horn.

Aufpassen müssen generöse Eltern auch, wenn das Kind später anfängt, nebenbei zu arbeiten, etwa in der Oberstufe des Gymnasiums oder während des Studiums. Denn die ersten Arbeitseinkünfte summieren sich mit den jährlichen Zinsen, Dividenden oder Kursgewinnen, die das Kind dank des geschenkten Geldes kassiert, schnell zu einem erheblichen Gesamteinkommen – was die unangenehme Folge haben kann, dass das Finanzamt der Familie andere Steuervorteile und Privilegien streicht.

Gefährdet sind zum Beispiel die kostenlose Mitversicherung des Kindes in der gesetzlichen Krankenkasse, das Kindergeld und der Bafög-Anspruch; schon bei Einkünften des Kindes von mehr als 1848 Euro drohen erste finanzielle Einbußen.

Gerade, wenn Kinder über mehrere Jahre angesammelte Kursgewinne mit Aktien oder Aktienfonds auf einen Schlag realisieren, führt das schnell zum Überschreiten der Grenzen – und nicht selten zehrt der Wegfall anderer Subventionen den Steuervorteil dann völlig auf. Aus finanziellen Gründen kann es deshalb Sinn machen, fleißige Kinder bei ihren Nebentätigkeiten zu bremsen.

Immerhin, zumindest beim Kindergeld hat sich die Situation in den letzten Jahren entspannt. Denn das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe hat 2005 entschieden, dass von der Einkunftsgrenze von 7680 Euro im Jahr Sozialversicherungsbeiträge abgezogen werden dürfen, die das Kind gezahlt hat. Dadurch rutschen gerade Jugendliche in der Berufsausbildung oft unter das Limit – und die Eltern kassieren weiter Kindergeld.

Weitere gute Nachrichten für Familien könnten schon bald folgen. So ist es nach Ansicht des Finanzgerichts Niedersachsen verfassungswidrig, dass das Kindergeld komplett gestrichen wird, sobald Kinder einen Euro zu viel verdient haben. Über diesen drastischen „Fallbeileffekt“ wird bald das oberste deutsche Finanzgericht, der Bundesfinanzhof in München, entscheiden. Wenn betroffene Eltern jetzt mit Verweis auf das Aktenzeichen des dortigen Verfahrens (III R 54/06) Einspruch gegen negative Kindergeldbescheide einlegen, sichern sie sich die Chance auf Nachzahlungen.

Auch dieser Fall zeigt: Familien sollten warmen Worten aus den Reihen der Politik nicht trauen, sondern lieber selbst die Initiative ergreifen.

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2 Kommentare zu Finanzen: Abgeltungsteuer: Filius statt Fiskus

  • Ein wirklich sehr informativer und guter Artikle der "WiWO"!!! bin schon gespannt auf die nächsten Tricks der Politik, um an das Geld der angeblich "Großen" zu kommen. das-bewegt-die-welt.de beschäftigt sich ja regelmäßig mit diesem Thema und dem was man dazu wissen MUSS!!!

  • Steuern sparen ist nicht alles

    Das Thema Abgeltungsteuer ist ja derzeit in aller Munde. Nicht zuletzt banken, Versicherungen und Finanzdienstleister haben mit dem Thema ein verkaufsförderndes Argument entdeckt, um in Zeiten unruhiger börsen und grassierender Rezessionsangst dem schleppenden Absatz von Finanzprodukten auf die Sprünge zu helfen. Nahezu zwei Drittel aller bundesbürger fühlt sich zum Thema Abgeltungsteuer schlecht informiert – ein Armutszeugnis für die Protagonisten. bei all dem Getöse wird aber oft die Frage vernachlässigt, ob es überhaupt Sinn macht, sich nur wegen der Steuerersparnis für eine bestimmte Kapitalanlage zu entscheiden. Aus der Vergangenheit weiß man (Stichworte: bauherrenmodelle, Ostimmobilien usw.), dass solches Unterfangen oft schief geht. Die Kapitalanlage muss sich auch ohne Steuerersparnis rechnen. Exakt zu diesem Thema gibt es zahlreiche gute Artikel renommierter Autoren auf der Website http://www.abgeltungsteuer.de

    K. Schmid

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