Gbureks Geld-Geklimper: Arme Finanzberater, noch ärmere Kunden

kolumneGbureks Geld-Geklimper: Arme Finanzberater, noch ärmere Kunden

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Manfred Gburek

Kolumne

Private Finanzplanung und fragwürdige Versprechen: In dieser Woche nimmt Manfred Gburek in seiner Kolumne die Werbeversprechen der Finanzbranche und was dahinter steckt aufs Korn.

James Bond 007 überkäme das kalte Grausen, müsste er sich ansehen, wie Dr. Fiesling ein weißes Kaninchen streichelt und dabei für einen Finanz-Check der Sparkassen wirbt, während ein Herr Beckerle darauf drängt, jetzt doch bitteschön einen Termin zu vereinbaren. Alles nur Kintopp? Einerseits ja: Im richtigen 007-Film streichelte der Böse eine Katze, warb allerdings für eine Welt nach seinem fiesen Geschmack. Andererseits nein: Anstelle des Sparkassen-Beraters Beckerle bat im Werbespot Herr Kaiser von der Hamburg-Mannheimer um einen Termin.

Was soll das alles? "Sicherheit, Altersvorsorge, Vermögen", versprechen die Sparkassen. Noch vor rund einem Jahrzehnt hörte sich das in einem ihrer Fernsehspots ganz anders an: "Mein Haus, mein Boot, meine Badewanne", lautete ihr Slogan, der zweifelsfrei an die menschliche Gier appellierte. Klar, denn damals glaubte jeder Börsenspieler, mit Aktien am Neuen Markt über Nacht reich werden zu können. Und der Berater von der Sparkasse hatte ihm selbstredend geholfen, Haus, Boot und Badewanne (Metapher für Swimmingpool) zu erstehen.

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Angst sorgt für Nachfrage nach Beratung

Da heute in Sachen Geld nicht Gier, sondern - wegen der Wirtschaftskrise - Angst vorherrscht, steht als finanzielles Motiv natürlich die Sicherheit an erster Stelle. Das lässt sich zugespitzt auch so formulieren: Die Pleite der Spielbank Lehman Brothers mitsamt der monatelangen Berichterstattung über die vor dem Nichts stehenden Besitzer so gut wie wertlos gewordener Lehman-Zertifikate lässt die Deutschen scharenweise in die Sicherheit flüchten. Was man darunter zu verstehen hat, bleibt zwar weitgehend unbeantwortet, aber Beratung kann ja auf keinen Fall schaden. Also auf zum Berater, sei es zu dem der von der Commerzbank geschluckten "Beraterbank" (Dresdner), zu dem der "Leistung aus Leidenschaft" versprechenden Deutschen, zu dem, der "den Weg frei macht" (Volks- und Raiffeisenbanken) oder eben zum symbolischen Herrn Beckerle von der örtlichen Sparkasse.

Beratung wird unter Bankern nicht allein deshalb wieder groß geschrieben, weil sich mit ihr - besser gesagt: so, wie die Institute sie verstehen - Kunden binden oder gewinnen lassen, sondern auch aus einem rein bilanziellen Grund: Im Gegensatz zum Kreditgeschäft bindet sie kein Eigenkapital, dessen Aufstockung Jochen Sanio, Chef der deutschen Finanzaufsicht, gerade dringend anmahnte. Allerdings bindet sie Menschen, und die kosten ebenso Geld wie die Beschaffung von Eigenkapital. Daraus folgt: Diese Menschen, sprich Berater, müssen mehr als ihr Salär einspielen, sie müssen sich rentieren.

Sammelsurium-Verkäufer

Doch wie? Spätestens bei dieser Frage zeigt sich, dass Banken und Sparkassen kein tragfähiges Geschäftsmodell in Sachen Beratung haben. Denn sie sind diesbezüglich nach wie vor primär Verkäufer eines Sammelsuriums von Finanzprodukten. Markante Beispiele: Fonds, Zertifikate, Kredite, Sparbriefe und -pläne, Beteiligungen, Lebensversicherungen, Riester-Rente, Tages- und Festgeld. Ihre Kunden machen sich allzu oft vor, eine qualifizierte Beratung zum Nulltarif zu erhalten, wohingegen sie Provisionen und Gebühren zahlen müssen, die leider auch schon mal so trickreich versteckt sind, dass man sie erst nach umfangreichen Recherchen entdecken kann. Faustregel: Je komplizierter ein Finanzprodukt, desto teurer ist es für die Kunden. Das sollten sich vor allem diejenigen unter ihnen klar machen, die vor lauter Streben nach Sicherheit an Garantiefonds und -zertifikate oder an die staatlich propagierte Riester-Rente denken. Letztere ist ja nur ein Glied in der langen Kette staatlicher Volksbeglückung, von Volksaktien mit Sozialrabatt bis zu Sonderabschreibungen Ost, von vermögenswirksamen Leistungen bis zur Eigenheimzulage, vom Denkmalschutz bis zu jener Riester- und zur Rürup-Rente, deren Namensgeber pikanterweise zum Aushängeschild des Finanzvertriebs AWD geworden ist.

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