GDV: Versicherer fordern Ende der Niedrigzinsen

GDV: Versicherer fordern Ende der Niedrigzinsen

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Rolf-Peter Hoenen, Präsident des GDV

Die Finanzkrise ist über Umwege auch bei den Versicherungen angekommen. Niedrige Zinsen wecken Zweifel an der Sicherheit von Lebensversicherungen und dem Sinn des Sparens.

Die deutschen Versicherer haben ein Ende der Niedrigzins-Politik in Europa gefordert. „Ein anhaltend niedriges Zinsniveau wird zwingend auf die Gesamtverzinsung drücken“, warnte der Präsident des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Rolf-Peter Hoenen, am Mittwoch in Berlin. Vor allem für die private Altersvorsorge und Lebensversicherungen sei dies eine Belastungsprobe.

„Die Risiken und Nebenwirkungen der Medizin, die zur Stützung von Banken und Staaten seit Anbruch der Bankenkrise eingesetzt wird, belasten inzwischen auch die Lebensversicherungskunden deutlich“, sagte Hoenen. Ein kurzfristiges Ende der politisch gewollten niedrigen Zinsen sei aber nicht in Sicht.

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Alternativen zur Kündigung der Lebensversicherung

  • Umsatteln

    Kunden mit Kapital oder fondsgebundene Lebenspolicen können ihren Vertrag oft durch eine günstigere Risiko-Lebenspolice ersetzen, empfiehlt der Bund der Versicherten.

  • Kurzläufer

    Sprechen Sie mit Ihrer Gesellschaft über eine kürzere Laufzeit. Aus steuerlichen Gründen sollte die Police mindestens zwölf Jahre laufen. Bis dahin können Sie die Police beitragsfrei stellen, die Prämie reduzieren oder verlangen, dass für den Beitrag die angesammelten Überschussanteile verwendet werden.

  • Beitragsfrei stellen

    Wer eine Versicherung beitragsfrei stellen lässt, muss wissen, dass danach nichts mehr verändert werden darf.

Bundesbank fordert Aufstockung der Reserven

Die Versicherer versuchten daher, ihre Neuanlage-Konditionen durch Anlageformen zu verbessern, die von der Entwicklung der Finanzmärkte weitgehend entkoppelt seien. Dazu gehörten Hypothekendarlehen und das Engagement in Immobilien. Die Deutsche Bundesbank warnte die Versicherer vor einer zu riskanten Jagd nach Rendite. Ein verstärktes Engagement in Immobilienprojekten und im Kreditgeschäft erhöhe die Risiken für die Versicherer, hieß es im am Mittwoch veröffentlichten Finanzstabilitätsbericht. Die Bundesbank erwarte von den Lebensversicherern, dass sie ihre Zinsreserven weiter aufstocken.

Insgesamt sei die Lebensversicherung weiter eine sichere Anlage, betonte Norbert Heinen vom GDV-Hauptausschuss Lebensversicherung. Blieben die Zinsverhältnisse unverändert, könnten die Versicherer ihre Verpflichtungen dank langfristiger Kapitalanlagen erfüllen. Derzeit erwirtschafteten sie weiter eine Nettoverzinsung, die über dem Garantiezins liege. Verglichen mit anderen sicheren Anlagen wie Festgeldkonten böten die Lebensversicherungen immer noch eine attraktive Verzinsung, betonte Hoenen.

Die Fiktion von den guten Zinsen

  • Begriffe

    Es werden mit Blick auf Lebensversicherer verschiedene Zinsbegriffe verwendet. Wenn Verbraucherschützer von "Gesamtverzinsung" sprechen, meinen sie zum Beispiel die Kombination aus Garantieverzinsung und den so genannten Überschüssen aus dem Versicherungsgeschäft, an denen Versicherungsnehmer beteiligt sind. Die Versicherer reden hier auch von „Überschussbeteiligung“, dafür weisen sie jährlich einen Zinssatz aus. Als Gesamtverzinsung wird in der Branche auch die bei Vertragsablauf gezahlte Verzinsung bezeichnet. Darin enthalten sind neben Garantiezins und dem Überschuss zusätzlich eine Beteiligung an den Bewertungsreserven und ein Schlussüberschuss.

  • Kritik

    Das Problem der Versicherer-Kennzahlen: Sowohl der Garantiezins als auch die Überschussbeteiligung oder Gesamtverzinsung werden nicht auf die gesamte Prämie berechnet, sondern nur auf den Sparanteil in der Prämie. Die Hamburger bezeichnen die Zinsgutschriften der Branche daher auch als „Das Märchen von der Gesamtverzinsung“.

  • Ein Rechenbeispiel über 30 Jahre

    Die Verbraucherschützer aus Hamburg haben für einen sehr lange laufenden Vertrag mit einer  Überschussbeteiligung von vier Prozent die Rendite und die Ablaufdaten gerechnet. Solche Verträge werden gerne von der Branche als Altersvorsorge verkauft.

  • Was aus 100 Euro wird

    Legt man 100 Euro im Monat an mit 4 Prozent Verzinsung, ergibt das nach 30 Jahren einen Betrag von 68.760 Euro.

  • Warum weniger verzinst wird

    Der Kunde zahlt zwar eine Prämie von 100 Euro. Doch tatsächlich wird weniger angelegt, weil die Versicherung Kosten für Abschluss, Verwaltung und Risiko zu Grunde legt, zum Beispiel 80 Euro.

  • Was aus 80 Euro wird

    Aus 80 Euro werden in 30 Jahren bei einer Verzinsung von jährlich 4 Prozent 55.008 Euro. Das ist also wegen des Zinseszinseffektes fast 14.000 Euro weniger als wenn die vollen 100 Euro Prämie verzinst würden.

  • Fazit

    „Die vermeintlich ordentliche Gesamtverzinsung von 4 Prozent sind in Wahrheit nur 2,68 Prozent pro Jahr“, stellen die Verbraucherschützer aus Hamburg aufgrund ihrer Rechnung über 30 Jahre fest.

  • Vergleich mit Bundesanleihen

    "Wer sein Geld in den vergangenen 30 Jahren beispielsweise in Bundeswertpapieren angelegt hätte, stünde heute deutlich besser da als ein Verbraucher mit einer Lebensversicherung“, stellen die Verbraucherschützer fest. Nach einer Stichprobe von regulär abgelaufenen Verträgen ergäben sich Renditen von durchschnittlich etwas über drei Prozent pro Jahr - gegenüber Bundeswertpapieren mit durchschnittlich etwas über 6 Prozent in den letzten 30 Jahren.

     

Trotz der Finanzmarktkrise würden die Beitragseinnahmen der Versicherer im laufenden Jahr um 1,5 Prozent auf 180,7 Milliarden Euro zulegen. Bei der privaten Krankenversicherung werde mit einem Anstieg um 3,4 Prozent gerechnet. Die Schadens- und Unfallversicherungen machten mit 3,7 Prozent das kräftigste Plus seit 1994. Zugleich seien aber auch die Leistungen auf ein Rekordniveau gestiegen: Noch nie zuvor - nicht einmal beim Elbe-Hochwasser vor zehn Jahren oder im Jahr des Sturms „Kyrill“ 2007 - hätten die Versicherer so viel gezahlt.

Der größte Zweig, die Lebensversicherung, musste erneut Einbußen hinnehmen: Die Beitragseinnahmen reduzieren sich der Schätzung zufolge um 0,7 Prozent auf 86,2 Milliarden Euro. Hauptgrund dafür sei der weitere Rückgang bei den Einmalbeiträgen, die sich nach außerordentlich guten Jahren wieder normalisierten. Insgesamt gebe es 2012 knapp 93 Millionen Verträge und damit geringfügig weniger als im Vorjahr.

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