Flexi-Rente: Was die Teilrente Sparern abfordert

Flexi-Rente: Was die Teilrente Sparern abfordert

von Andreas Toller

Mit der neuen Flexi-Rente soll sich Teilzeitarbeit für Rentner wieder lohnen. Wer vorzeitig weniger arbeiten möchte, soll es leichter haben. Für jüngere Rentensparer gibt es das aber nicht gratis.

Sie lesen einen Artikel von 2014. Mittlerweile hat sich viel getan. Alles wichtige zu den neuen Rentenregelungen für Früh-, Teil- und Spätrentner finden Sie hier:

Flexi-Rente So rechnet sich der flexible Einstieg in den Ruhestand

Mit der Flexi-Rente kann die gesetzliche Rente zur lohnenden und anpassungsfähigen Geldanlage werden. Aber nicht jeder wird davon profitieren. Was die Regeln bedeuten und warum es sich lohnt, freiwillig mehr einzuzahlen.

Glückliche Rente dank freiwilliger Selbsteinzahlung. Quelle: Getty Images

Es klingt zunächst gut, was sich die Regierungskoalition da gerade ausdenkt: Den Renteneintritt im Sinne der Arbeitnehmer flexibler gestalten, manche dürfen früher in den Ruhestand, andere länger arbeiten. Der Arbeitswillige wird belohnt, den Schaukelstuhlfreund lässt der Chef vorzeitig ziehen, der Staat gibt seinen Segen und einen Teil der Rente dazu.

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Aber die Realität ist komplizierter. Alle Interessen zu berücksichtigen, gleicht der Quadratur des Kreises.

Derzeit malt die Regierung ein rosarotes Bild von der Rente. Der Rentenversicherungsbericht, der am Mittwoch im Parlament beraten wird, wartet mit Rekordzahlen auf: Die Rentenversicherung wird bis zum Jahresende über Reserven von 34 Milliarden Euro verfügen. In den kommenden Jahren sollen die Renten deutlich steigen, in einigen Jahren wie 2016 sogar um mehr als vier Prozent.

Bis 2028 sollen die Renten im Vergleich zu heute um stolze 38 Prozent steigen. Dabei ist der Rentenbeitragssatz mit derzeit 18,9 Prozent vom Bruttolohn und 18,7 Prozent ab 2015 noch niedrig. Und erst in diesem Jahr wurden die Mütterrente und die abschlagsfreie Rente mit 63 Jahren verabschiedet.

Rentenversicherungsbericht 2014 Sensationelle Realitätsverweigerung

Die Lage der Rentenkasse sieht gerade gut aus. Zu gut, um lange zu halten. Die Große Koalition setzt auf den Schein des Augenblicks – und blendet die Probleme aus.

Zwei ältere Damen und ein Herr sitzen mit einem Sonnenschirm auf einer Bank Quelle: dpa

Nebenverdienst statt Rentenlücke

Es ist aber kein Geheimnis, dass der Anteil der Rentner an der Bevölkerung in den kommenden Jahren immer weiter klettern wird. Damit wird nicht nur der Rentenbeitragssatz steigen, sondern gleichzeitig das Rentenniveau weiter sinken. Das bestreitet nicht einmal die Regierung. Laut Rentenversicherungsbericht werden 2028 21,4 Prozent Rentenbeitrag fällig sein und das Versorgungsniveau bis dahin auf 44,4 Prozent des Bruttolohns absinken. Auch danach geht es mit der gesetzlichen Rente weiter abwärts.

Meinen Sie, dass es zukünftigen Rentnergenerationen besser oder schlechter gehen wird als den derzeitigen Rentnern?

  • 80%

    Ein alarmierender Anteil von 80% der Befragten in Deutschland (n = 1.000, 900 Erwerbstätige und 100 Personen im Ruhestand) ist davon überzeugt, dass es den zukünftigen Rentnern schlechter gehen wird als denen, die heute bereits im Ruhestand sind.

    Quelle: Aegon Ruhestandsstudie 2014

  • 15%

    15% der Grundgesamtheit erwarten keine größeren Unterschiede hinsichtlich der aktuellen und zukünftigen Situation.

  • 3%

    3% waren unsicher, ob es zukünftigen Rentnergenerationen besser oder schlechter gehen wird als den derzeitigen Rentnern.

  • 2%

    Lediglich 2% der Befragten schätzen die Situation zukünftiger Rentengenerationen optimistischer ein und erwarten eine Verbesserung.

Die Hoffnung der Koalitionsparteien und der Arbeitgeberverbände ist vorrangig, dass Arbeitnehmer mit entsprechenden finanziellen Anreizen und einer Lockerung der Gesetzesvorschriften über das Rentenalter hinaus zumindest in Teilzeit weiter arbeiten. Aber sonderlich realistisch ist das nicht. Alles deutet darauf hin, dass der Wunsch nach einem vorzeitigen Ruhestand deutlich ausgeprägter ist als das Verlangen, über das gesetzliche Rentenalter hinaus zu arbeiten.

Eine aktuelle Umfrage der Marktforscher von YouGov bestätigt, dass die Arbeitnehmer freier darüber entscheiden möchten, ob sie vor, nach oder genau mit Erreichen der Regelaltersgrenze ihren Ruhestand beginnen wollen. Demnach wollen 42 Prozent der Deutschen vor Erreichen des Rentenalters mit dem Arbeiten aufhören, selbst wenn Abschläge die monatliche Rente schmälern. 19 Prozent würden im Gegensatz dazu gern länger arbeiten, wenn dadurch auch die Rentenansprüche steigen. 39 Prozent wollen bis zur Regelaltersgrenze arbeiten.

Die Realität ist noch ernüchternder. Eine Teilrente und Arbeiten über das Rentenalter hinaus sind nämlich schon heute möglich, aber höchst unbeliebt. Die Zahlen der Deutschen Rentenversicherung Bund sind deutlich: Von den knapp 650.000 neuen Rentenbeziehern des Jahres 2013 gingen mehr als ein Drittel, nämlich 37 Prozent, in den vorzeitigen Ruhestand.

Im Durchschnitt zogen sie ihre Rente um knapp zwei Jahre vor. Dafür nahmen sie Rentenabschläge von rund sieben Prozent in Kauf. Im Gegenzug haben nur zwei Prozent der neuen Ruheständler über das Rentenalter hinaus gearbeitet und dafür pro Monat, den sie länger arbeiteten, einen Rentenzuschlag von 0,5 Prozent kassiert.

Die Möglichkeiten zum Bezug einer Teilrente bei gleichzeitiger Teilzeitarbeit nutzen nur 0,25 Prozent der Neurentner. Klar, dass sich Regierung, Arbeitgeber und Gewerkschaften einig darüber sind, dass das Modell Teilrente attraktiver werden muss.

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