Geldanlage: Hochprozentige Anleihen aus dem Mittelstand

Geldanlage: Hochprozentige Anleihen aus dem Mittelstand

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Blick auf das größte Photovoltaikdach Hessens bei der Solartechnikfirma SMA in Niestetal

von Annina Reimann

Mittelständler bieten attraktive Renditen mit deutlich über vier Prozent. Was Anleger wissen müssen, die hier investieren wollen.

Wer mit Solarstrom regelmäßig Rendite einfahren wollte, brauchte bislang kistenweise Module, Haken und Kabel. Dazu ein einigermaßen günstig gelegenes Haus und drei Jungs, die alles montieren. Über 20 Jahre, berechnete die staatlich subventionierte Stiftung Warentest Ende Dezember, seien damit jetzt Renditen um sieben Prozent pro Jahr drin, „selbst an Standorten mit durchschnittlicher Sonneneinstrahlung“.

Aber auch Anlegern, die kein Dach ihr Eigen nennen und sich ärgern, dass sie über ihre Stromrechnung Nachbars Solarrendite finanzieren, versprechen Solarunternehmen ähnliche Renditen. Solarworld-Chef Frank Asbeck, Leitwolf der Branche, machte es vor einem Jahr vor: Er gab eine 400-Millionen-Anleihe aus, die aktuell rund sechs Prozent Rendite bietet. Kleinere zogen nach, zuletzt Solarmodulbauer Centrosolar mit sieben Prozent Zinskupon und Solardienstleister SIC Processing, der in nur drei Tagen drei Viertel seiner 100-Millionen-Euro-Anleihe mit 7,125 Prozent Kupon verkaufte.

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Anleger, die nach Abzug von Inflation, Abgeltungsteuer und Bankspesen nicht real ärmer werden wollen, müssen beim Zins die Vier-Prozent-Hürde nehmen. Die ist mit Papieren von Großkonzernen eher knapp zu schaffen. Wer mehr will und Aktien aus Prinzip meidet, muss Hochzinsanleihen kaufen – Schrott aus Griechenland, Papiere von ausgeplünderten Pleitefirmen oder eben Anleihen kleiner Unternehmen – Mittelstandsbonds.

Anleiheanleger wollen greifbare Werte und ein handfestes Geschäft. Erfolgreich Anleihen platzieren konnten deshalb die Hamburger KTG Agrar, die Äcker in Norddeutschland und im Baltikum besitzt, der Maschinenbauer Dürr, Eigenheimbauer Helma oder Werkzeugmaschinenhersteller MAG. Privatanleger locken Renditen zwischen fünf und zehn Prozent, außerdem gibt es die Papiere alle schon ab 1000 Euro pro Anleihe – bei großen Unternehmensanleihen liegt die Mindestsumme oft bei 50.000 Euro.

Die Börsenbetreiber wittern Geschäft und eröffnen Marktplätze für Mittelstandsbonds. Für 2011 erwartet René Parmantier, Chef der Close Brothers Seydler Bank, neue Mittelstandsanleihen für mindestens 1,5 Milliarden Euro. Vorreiter war Stuttgart mit dem Segment BondM. Anleger finanzierten hier bisher Unternehmen mit rund einer Milliarde Euro. Die Münchner Börse zog mit m:access bonds nach, weitere Regionalbörsen folgten. Frankfurt erweiterte Mitte Februar den Aktien-Wachstumsmarkt Entry Standard um Unternehmensanleihen, hat bisher aber noch keine auf den Markt gebracht.

Pleiterisiko minimieren

Sieben Prozent Rendite sind verlockend, einige Mittelstandsanleihen sind durchaus attraktiv (siehe Tabelle Seite 84). Doch an der Börse gibt es keinen Gratis-Lunch – wer Zinsen um sieben Prozent kassieren will, muss auch Risiken tragen. Grundsätzlich sind die Papiere eine Beimischung. Sie können die Gesamtrendite verbessern, ihr Anteil am Depot sollte aber zehn Prozent nicht übersteigen. Anleger sollten auch Spaß daran finden, ihre Papiere an der Börse samt Unternehmen dauerhaft zu verfolgen. Wer die Fallstricke der Mittelstandsbonds kennt, findet chancenreiche Geldanlagen.

Fällt nur eine Anleihe aus, reißt das ein tiefes Loch ins Depot: Wer zehn verschiedene Anleihen zu je 1000 Euro kauft, verkraftet bei 5,5 Prozent Rendite den Ausfall eines Papiers frühestens nach zwei Jahren. Erst dann gleichen die Zinsen der restlichen neun Firmen 1000 Euro Verlust aus. Allan Valentiner, Fondsmanager des Johannes Führ Mittelstands-Rentenfonds, hält das Szenario für realistisch: „Die Firmen zahlen nicht umsonst höhere Renditen, Anleger müssen schon mal mit Kreditausfällen rechnen.“

So verdient die Fluglinie Air Berlin ihre Zinskosten nicht nachhaltig. 8,5 Prozent Zins zahlt der Billigflieger; bei einer Gewinnmarge von rund vier Prozent kann das auf Dauer nicht aufgehen. Um die Finanznot zu mildern, verkauft Air Berlin Flugzeuge und mietet sie zurück. Das bessert kurzfristig das Ergebnis um rund 700 Millionen Euro auf, schmälert aber langfristig die Finanzkraft.

Um Überraschungen zu vermeiden, sollten Anleger in Finanzberichten nach Goodwill schauen. Der Goodwill ist die Differenz zwischen dem Marktwert und dem für eine Tochtergesellschaft bei der Übernahme gezahlten Preis. Diese Übernahmeprämien müssen, wenn der Unternehmenswert der Tochter nicht steigt, abgeschrieben werden. Solche Abschreibungen drücken den Gewinn. 3W Power, hervorgegangen aus dem Übernahmevehikel Germany 1, führt das Geschäft des Elektrotechnikers AEG Power Solutions. Im Quartalsbericht vom September 2010 weist 3W, die bis September 2010 rund 211 Millionen Euro Umsatz machte, gut 100 Millionen Euro Goodwill aus. Für 2010 erwartet das Unternehmen einen operativen Verlust von 120 Millionen Euro.

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