Geldanlage: Chancen mit Rentenfonds

Geldanlage: Chancen mit Rentenfonds

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Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, äußerte sich am Donnerstag vor Journalisten zur Zinsentscheidung seines Hauses.

Mit sinkenden Zinsen werden Rentenfonds attraktiver. Welche jetzt und vor allem auch bei später wieder anziehenden Zinsen Chancen bieten.

Auf diesen Auszug ihres Fondsdepots hätte Birgit Gröning gern verzichtet: 2007 verlor der Rentenfonds der Frankfurterin 0,4 Prozent. Und das war nicht das erste schwache Jahr. „Seit ich Anfang 2004 erstmals investiert habe, hat der UniEuro Kapital Corporates pro Jahr nur magere 1,5 Prozent abgeworfen“, sagt die 41-jährige Angestellte. Und wieder rät ihr Volksbank-Berater, durchzuhalten und den Fonds nicht zu verkaufen. Will er nur verhindern, dass sie ihr Geld zu einer der anderen Banken überweist, die hohe Tagesgeldzinsen bieten? Oder ist wirklich etwas dran am erhofften Aufschwung am Rentenmarkt?

Fest steht: Die Zinsen sinken. Um eine drohende Rezession infolge der Finanzkrise zu verhindern, senkte die US-Notenbank im Januar zweimal kräftig. Sinkende Zinsen bedeuten steigende Kurse für Anleihen, die bereits am Markt sind, weil sie für Anleger attraktiver werden als neue, niedriger verzinste Papiere. Hinzu kommt, dass Investoren nach dem jüngsten Aktiencrash in sichere Staatsanleihen fliehen – was die Kurse von Staatsanleihen und Rentenfonds weiter nach oben treibt. So legte der Vergleichsmaßstab für europäische Staatsanleihen, der Citigroup EMU GBI, allein im Januar um 2,4 Prozent zu. Rentenfonds mit Euro-Anleihen schafften seit Jahresbeginn 2,0 Prozent, mehr als doppelt so viel Zuwachs wie im ganzen Jahr 2007.

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Nachdem auch die europäischen Wirtschaftsdaten schwächer werden, wird es wahrscheinlicher, dass auch die Europäische Zentralbank (EZB) ihre strikte Anti-Inflationspolitik aufweicht. Allein die wachsweiche Formulierung von EZB-Chef Jean-Claude Trichet, die Wachstumsrisiken in Europa hätten sich erhöht, sorgte für weiter gute Stimmung an den Rentenmärkten, weil die Anleger auf eine Zinssenkung im Sommer spekulieren.

Die gute Stimmung kommt Millionen von Rentenfondsanlegern gelegen. Im vergangenen Jahr zeigten deren Mundwinkel eher nach unten: Lediglich um 0,9 Prozent, legten Fonds mit Euro-Anleihen 2007 zu. Nach Abzug der Inflationsrate von 2,2 Prozent rutschten sie mit 1,3 Prozent ins Minus. Abgeschreckt von der mäßigen Performance zogen Deutschlands Anleger im vergangenen Jahr etwa 7,4 Milliarden Euro aus Euro-Anleihenfonds ab. Aus allen Rentenfonds zusammen flossen sogar 15 Milliarden Euro ab – trotz der Durchhalteparole. Erst mit dem Aktiencrash im Januar schlug die Stunde der Anleihenportfolios.

Trotz der zuletzt guten Zahlen ist es aber zu früh, um ein allgemeines Comeback auszurufen. Zu unterschiedlich sind die Anleihenportfolios aufgestellt. Anders als Privatanleger halten Fondsmanager Papiere in der Regel nicht bis zum Laufzeit-ende, sondern kaufen und verkaufen ständig, um aus Kurs- und Währungsgewinnen Erträge für den Fonds zu erwirtschaften und so letztlich ihre eigene Existenz zu rechtfertigen – und ihre Gebühreneinnahmen.

Wer seinen Job besonders gut beherrscht, erfahren Anleger meist erst dann, wenn der Markt mal gegen die Strategie des Managers läuft. Noch spielen die Rentenmärkte den Managern in die Hände. Das ändert sich, wenn das Zinsbarometer wieder auf „Steigen“ drehen sollte.

Stefan Angele, Leiter Portfoliomanagement bei der Bank Julius Bär, ist überzeugt, dass schon im kommenden Jahr die Zinswende droht: „Außerhalb der USA haben wir es nur mit einer Konjunkturdelle und nicht mit einer Rezession zu tun.“ Wenn das Vertrauen in die Wirtschaft wieder wachse, steige auch die Inflationsgefahr und damit das Risiko von Zinserhöhungen – und damit von sinkenden Anleihen- und Rentenfondskursen. Das kann so kommen, muss aber nicht: Solange nicht klar ist, welches Ausmaß die von maroden US-Hypotheken ausgelöste Finanz- und Wirtschaftskrise annimmt, bleibt eine Zinsprognose extrem mit Unsicherheit behaftet.

Fest steht: Anlegern wie Birgit Gröning, die ihre Fonds lange halten wollen, ist mit einem mit europäischen Staats- und Unternehmensanleihen vollgepackten Standard-Rentenfonds nicht geholfen – zumindest nicht über dieses Jahr hinaus. Und Anleger müssen lange halten, damit sich die beim Kauf fälligen Ausgabeaufschläge (je nach Bank und Fondskategorie zwischen ein und fünf Prozent) nicht zu schmerzhaft bemerkbar machen.

Fondsmanager, die ihren Anlegern auch in den kommenden Jahren eine Rendite von mehr als drei Prozent pro Jahr bieten wollen, müssen sich schon mehr einfallen lassen, als lediglich den Durchschnitt des Rentenmarkts abzubilden. Stellschrauben dafür gibt es genug.

Laufzeit verkürzen. Die einfachste Strategie um einen Rentenfonds für die nach 2008 möglicherweise wieder anstehenden Phasen steigender Zinsen wetterfest zu machen, ist die, von Papieren mit längeren auf solche mit kürzeren Laufzeiten umzuschichten. Das macht Sinn, wenn der Fondsmanager steigende Zinsen erwartet, weil in der Regel mit der kürzeren Laufzeit auch das Risiko von Kursverlusten abnimmt. Allerdings hat nicht jeder Fondsmanager das richtige Händchen für das rechtzeitige Umswitchen des Portfolios. Anleger sollten daher auf spezielle Kurzläuferfonds zurückgreifen.

Sie sind eine Alternative für konservative Anleger, denen die Geldmarktfonds zu mager verzinst sind und die sich keine Krisenpapiere ins Depot holen wollen. Der DJE Inter Cash, derzeit bester Kurzläuferfonds, schaffte seit 2005 durchschnittlich 2,9 Prozent jährlich. Der Fonds der Vermögensverwaltung Dr. Jens Ehrhardt Kapital setzt vor allem auf deutsche Staatsanleihen. „Wir haben uns keine mit Immobilien hinterlegten Anleihen aufschwatzen lassen, weil wir angesichts der privaten Schuldenexzesse in den USA immer misstrauisch waren“, sagt Fondsmanager Eberhard Weinberger.

Marktrisiken abfedern. Selbst ohne US-Hypothekenanleihen sind Rentenfonds kein risikoloser Hort. Klettern die Zinsen von ihrem derzeit niedrigen Niveau wieder nach oben, gerieten alle Anleihenkurse und damit die Rentenfonds unter Druck. „Zinstreibend könnten vor allem hohe Tarifabschlüsse wie kürzlich bei der Deutschen Bahn wirken“, sagt Gernot Griebling, Anleihenstratege bei der Landesbank Baden-Württemberg. Die signalisieren Inflationsgefahr, die die EZB mit steigenden Zinsen eindämmen müsste.

Um 2009 oder 2010 noch im Plus zu bleiben, greifen Rentenfondsmanager mit Absolute-Return-Strategien zu Zinstermingeschäften. Das heißt, sie wetten auf steigende Zinsen und können so auch in schwierigen Rentenmärkten Erträge erwirtschaften. Ziel der Absolute-Return-Fonds ist es, Verluste auf jeden Fall zu vermeiden und so die Wertentwicklung über den gesamten Zinszyklus hinweg zu stabilisieren.

Die Idee ist verlockend. Dumm nur, dass kaum ein Rentenfonds sie erfolgreich umsetzt. Mit durchschnittlich 2,3 Prozent Plus jährlich in den vergangenen drei Jahren ist die Bilanz dieser Portfolios mit Sicherheitsnetz ernüchternd. Das einzige Glanzlicht setzte der JB Absolute Return Bond: Für die Anleger blieben im Drei-Jahres-Vergleich im Schnitt 4,4 Prozent hängen. Nachteil gegenüber Kurzläufer-Fonds sind die höheren Kursschwankungen.

Chancen in Schwellenländern nutzen. Noch etwas riskanter ist die Strategie, überdurchschnittliche Renditen mit hochverzinslichen Anleihen aus Schwellenländern zu schaffen. Fondsmanager können sowohl auf hohe Zinserträge als auch auf Währungsgewinne setzen. Jean-Philippe Donge, Fondsmanager bei der Banque de Luxembourg, hat beispielsweise in Papiere, die in brasilianischem Real notieren, investiert. Die Währungswette ging auf: Der Real stieg auf Jahressicht gegenüber dem Euro um 5,4 Prozent. Fondsmanager Peter Huber packt in seinen StarCapital BondValue höher verzinsliche Anleihen in mexikanischen Peso, die sich parallel zum Dollar entwickeln, aber deutlich höhere Zinserträge versprechen als Dollar-Bonds. Diese Papiere gibt es auch von internationalen Organisationen wie der Weltbank, die ein gutes Rating haben. Damit Zinserhöhungen sein Portfolio nicht zu hart treffen, setzt Huber vor allem auf Anleihen mit einer Laufzeit von zwei bis drei Jahren.

Der Umstieg auf Rentenfonds mit einer der drei Strategien macht Sinn, wenn ein schlechter oder durchschnittlicher Standardrentenfonds die Depotrendite nach unten drückt. Umswitchen lohnt sich nicht, wenn es sich um ein gutes Standardanleihenportfolio handelt, das der Anleger noch acht bis zehn Jahre halten will.

Wer sein Geld für zwei bis drei Jahre parken will, weil er später günstig in Aktienfonds einsteigen will, ist mit Kurzläuferfonds gut bedient. Bei drei bis fünf Jahren Anlagezeitraum lässt sich mit Absolute-Return-Fonds einfach mehr Rendite rausholen, ohne dass der Anleger ein übermäßiges Risiko eingeht. Wer mehr als fünf Jahre halten will, sollte ein Portfolio wählen, das sich über Währungsgewinne und Hochzinsanleihen zusätzliche Rendite holt. Die größeren Wertschwankungen lassen sich bei einem solch langen Zeitraum verkraften.

Und Anlegerin Gröning? Sollte ihren Fonds verkaufen – egal, was der Berater sagt. Einen Fonds, der über Jahre schlechter als seine Vergleichsgruppe abschneidet, muss man nicht haben, erst recht, wenn er vor allem Unternehmensanleihen enthält, die im Konjunkturabschwung besonders leiden.

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