Geldanlage: Anlageberater werben um Frauen und Senioren

Geldanlage: Anlageberater werben um Frauen und Senioren

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Anlageberatung soll zu mehr Geld führen.

Mit Anlageberatung für Frauen und Senioren machen Spezialisten Banken Konkurrenz. Macht das Konzept Sinn?

Männer sind doch nicht an allem schuld. Hakt es bei der Geldanlage einer Frau, „liegt es nicht immer an ihrem Mann“, stellt die Münchner Finanzberaterin Svea Kuschel klar. Trotz fehlender Kampfansage reagieren viele Männer beim Thema „Finanzberatung für Frauen“ wie ein Stier aufs rote Tuch. Besonders originelle Exemplare wähnen dort Vollmondberatung mit Horoskopzertifikat. Andere sind schlauer: Seit mehr als 20 Jahren berät Kuschel Frauen in Finanzfragen und mittlerweile sind unter ihren rund 3000 Kunden rund zehn Prozent männlich. Viele Ehemänner begleiteten ihre Gattinnen ab dem zweiten Gespräch zur Beraterin. „Schön, dass Sie das mal erklären, mein Bankberater glaubt, ich verstünde das alles von allein“, hört Kuschel dann häufig.

Ein Kummerkasten für verlassene Ehefrauen ist der Finanzdienstleister Svea Kuschel + Kolleginnen nicht. Häufig sind es zwar Schicksalsschläge wie eine Scheidung oder der Tod des Partners, der Kundinnen in die Büros in München, Hamburg und Oberursel bei Frankfurt treibt. Doch Absolution für ihre oft selbstverschuldete finanzielle Unmündigkeit stellen die Beraterinnen den Damen nicht aus.

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Um aus dem Heer der freien Finanzberater herauszuragen, spezialisieren sich viele auf bestimmte Zielgruppen: Reiche, Frauen, Senioren. In einem Punkt sind sich alle einig: Die Konkurrenten von den Banken sind doch alle nur auf Provision aus. Das mag sein, allerdings leben auch freie Berater nicht von Luft und Liebe. Ehrenamtlich arbeitet keine der im Netzwerk Finanzfachfrauen zusammengeschlossenen zwölf Finanzberaterinnen. Ebenso wie Kuschel leben auch sie vom Verkauf der Geldanlageprodukte.

„Die Vermittlung orientiert sich ausschließlich an Ihrem Bedarf“, schreiben sich die Beraterinnen zwar auf die Fahnen. Doch das steht auch stets in Marketingbroschüren der Banken – und funktioniert trotzdem in vielen Fällen nicht. Zwar stehen Freie selten unter Druck, ihren Kunden Fonds oder Versicherungen aufzuschwatzen, die die Bank ihren Verkäufern gerade vorschreibt (WirtschaftsWoche 6/2008). Sie haben üblicherweise die Auswahl zwischen allen am Markt angebotenen Produkten von sämtlichen Anbietern. Aber auch Finanzberaterinnen empfehlen Anlagen wie Investmentfonds oder Versicherungen und kassieren dafür Provisionen; sie schrecken mitunter auch vor geschlossenen Beteiligungsmodellen wie Schiffsfonds oder Zweitmarktfonds nicht zurück, die nicht unumstritten sind, aber unumstritten hohe Provisionen zahlen.

Der Vergleich zwischen der Hausbank und der freien Beratung solle jetzt für Anleger einfacher werden. Alle müssen jetzt Kunden ihre Gebühren offenlegen und auch nachweisen, welche Provisionen sie kassieren. So will es die EU-Richtlinie Mifid, die seit dem vergangenen Jahr in Deutschland gilt.

Flexible Frauen. Ein gängiger Geldanlage-Tipp für Frauen lautet, dass sie doch möglichst flexibel anlegen sollten, weil sie in verschiedenen Lebensphasen unterschiedlich hohe Einnahmen haben. Statt auf Betrag und Laufzeit festgelegte Einzahlungen in eine private Rentenversicherung sei zum Beispiel ein Fondssparplan die bessere Wahl. Dessen Raten könnten sie zum Beispiel in Phasen, in denen sie der Kinder wegen nicht berufstätig sind, ohne Nachteile kürzen oder aussetzen. Kuschel warnt aber davor, völlig losgelöst von verbindlichen Raten zu sparen. „Um für Notfälle gerüstet zu sein, ist ein flexibler Fondssparplan sicherlich genau richtig, aber es sollte nicht der einzige Vertrag sein“, rät die Expertin. „Totale Flexibilität treibt Frauen im schlimmsten Fall in die Altersarmut.“

Statt mit der eigenen Altersvorsorge mangels Einkommen völlig auszusetzen, müssten die Müttern den Vätern der gemeinsamen Kinder klarmachen: Aus dem gemeinsamen Haushaltsetat muss ihre Altersvorsorge bezahlt werden, der Mann bleibe ja ohnehin in der staatlichen Versicherung. Sei das Familienbudget damit überfordert, müsse der Mann Abstriche » bei seiner Altersvorsorge hinnehmen. Leichter gesagt als getan: „Frauen verlieren beim Thema Geld oft jegliches Selbstbewusstsein“, hat Kuschel beobachtet. Ihre Interessen vertreten einige gegenüber dem Ehemann ebenso schwach wie bei Gehaltsverhandlungen mit dem Chef.

Dass Ehefrauen nach dem Tod ihres Partners weder die Höhe des Einkommens noch des Vermögens kennen, sei keine Seltenheit, hat Eberhard Beer festgestellt. Der 59-Jährige ist Mitbegründer der Finanzberatung „Die Alten Hasen“. Berater betreuen die Kunden in zwölf deutschen Städten, die Zentrale ist in Frankfurt. Beer macht sich für Gleichberechtigung stark: „Wir legen Wert darauf, dass Ehepartner bei ihren Finanzen den gleichen Wissensstand haben.“

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