Finanzkrise: Vermögensverwalter erwartet zweiten Ausverkauf an der Börse

Finanzkrise: Vermögensverwalter erwartet zweiten Ausverkauf an der Börse

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Jens Ehrhardt, DJE Kapital: Der renommierte Fondsmanager nimmt an der Diskussionrunde zur richtigen Anlagestrategie für 2016 teil.

Deutschlands größter bankenunabhängiger Vermögensverwalter, Jens Ehrhardt, erwartet nach dem Börsencrash am 10. Oktober einen weiteren Ausverkauf und glaubt nicht an eine rasche Erholung an den Finanzmärkten. Dies sagte Ehrhardt im Interview mit der WirtschaftsWoche.

„Es kann noch mal eine Stufe runter gehen. Der Crash am 10. Oktober hatte zwar einige Merkmale eines Panik-Ausverkaufs, weil auch kerngesunde Werte, etwa Öl und Pharma, mit aus den Depots flogen. Aber was mir nicht gefällt, ist die Dynamik, mit der die selben Leute, die noch am Freitag die Welt untergehen sahen, sich bereits am Montag wieder auf die Aktien stürzten und den Dax um mehr als zehn Prozent nach oben trieben“, sagte Ehrhardt, der Kundengelder von rund neun Milliarden Euro verwaltet, der WirtschaftsWoche.

Ehrhardt hält zwar die Rettungsaktionen der Regierungen für wirkungsvoll, doch andere Probleme hätten sich nicht verändert, vor allem das riesige Haushaltsdefizit der USA. „Die Weltwirtschaft ist ja nicht übers Wochenende gesundet. Die Rettungsprogramme können wohl das Schlimmste verhindern, einen totalen Zusammenbruch des globalen Finanzsystems. Doch die Probleme bleiben: Der immense Schuldenberg, den vor allem die USA, aber auch viele Länder in Europa angehäuft haben, ist historisch einmalig; er ist schlimmer als 1929.“ Ehrhardt rechnet damit, dass die Finanzkrise in jedem Fall auf die Realwirtschaft übergreifen wird. „Die Rettungspakete sind richtig, weil sie kurzfristig den Kollaps des Geldverkehrs und damit der Weltwirtschaft verhindern. Aber die Suppe müssen wir trotzdem auslöffeln. Und das wird Jahre dauern“, fürchtet Ehrhardt. „Die Geschichte lehrt, dass exzessive Kreditblasen immer zuerst in eine Finanzkrise münden, dann aber relativ zügig auf die so genannte Realwirtschaft übergreifen. Nur einmal ging es relativ glimpflich aus, in Schweden 1992. Aber da war der Rest der Welt noch mitten im Globalisierungsaufschwung. Heute hingegen sitzen wir alle im selben Boot. Es sieht leider nicht gut aus für die Weltwirtschaft.“

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Gegen eine weltweite Depression spreche aber die Stärke der Schwellenländer. „Vor allem China dürfte die Weltwirtschaft weiter stützen. Auch den Fehler, Strafzölle auf ausländische Waren einzuführen und so den Welthandel kollabieren zu lassen, werden die Staaten wohl kaum wiederholen. Aber am Aktienmarkt sind die fetten Jahre nun vorbei. Wir müssen uns wieder an einstellige Aktienrenditen gewöhnen; in manchen Jahren wird es gar nichts zu verdienen geben.“

Selbst ohne Finanzkrise hätte sich die Realwirtschaft auf Einbußen einstellen müssen. „Die Gewinne der Unternehmen waren auf historisch anormalem Niveau und müssten nun auch ohne die Kreditblase fallen. Neues Gewinnwachstum kann nur entstehen, wenn die Kreditmenge wächst und die Assetpreise steigen.“ Ganz wichtig für den Konsum sei die Lage auf dem Immobilienmarkt. „Steigende Immobilienpreise geben den Menschen das Gefühl, wohlhabender zu werden. Also konsumieren sie auch mehr – auch ohne Kreditexzesse wie in den USA. Im Moment aber ist das Gegenteil der Fall: die Kreditverknappung ist in vollem Gang.“

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