Finanzkrise: Lehman-Zertifikate: Ehepaar fordert Geld zurück

Finanzkrise: Lehman-Zertifikate: Ehepaar fordert Geld zurück

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Die Kläger Horst Weil

Vor dem Frankfurter Landgericht beginnt heute ein erster Anlegerprozess um Zertifikate der insolventen US-Bank Lehman Brothers. Ein älteres Ehepaar aus Bad Soden bei Frankfurt verlangt von der Frankfurter Sparkasse die Rückabwicklung des Wertpapiergeschäfts mit einem Volumen von rund 12.000 Euro.

Die Papiere seien verkauft worden, ohne auf die Möglichkeit des Totalverlusts hinzuweisen, erklärten die Anwälte des Ehepaars. Die hohen Provisionen von Lehman an die Sparkasse seien den Erwerbern nicht genannt worden. Die Eheleute hatten das Geschäft mit den mittlerweile komplett wertlosen Papieren bereits zu einem früheren Zeitpunkt rückgängig machen wollen, als klar wurde, dass ihre Zinserwartungen nicht erfüllt werden konnten, berichtete der Wiesbadener Anwalt Peter Kühn. Das Ehepaar habe das Geld auf Anraten ihres Sparkassenberaters aus einem Aktienfonds abgezogen. Die US-Bank Lehman Brothers war im September im Zuge der Finanzkrise zusammengebrochen. Damit wurden Lehman-Zertifikate auf einen Schlag wertlos.

Die Frankfurter Sparkasse hat mittlerweile einen Vergleich mit den Anlegern abgelehnt. Das Institut bestehe in diesem Pilotfall auf einem Urteil, sagte der Sparkassenanwalt heute vor dem Landgericht Frankfurt.

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Die Klägeranwälte griffen vor Gericht insbesondere den von der Sparkasse aufgelegten Verkaufsprospekt an, der im Gesamteindruck nicht ausreichend auf die mit dem Investment verbundenen Risiken hinweise. Der Anwalt der Sparkasse räumte ein, dass der Berater in dem Verkaufsgespräch im Dezember 2006 mündlich nicht auf die Möglichkeit des Totalverlusts hingewiesen hat. Die Hinweise im Prospekt seien aber ausreichend. Auch gibt es in dem Sparkassenflyer nur einen allgemeinen Hinweis auf Provisionsvergütungen ohne konkrete Angaben.

Das Institut hat nach eigenen Angaben etwa 5000 Kunden die Lehman-Zertifikate verkauft. Der Richter der 19. Zivilkammer ließ erkennen, dass er nur geringe Anforderungen an den Hinweis auf einen möglichen Totalverlust stelle. Zum damaligen Zeitpunkt hätte niemand absehen können, dass Lehman pleitegehen würde, wie im September dieses Jahres geschehen. Er setzte einen weiteren Termin für den 28. November fest. Die Kläger hatte die Klage bereits weit vor der Lehman-Insolvenz eingereicht, weil sie mit der Wertentwicklung ihrer Anlage nicht zufrieden waren.

Nicht alle Kunden müssen erst vor Gericht gegen ihr Geldinstitut kämpfen: Wie die Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung (NRZ) in ihrer heutigen Ausgabe berichtet, garantiert die katholische Kirchenbank Pax-Bank aus Köln ihren Kunden, in Lehman-Zertifikaten angelegtes Geld gemäß den Zertifikateregeln zurückzuzahlen. „Wir stehen zu unserem Wort, nach Ablauf von fünf Jahren mindestens 98 Prozent des Kapitals zurückzuzahlen”, sagte Vorstandschef Christoph Berndorff der Zeitung.

Die Bank hatte laut NRZ exklusiv ein Lehman-Zertifikat verkauft, das an die Wertentwicklung zweier ethisch orientierter Aktienfonds gekoppelt war und in jedem Fall eine 98-Prozentige-Kapitalgarantie versprach. Das Wertpapier habe ein Volumen von 15 Millionen Euro gehabt. Betroffen sind rund 200 Kunden, darunter einzelne Sparer oder Gemeinden.

Wie gestern bekannt wurde, haben nicht nur Kleinsparer möglicherweise viel Geld mit ihrer Lehman-Anlage verloren. Die deutsche Rentenversicherung hat Millionen Euro bei der kollabierten Bank angelegt. Das Geld gehört zur „eisernen Reserve“ der Rentenkassen. Mit dieser Nachhaltigkeitsrücklage werden im Lauf des Jahres auftretende Schwankungen zwischen Einnahmen und Ausgaben ausgeglichen. Das Geld sei aber über den Einlagensicherungsfonds geschützt, stellte das Bundesfinanzministerium in einer gestern bekannt gewordenen Antwort auf eine Kleine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion fest.

Ein Träger der gesetzlichen Rentenversicherung hat demnach 44,5 Millionen Euro in Termineinlagen bei der deutschen Tochter der US-Bank, Lehman Brothers Bankhaus AG, angelegt. Auch Teile der gesetzlichen Unfallversicherung seien mit rund 56 Millionen Euro betroffen. Der Finanzchef der Deutschen Rentenversicherung Rheinland sagte der „Frankfurter Rundschau“, sein Institut habe seine derzeit eingefrorenen Rücklagen zu Zinssätzen zwischen 4,8 und fünf Prozent bei der deutschen Tochter der Lehman-Bank angelegt. Das Geld sei Ende Juli eingezahlt worden, sagte Karl-Josef Hussmann. Den Beitragszahlern sei „kein Verlust“ entstanden, da der Banken-Einlagensicherungsfonds für den Betrag gerade stehe.

Nach Angaben des Bundesfinanzministeriums sind auch gesetzliche Unfallversicherer - deren Beiträge allein die Arbeitgeber zahlen - betroffen. Bei einer Unfallkasse und vier Berufsgenossenschaften seien Termineinlagen von 57,55 Millionen Euro bei Lehman bekannt.

Eine Entschädigung für Sparer, die in Lehman-Zertifikate investiert haben, kann nur individuell verhandelt werden. Wenn der Banker den Anleger falsch beraten hat, darf der Sparer hoffen. Doch in der Regel dürfte es schwierig werden, eine Falschberatung zu beweisen. Hoffnung für die Anleger keimte zum Beispiel nach einem Urteil am Landgerichts Hamburg auf: Wie berichtet, akzeptierte die Dresdner Bank die Rückzahlung nebst Zinsen und Anwaltskosten an eine Anlegerin (Aktenzeichen 319 O 125/08).

Ein Sprecher wies in einer Stellungnahme einen aktuellen Zusammenhang mit der Lehman-Pleite zurück: „Bei dem Vorgang handelt es sich um einen Einzelfall aus dem Jahr 2007, der schon seit einiger Zeit erledigt ist. Es besteht kein Zusammenhang mit möglichen Verlusten von Zertifikate-Inhabern aufgrund der Insolvenz von Lehman Brothers." Zu Einzelheiten wollte sich das Geldinstitut mit Hinweis auf das Bankgeheimnis nicht äußern. "Falls Kunden im Einzelfall die Einhaltung unserer professionellen Standards in der Beratung beanstanden, werden wir diese selbstverständlich überprüfen.“

In dem Fall des älteren Ehepaars aus Bad Soden überprüft dies jetzt das Frankfurter Landgericht.

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