Garantiezins: Lebensversicherer: Was in Zeiten niedriger Renditen zählt

KommentarGarantiezins: Lebensversicherer: Was in Zeiten niedriger Renditen zählt

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Lebensversicherungen - der Deutschen liebste Altersvorsorge

von Annina Reimann

Die niedrigen Zinsen am Kapitalmarkt bringen Lebensversicherer immer stärker unter Druck. Schon sind niedrigere Garantiezinsen für neue Verträge in der Diskussion. Ein kapitalstarker Versicherer ist für Neukunden jetzt wichtiger denn je.

Eventuell müssen Lebensversicherer den Garantiezins wegen der niedrigen Renditen am Kapitalmarkt schon Mitte 2011 statt erst 2012 senken. Das prognostiziert die auf Versicherer spezialisierte Ratingagentur Assekurata. Die vertraglich zugesicherten Mindestzinsen für neue Verträge der klassischen Lebensversicherung liegen derzeit bei 2,25 Prozent.

Doch weder der eine noch der andere Termin ist bislang beschlossene Sache. Auch entscheidet Assekurata nicht über die Höhe der Garantiezinsen. Das muss letztendlich das Finanzministerium tun - auf Vorschlag der Deutschen Aktuarvereinigung, einem Zusammenschluss der Versicherungsmathematiker.

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Assekurata könnte trotzdem richtig liegen. Berechnet sich der Garantiezins doch laut Versicherungsaufsichtsgesetz § 65 aufgrund des Zinssatzes „der Anleihen des Staates, auf dessen Währung der Vertrag lautet, wobei der jeweilige Höchstwert nicht mehr als 60 vom Hundert betragen darf“. Will heißen: Der maximale Garantiezins, den die Lebensversicherer geben dürfen (Höchstrechnungszins) darf nicht mehr als 60 Prozent des Mittelwertes betragen, der sich aus dem Zins von Anleihen der öffentlichen Hand der vergangenen zehn Jahre errechnet. Der zehnjährige Mittelwert deutscher Bundesanleihen liegt nach Angaben von Assekurata derzeit bei 4,02 Prozent. 60 Prozent davon sind 2,412 Prozent. Für zehnjährige Bundesanleihen gibt es derzeit aber nur gut zwei Prozent. Trend? Sinkend!

Rückstellungen sind entscheidend

Die derzeit niedrigen Renditen sind also ein Indikator, dass der Garantiezins tatsächlich gesenkt werden könnte. Die Rede ist dabei von 1,75 Prozent. Doch egal ob 1,75 oder 2,25 Prozent – Kunden sollten sich in jedem Fall einen kapitalstarken Versicherer suchen. Nur so sind auch in Zukunft vergleichsweise hohe Überschussbeteiligungen drin.

Ein Frühwarnsystem für kapitalschwache Versicherer ist das exklusive Finsinger-Rating der WirtschaftsWoche. So standen im vergangenen Jahr mit Delta Lloyd und der Bayerischen Beamten Lebensversicherung zwei Versicherer ganz unten, die heute kein Neugeschäft mehr annehmen oder dies bereits angekündigt haben. Kapitalstarke Versicherer hingegen haben genug finanziellen Puffer und halten magere Börsenzeiten länger durch. Das Finsinger-Rating 2010 wird aktuell ausgewertet und erscheint in wenigen Wochen exklusiv in der WirtschaftsWoche.

Ein gutes Zeichen für Kapitalstärke sind auch die Rückstellungen für Beitragsrückerstattung. Sie sind die wichtigste Quelle für Überschüsse, die Lebensversicherungen später an ihre Kunden ausschütten und dienen als Puffer für schlechte Zeiten. Im Krisenjahr 2008 zahlten die Lebensversicherungen nur noch 5,7 Milliarden Euro in diesen Topf ein, während es im Jahr 2000 noch 19,5 Milliarden Euro waren.

Volle Töpfe nur für Hartnäckige

Ist der Topf gut gefüllt, tröstet das ein wenig über die hohen Kosten der Lebensversicherer hinweg: Den Garantiezins bekommen Kunden nämlich nur auf den Sparanteil, also auf das Geld, was der Versicherer nach Abzug seiner Kosten für Vertreter, Verwaltung und den Todesfallschutz noch anlegt. Im Schnitt legt der Versicherer nur 75 bis 80 Prozent der Beiträge an – wobei es in den ersten fünf Jahren bedeutend weniger ist, da Versicherer dann die hohen Provisionen und Abschlusskosten abziehen, die in der Regel um die fünf Prozent liegen.

Wer bis zum Ende seines Vertrages durchhielt, bekam zuletzt durchschnittlich 4,2 Prozent inklusive Überschussbeteiligung gutgeschrieben. Auch diese Quote dürften in Zukunft höchstens kapitalstarke Versicherer halten können. Wie gesagt: Vorausgesetzt, der Versicherte zahlt seine Beiträge bis zum Laufzeitende. Doch das tut nur etwa jeder zweite. Ihnen nützt selbst der höchste Garantiezins nichts, denn Aussteiger müssen mit einem niedrigen Rückkaufswert der Versicherung vorlieb nehmen.

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