
Nach Brasilien flossen im Mai so viele Direktinvestitionen wie zuletzt vor 50 Jahren. In den zwölf Monaten zuvor investierten ausländische Konzerne 42 Milliarden Dollar in Brasilien. Weltweit dagegen werden sich die Direktinvestitionen dieses Jahr gegenüber dem Vorkrisenjahr 2007 halbieren – prognostiziert die UN-Kommission für Handel und Entwicklung (Unctad).
Die neue Stärke Brasiliens zeigt ein angekündigter Großbörsengang: Die Banco Santander will in den nächsten Wochen 15 Prozent des Kapitals ihrer brasilianischen Tochter an die Börse bringen. Rund vier Milliarden Dollar könnte das der spanischen Großbank in die Kasse spülen. Das ergibt Sinn: Derzeit verdient Santander rund ein Fünftel ihres Gewinns in Brasilien.
Industriekonzerne liegen weit vorne
Trotz Finanzkrise kam bislang nicht eine einzige brasilianische Bank ins Straucheln. Auch während der Krise verzeichneten Banken wie Itaú und Bradesco weiterhin in jedem Quartal solide Gewinne.
Hinzu kommt: Nicht nur die Banken, sondern immer mehr brasilianische Industriekonzerne spielen inzwischen in der weltweiten Spitzenliga ihrer Branchen mit. Das gilt für knapp ein Dutzend Konzerne: Vale ist der zweitgrößte Bergbaukonzern der Welt, Petrobras einer der dynamischsten Ölmultis, Embraer die Nummer drei unter den Flugzeugbauern der Welt, JBS der größte Rindfleischproduzent, Brasil Foods die Nummer eins bei Geflügel. Cosan ist der größte Zucker- und Ethanolproduzent und Aracruz führend bei Zellulose.
Anleger sollten noch warten
Dennoch sollten Investoren mit einem Einstieg abwarten: Zum einen sind brasilianische Aktien bereits wieder recht teuer geworden. „Ab einem erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis von über 15 wie aktuell beginne ich mich unwohl zu fühlen“, sagt Fernando Exel vom Finanzdienstleister Economatica in São Paulo. Auch der Investor Mark Möbius, ein erklärter China- und Brasilien-Fan, warnt: „Wenn die Kurssteigerungen anhalten, dann steigt in Brasilien das Risiko einer Blase.“
Außerdem sollten sich Anleger fragen, woher im zweiten Halbjahr noch weitere Wachstumsimpulse für die Börse kommen sollen: Der Bovespa-Index notiert nur noch 23 Prozent unter seinem Höchststand vom Mai 2008. Und weitere Zinssenkungen, die den Konsum und die Börsenfantasie an‧regen könnten, sind unwahrscheinlich, hat kürzlich die Zentralbank signalisiert.
Fazit: Brasilien hat die liberalste und durchsichtigste Börse der großen Schwellenländer. Das Potenzial sollten Anleger nutzen. Doch dazu sollten sie eine kleine Schwächephase abwarten – und dann zuzuschlagen.














