Garantiefonds: Rendite mit getretener Bremse

Garantiefonds: Rendite mit getretener Bremse

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Börsensaal in Frankfurt: Bei fallenden Kursen bleiben Garantiefonds-Anleger gelassen

Besonders in schwachen Börsenmonaten sind Garantiefonds gefragt. Sie versprechen Sicherheit, bieten auf lange Sicht aber nur eine arg schmale Rendite.

Fondsmanager Michael Keppler versteht die deutschen Anleger nicht: „Gibt es im Baumarkt 20 Prozent auf alles, rennen Kunden hin. Am Aktienmarkt laufen sie weg, wenn es günstig wird.“ Finanzkrise und Kursverluste haben Anleger misstrauisch gemacht. Wenn sie sich auf Aktien einlassen, dann nur mit Bremse: Sie wollen Garantien dafür, dass sie ihr eingesetztes Geld oder einen großen Teil davon zurückbekommen. Vier Milliarden Euro haben allein die deutschen Fondshäuser 2007 mit Garantie- und Wertsicherungsfonds eingesammelt.

Von Bankverkäufern werden sie häufig als die Lösung aller Geldanlageprobleme angepriesen: Am Ende einer festgelegten Laufzeit oder unbegrenzt in der Zukunft gibt es den Einsatz zurück, zusätzlich lockt die Aussicht auf Aktiengewinne. Beim Vergleich von Garantiefonds mit Ergebnissen ungeschützter Aktienfonds wird allerdings schnell klar, dass der Anleger Kompromisse machen muss. Viel Sicherheit kostet viel Performance. Diese Varianten gibt es:

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Fonds mit Geld-zurück-Garantie. Verbindliche Garantieversprechen der Fondsgesellschaft sind für Anleger die verlässlichste Variante. Die Fondsgesellschaft zahlt zu einem Stichtag mindestens die eingezahlte Summe abzüglich des Ausgabeaufschlags zurück. Hält der Anleger seine Anteile bis dahin, profitiert er zwar im Ernstfall von der Garantie, erzielt aber keine Rendite. Er kann täglich aussteigen, dann allerdings zum Tageskurs. Der größte Batzen des Garantiefonds-Geldes fließt in sichere Zinspapiere. Mit dem Rest zocken die Fondsmanager: Er fließt in Kaufoptionen auf Aktienindizes oder Aktienkörbe. Da die Zinspapiere oftmals zwei Drittel des Fondsvermögens ausmachen, bleibt für die Aktiengeschäfte nicht viel Geld übrig. Deshalb ist die Gewinnbeteiligung an der Wertentwicklung von Aktien begrenzt. Faustregel: Je höher die Kapitalgarantie, desto niedriger ist die Partizipationsrate. Diese Rate misst, mit welchem Anteil der Anleger von Kurssteigerungen an der Börse profitiert. Bei einer Partizipationsrate von 50 Prozent und einem Dax-Plus von 40 Prozent steigt der Wert des Fonds um 20 Prozent. Geht es an der Börse aufwärts, laufen Garantiefonds dem Markt hinterher.

Wertsicherungsfonds. Bei dieser Variante wird eine Wertuntergrenze des Fonds definiert. Anleger sollen zum Beispiel einen Verlust von zehn Prozent im Jahr akzeptieren. Eine Garantie, dass der Fonds im Ernstfall nicht weiter in die Miesen rutscht, gibt es nicht. Die Fondsmanager mischen je nach Börsenlage sichere Anleihen und risikoreichere Aktien. Nach den Kursverlusten im Januar sind viele Wertsicherungsfonds nur gering in Aktien investiert. Bei einem Kursaufschwung profitieren sie kaum.

Einige Garantie- und Wertsicherungsfonds bieten eine Höchststands-Sicherung. Bei diesem Modell gilt der zu einem festgelegten Stichtag (zum Beispiel Monats- oder Quartalsende) erreichte Wert als zugesagt. Liegt der Wert zum nächsten Stichtag unter dem des vorherigen Stichtags, gilt die alte Garantie weiter. Liegt der neue Wert über dem des vorherigen Stichtags, wird fortan der neue, höhere Wert festgezurrt. Da sich der Fondskurs unabhängig von der Sicherungsgrenze bewegt, kann der Tageskurs unter den Garantiekurs fallen. Findige Anleger kaufen dann und profitieren von der Sicherung zum Laufzeitende.

Attraktiv mögen gesicherte Produkte in kürzeren Baissephasen sein. Wer aber für viele Jahre anlegen will, sollte die Finger von allen Varianten lassen. „Für die Altersvorsorge sind Garantieprodukte völlig indiskutabel“, sagt Uwe Wystup, Professor an der Frankfurt School of Finance & Management. „Ohne Garantie haben Anleger beim gleichen Anlagebetrag nach 25 Jahren bis zu sechsmal mehr Geld auf dem Konto“, so sein Fazit einer Studie, bei der er Garantieprodukte mit Aktien- und Rentenfonds in 50.000 simulierten Szenarien testete. „Wer 25 Jahre dasselbe Auto fährt, verzichtet auch auf die Vollkaskoversicherung.“ Allerdings bleibt kaum jemand seinem Auto ein Vierteljahrhundert treu – und auch die Beziehung zum Fonds hält meist kein Jahrzehnt. Über kürzere Zeiträume fällt Wystups Stresstest nicht ganz so klar zugunsten ungeschützter Fonds aus. „Kurz- und mittelfristig können Garantien eine Alternative sein.“

Viele Garantiefonds sind jetzt fünf Jahre auf dem Markt. 2003 wollten Anleger Aktien haben, aber nach den Crash-Erfahrungen aus 2000 nicht ohne Schutz investieren. Dann folgten vier sehr gute Aktienjahre und der Kursrutsch durch die Finanzkrise. Haben sich Garantien ausgezahlt?

Nur für Anleger, die nicht zu viel erwartet haben: Garantiefonds mit einer festen Laufzeit brachten in den vergangenen fünf Jahren im Schnitt ein Plus von 6,4 Prozent pro Jahr. Wertsicherungsfonds, die flexibler mischen, waren nicht besser. Sie brachten seit fünf Jahren im Schnitt nur 2,7 Prozent pro Jahr. Anleger, die sich Anfang 2003 ohne Sicherung aufs Börsenparkett wagten, liegen trotz Finanzkrisen-Kursrutsch besser im Rennen: Europa-Aktienfonds erzielten in fünf Jahren pro Jahr im Schnitt zwölf Prozent, weltweit anlegende 8,7 Prozent.

Mit Beginn der Finanzkrise im vergangenen Sommer machten Garantieprodukte Boden gut. An ihnen festhalten sollte aber nur, wer mit einer langen Baisse rechnet. Und selbst Pessimisten dürften mit einem Garantie-Modell im Eigenbau günstiger fahren, meint Egon Eisenbürger, Finanzberater aus dem mittelrheinischen Polch: „Mit hoher Wahrscheinlichkeit kommt mehr heraus, wenn Anleger den Bundesschatzbrief Typ B und einen welt- oder europaweit anlegenden Aktienfonds ins Depot nehmen.“

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