Gburek Geld-Geklimper: Blickpunkt 2011

kolumneGburek Geld-Geklimper: Blickpunkt 2011

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Prozentzeichen in einem Kaufhaus

Kolumne

Die auf den ersten Blick widersprüchlich erscheinenden Trends an den Anlagemärken erfordern eine gründliche Analyse. Die Politik spielt mit - vor der Bundestagswahl überwiegend populistisch, später wird sie umso mehr gefordert sein. Die Konsequenzen für Anleger sind absehbar.

Oberflächlich betrachtet, reimt sich zurzeit in Deutschland nur wenig zusammen, in der Politik wie in der Wirtschaft. Da wird ein Wahlk(r)ampf mit so albernen Themen wie dem Dienstwagen von Gesundheitsministerin Schmidt oder dem 16 Monate alten Abendessen von Deutsche Bank-Boss Ackermann geführt. Währenddessen versinken weitere öffentliche Milliarden Euro in der Skandalbank Hypo Real Estate, und das staatliche Finanzierungsdefizit droht sich von den gerade bekannt gegebenen aktuellen 17,3 Milliarden Euro im zweiten Halbjahr mehr als zu verdreifachen. Positiv:

Das Geschäftsklima zeigt laut ifo im August ein Mal mehr nach oben, die Umlaufendite für Bundesanleihen tendiert abwärts und signalisiert so einen weiter nach unten gerichteten Zinstrend, die Einfuhrpreise sinken, und der Deutsche Aktienindex Dax hält sich wacker oben. Negativ: Derweil geht das Geschacher um Opel weiter, Abwrackpräme und Kurzarbeit führen zu skandalösen Folgen, der Ölpreis verharrt nach mehrmonatigem Anstieg immer noch oben, der Euro-Kurs im Vergleich zum US-Dollar ebenfalls, und die Konzerne emittieren wie die Wilden Unternehmensanleihen mit Zinskupons, die ihre Aktionäre in den kommenden Jahren teuer zu stehen kommen werden. So weit die oberflächliche Betrachtung.

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Schmidt-Happening gegen Ackermann-Sause

Beim Blick unter die Oberfläche reimt sich dann doch fast alles zusammen. Besonders plausibel ist das in Sachen Wahlkampf-Krampf: Da alle Parteien die Masse der Wähler im Visier haben müssen, um möglichst viele Stimmen zu erhalten, lancieren sie konsequenterweise ein Schmidt-Happening und eine Ackermann-Sause, statt das Wahlvolk über Milliardendefizite als Teil der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung aufzuklären. So eine Taktik verspricht Erfolg zumindest bei doofen Wählern. Zunächst weniger plausibel scheinen die ökonomischen Entwicklungen zu sein, doch auch für sie gibt es Erklärungen. So ist der abwärts gerichtete Zinstrend anhand der sinkenden Umlaufrendite für Bundesanleihen (nicht zu verwechseln mit den viel höheren Renditen für Unternehmensanleihen) gleich dreifach zu begründen: wegen der Flucht in alles, was sicher erscheint, wegen der Deflationsbefürchtungen eines Teils der Anleger und nicht zuletzt wegen der nach wie vor vorhandenen Liquiditätsschwemme.

Pervers: Emissionsboom der Unternehmensanleihen

Was den letzten Punkt berifft, lässt sich auch ein Teil des Dax-Anstiegs plausibel begründen: Viel Liquidität bei sinkenden Zinsen reizt so manchen Anleger, Aktien spekulativ zu kaufen. Damit ist in der Regel die Hoffnung auf später steigende Unternehmensgewinne verbunden. Lassen diese dann allzu lange auf sich warten, nehmen die Anleger ihre Kursgewinne mit. Das erklärt die immer wieder auftretenden Dax-Schwankungen, wobei Großanleger sich weitgehend zurückhalten, weshalb die Börsenmsätze relativ niedrig bleiben. Solange die Börse aufnahmefähg genug für Unternehmensanleihen ist, wird deren Emissionsboom anhalten, zumal die Banken kräftig daran verdienen und auf solche Anleihen spezialisierte Fonds wie Pilze aus dem Boden schießen.

Das ist fast schon pervers: Da ver- und überschulden sich Unternehmen mittels Anleihen, deren Zinsen sie laufend bedienen und die sie später tilgen müssen - und nicht nur spekulative Anleger nehmen das als zusätzliches Argument zum Anlass, ihre Aktien zu kaufen. Begründung: Wenn Unternehmen Anleihen statt Aktien emittieren, werden ihre Gewinne bzw. ihr Aktienkapital nicht verwässert, das heißt, die Gewinne verteilen sich über eine konstante Zahl von Aktien. Dass die höhere Verschuldung nicht nur Zinsen kostet, sondern auch zur Abstufung der Bonität und damit zu ungünstigeren Zinskonditionen in der Zukunft führt, wird bei solchen Betrachtungen erst einmal gern ausgeklammert - bis die bittere Wahrheit die Runde macht, sobald die Aktienkurse wieder fallen, dann wahrscheinlich auf viel niederigerem Kursniveau.

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