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Finanzkrise: Aktienmarkt: Chancen für Mutige

von Stefan Hajek und Christof Schürmann

Konjunktursorgen und Finanzkrise dürften die Aktienkurse noch tiefer drücken. Warum sich Anleger jetzt trotzdem auf die Lauer legen sollten.

Besorgte Arktienhändler: Quelle: AP
Besorgte Arktienhändler: Trotz Finanzkrise solltensich Anleger auf die Lauer legen Quelle: AP

Es ist keine zwei Wochen her, da prognostizierten die Bankstrategen die große Börsenwende. In einer Umfrage des „Handelsblatt“ unter 20 Banken sahen die Experten den Deutschen Aktienindex (Dax) bis zum Jahresende auf 7400 Punkte steigen – vom damaligen Indexstand bei 6400 Punkten ein Zuwachs von immerhin 15 Prozent. Die größten Optimisten unter den Bankern weissagten gar ein Plus von mehr als 20 Prozent.

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Es kam, wie es kommen musste: Der Dax wendete sich nicht zum Guten, sondern stürzte um weitere sechs Prozent ab. Vergangene Woche tauchte er erstmals seit zwei Jahren gar kurzzeitig wieder unter die 6000-Punkte-Marke.

Dabei liegen die Gründe für den Crash, die Bankstrategen so geflissentlich übersehen, so deutlich wie selten zuvor auf der Hand: Das Finanzsystem steht vor dem Kollaps, die Inflationsraten steigen weltweit wie seit Jahrzehnten nicht mehr, Euro und Ölpreis haben neue Rekordhöhen erklommen, was die deutsche Exportwirtschaft belastet. Kurzum: Die Konjunktur bricht ein, und zwar global.

Anlegern droht in den kommenden Jahren ein denkbar ungünstiges Szenario. „Die große Sorge ist, dass die Inflation hoch bleibt und so die Vermögen erodiert, während wir zugleich in eine lang anhaltende konjunkturelle Schwächephase laufen, die nachhaltig steigende Aktienkurse unmöglich macht“, sagt Gerald Kichler, Leiter Portfoliomanagement beim Kölner Asset Manager Flossbach & von Storch. Diesen Mix, für den Ökonomen das Kunstwort Stagflation geschaffen haben, gab es zuletzt in den Siebzigerjahren – mit bösen Folgen für Aktien: Von 1967 bis 1981 dümpelten die Börsen weltweit fast 15 Jahre lang ohne nennenswerte Kursgewinne vor sich hin.

Auf die Lauer legen

Das droht auch jetzt: Unterm Strich haben Anleger mit Euro-Aktien seit nunmehr zehn Jahren keinen Blumentopf gewinnen können. Der Dax beispielsweise lugte zwar in den vergangenen zwölf Monaten drei- mal über sein Allzeithoch vom März 2000 bei gut 8000 Punkten – jedes Mal aber nur, um gleich darauf wieder auf Talfahrt zu gehen. In Euro gerechnet, liegen US-Aktien gemessen am Dow-Jones-Index fast 50 Prozent unter ihrem Hoch, chinesische Papiere haben sich dieses Jahr glatt halbiert.

Dennoch gibt es Gründe für langfristig, auf zehn oder mehr Jahre orientierte Anleger, sich bei weiteren Kursrückgängen auf die Lauer zu legen. Zum einen rutschen Industriepapiere langsam auf Bewertungsniveaus, die künftige Gewinnabschwächungen schon berücksichtigen. „Viele Aktien sind schon jetzt nicht mehr teuer – auch, wenn man von einer erheblichen Verschlechterung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in den nächsten Jahren ausgeht“, sagt Matthias Jörss, Marktstratege bei Sal. Oppenheim. Zum anderen hält vom kommenden Jahr an Bundesfinanzminister Peer Steinbrück bei jedem Cent Kursgewinn die Hand auf – und zieht davon rund 28 Prozent Steuern ab. Anleger, die sich aktuell solide Papiere ins Depot legen, könnten einen weiteren Kursrutsch von 28 Prozent ertragen, ohne sich schlechter als bei einem Kauf im Jahr 2009, 2010 oder 2011 zu stellen – immer vorausgesetzt, der Dax notiert irgendwann deutlich höher als im Juli 2008.

„Wer fünf Jahre oder länger Zeit hat, kann sich in den kommenden Wochen und Monaten durchaus nach einigen günstigen Titeln umsehen“, meint Jörss. Schon bei einer unterstellten jährlichen Kurssteigerung von nur fünf Prozent – etwa bei der BASF-Aktie – rechnet sich aktuell ein Kauf; selbst dann, wenn das Chemie-Papier im Kurs zwischenzeitlich noch einmal um ein Viertel nachgeben sollte. Je höher künftige Kurszuwächse dann ausfallen und je länger sie anhalten, desto günstiger stellen sich Anleger, die noch in diesem Jahr kaufen. Um die noch gültige Zwölf-Monats-Spekulationsfrist zu umgehen, müssen die Papiere aber wenigstens ein Jahr lang im Depot bleiben.

Ohnehin ist es unwahrscheinlich, dass in naher Zukunft schon hohe Gewinne anfallen. Der große Ausverkauf an den Börsen steht noch aus, möglicherweise aber kurz bevor: Der ZEW-Indikator, eine Umfrage des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) unter rund 300 Finanzmarktprofis, sank im Juli auf den niedrigsten Stand seit 1992. „Die Talfahrt ist noch nicht beendet“, warnt Martin Stürner, Vorstandschef des Fondshauses PEH. „Die Aktien reagieren mit drastischen Einbrüchen auf schlechte Nachrichten. Auch hat der Kursrutsch noch nicht alle Branchen erfasst. So lange das nicht der Fall ist, kann man nicht ernsthaft von Bodenbildung und Schnäppchenjagd reden.“

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Wie sich ein aktueller oder ein zukünftiger Kauf einer BASF-Aktie auf den Anlegerertrag auswirkt

Die Kurse purzeln aus gutem Grund. Schon sechs Monate in Folge fallen die Auftragseingänge in der deutschen Exportwirtschaft. So sank die Akquise neuer Projekte bei den deutschen Maschinenbauern im Juni gegenüber dem Vorjahr um zwölf Prozent. Zusätzlich machen hohe Metall- und Energiepreise sowie der starke Euro, der zuletzt auf ein Rekordhoch von 1,60 Dollar kletterte, den Exportwerten im Dax zu schaffen. Mehr als die Hälfte ihrer Umsätze und Gewinne erwirtschaften die Unternehmen aus Dax und dem Nebenwerteindex MDax im Ausland. Das war in den vergangenen Jahren ein Trumpf. Mit der Abschwächung der Weltkonjunktur aber wird es zur Bürde. „Wir rechnen in diesem Jahr mit weiteren schlechten Nachrichten, die die Kurse drücken werden, Gefahr droht vor allem aus den Schwellenländern, deren Boom die Optimisten zu rosig einschätzen“, so Sal. Oppenheim-Experte Jörss.

Und „so lange die US-Schuldenkrise nicht ausgestanden ist, flüchten die Anleger weltweit weiter aus dem Dollar“, ahnt Stürner. Die Krise, die gerade erst die USA zwangen, die größten Hypothekenfinanzierer Freddie Mac und Fannie Mae quasi zu verstaatlichen, dürfte noch über Jahre ihre Spuren hinterlassen und den Aktienmarkt belasten. „Anleger müssen damit rechnen, dass die Kurse noch einmal eine ganze Etage tiefer rutschen“, so Jörss.

Bei rund 5400 Punkten im Dax dürfen mutige Anleger zugreifen, Vorsichtige warten auf noch tiefere Kurse. Gedanklich sollten sie aber immer ein gutes Viertel von den Kursen abziehen, falls sie bis 2009 warten wollen. Peer Steinbrück würde es freuen.

4 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 25.07.2008, 11:21 UhrAnonymer Benutzer: Adam Riese

    Zwei Sachen sind schief:

    Warum soll man gedanklich gerade 25 Prozent abziehen? Jeder andere gedankliche Abzug wäre ebenso möglich, denn die Zahl hat nichts mit dem Steuersatz zu tun - erzeugt aber genau diesen Eindruck.

    Wenn schon 25 Prozent, dann müssen die Kurse danach nicht "deutlich höher stehen", sondern genau 64% im Vergleich zum Kurs vor dem Kurssturz, beziehungsweise 119% höher als der Tiefkurs (nach dem Sturz um 25%). Warum ist gerade das so wahrscheinlich? Wenn man davon ausgeht dass sich die Kurse irgendwann vervierfachen, verfünffachen usw. dann kann man gedanklich auch viel mehr abziehen.

  • 24.07.2008, 16:37 UhrAnonymer Benutzer: PISA

    Keine Frage warum Deutschland bei PiSA so schlecht abschneidet, wenn man selbst in der Wirtschaftspreese so etwas lesen muss:
    Anleger, die sich aktuell solide Papiere ins Depot legen, könnten einen weiteren Kursrutsch von 28 Prozent ertragen, ohne sich schlechter als bei einem Kauf im Jahr 2009, 2010 oder 2011 zu stellen – immer vorausgesetzt, der Dax notiert irgendwann deutlich höher als im Juli 2008.
    Von Finanzmathematik haben Stefan Hajek und Christof Schürmann wohl keine Ahnung... setzen sechs...

  • 24.07.2008, 13:55 UhrAnonymer Benutzer: Steinmann

    Das bewegt die Werlt"???
    Das hätten die initiatoren da wohl gerne.

    Wat die Seite kann is GOLD und Silber hochjubeln.

    Reine Propaganda.
    DASW bewegt die Welt sicher nicht und dass nun schon promovierte das Loblied sigen /Gekauft, Mann?) gibt zu denken.

    ich war da. Eine idiotische Site.
    Reine Werbung.

    Wem nützt diese seite?
    Die wollen auch nur unser bestes....na klar.

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