
Selbst hoch qualifizierte Berufsneulinge starten heute oft mit einem niedrigen Einstiegseinkommen und einer viel unsichereren Jobperspektive als früher. Die Bereitschaft, lang laufende Verträge über 20 oder 30 Jahre abzuschließen, nimmt ab. Zumal eine Fehlentscheidung teuer werden kann. „Wer früh kündigt, hat einen hohen Verlust“, sagt Ockenga. „Nach den ersten Jahren bekommen Versicherte oftmals nur etwas mehr als die Hälfte der gezahlten Beiträge zurück.“ Und die Chance, eine Police zu verkaufen, ist sehr gering.
Versicherer können mit sicheren Anlagepapieren wie Staatsanleihen kaum noch etwas verdienen – sie werfen seit Jahren nur rekordtiefe Zinsen ab. Mehr als drei Viertel des Kapitals ihrer Kunden haben die Assekuranzen in festverzinsliche Papiere gesteckt. Wenn neue Gelder auch in Zukunft so wenig Rendite brächten wie zuletzt, würde das ihre Existenz gefährden. „Das große Risiko wäre eine lange deflationäre Phase, bei der es dann schwieriger würde, unsere Verpflichtungen gegenüber den Kunden zu erfüllen“, sagt Versicherungskammer-Chef Schubring-Giese.
Die Umlaufrendite — der wichtigste Indikator für die Zinsen am Kapitalmarkt — sank seit Juli 2008 von 4,5 Prozent auf aktuell 3,0 Prozent. Hält sich das Zinstief über Jahrzehnte, wie etwa in Japan, wären Lebensversicherer nicht in der Lage, die Garantieverzinsung zu verdienen. Etwa jedem vierten Altkunden haben sie vier Prozent versprochen.
Geldentwertung frisst Garantiezins auf
Noch sitzen die Versicherer auf Altanleihen mit hohen Renditen. Zinspapiere bringen der Branche im Durchschnitt 4,6 Prozent, hat die Ratingagentur Fitch errechnet. Aber jedes Jahr tauschen Versicherer 20 Prozent der Kapitalanlagen aus und legen das Geld neu an. Angesichts der weltweiten Schuldenorgie zur Rettung von Banken und Konjunktur, könnte jedoch die aktuelle Preisstabilität und damit Niedrigzinsphase auch schnell Geschichte sein. Bei Inflation und höheren Zinsen hätten die Versicherer leichtes Spiel, ihren aktuellen Garantiezins für Neuverträge von 2,25 Prozent zu erwirtschaften.
Das Risiko des Vermögensverlusts läge dann bei den Kunden. Eine Geldentwertung frisst den Garantiezins rasch auf. Zumal die Versicherer ihren Kunden nach Abzug von Gebühren für Verwaltung und Vertrieb sowie dem Beitrag für den Todesfallschutz netto nur eine durchschnittliche Rendite von 1,4 Prozent auf die Gesamteinzahlung garantieren, wie Berechnungen von Assekurata zeigen. Auch in der Branche selbst gehen viele Experten von deutlich steigenden Teuerungsraten aus. „Wir glauben, dass wir vier bis sechs Prozent Inflation sehen könnten“, sagt Gothaer-Finanzvorstand Meisch.
Anleger sind längst nicht mehr gezwungen, für die Altersvorsorge auf Jahrzehnte einen Vertrag zu schließen. Heute kann jeder bei einer Direktbank viele Investmentfonds ohne Ausgabeaufschlag kaufen oder zu günstigen Gebühren börsengehandelte Indexfonds (ETFs) wählen, auch per Sparplan.
Teuer und unflexibel
Im Vergleich dazu sind Lebensversicherungen teuer und unflexibel. Die Niedrigzinsen einer Versicherung können Anleger selbst reinholen, über einen Mix aus Staats- und Unternehmensanleihen sicherer Schuldner beispielsweise. Meisch wehrt sich gegen den Vergleich mit Fonds. „Ein Fondsmanager gibt ihnen keinen Garantiezins, das ist der Unterschied zwischen Fonds und Lebensversicherungen.“
Auch Versicherungskammer-Chef Schubring-Giese verteidigt unverdrossen die Kapitallebensversicherung als „das Massenprodukt“ für die Altersvorsorge. Viele Leute seien an der Börse doch ihr Geld losgeworden, sagt er mit seiner tiefen, leisen Stimme. Das zeige doch gerade, dass die Lebensversicherung für die meisten Menschen die bessere Altersvorsorge sei.
Dann räumt er allerdings ein, dass es noch andere Alternativen gibt, die attraktiver sein können als eine Lebensversicherung. Er habe vor allem auf Immobilienmodelle gesetzt, verrät Schubring-Giese. Allein auf seine Lebensversicherungspolice aus dem Jahr 1979 mochte der Assekuranzmanager offenbar nicht mehr bauen















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Alle Kommentare lesen30.10.2009, 17:46 UhrAnonymer Benutzer: leser
der kommentar von nun ja,ist besser als das orginal.
30.10.2009, 15:52 UhrAnonymer Benutzer: nun ja,
auch wenn es nach 35 Jahren beim freundlichen Herrn
Kaiser nicht mehr so viel gibt wie einmal "versprochen",
auch er konnte nur "Statistik" und nicht in die Zukunft
schauen.
Es gibt aber noch etwas zurück zum Zeitpunkt der
Auszahlung und 35 Jahre des freiwilligen Verzichts haben zum Glück garnicht weh getan.
Mein deutsches Qualitätsauto bringt schon nach fünf Jahren kaum noch was, meine Haus aus den Siebzigern
heute als CO2- Schleuder gebrandmarkt, trotz dicker
Mauern aus Kalksandstein (das war mal was) heute zum ökologisch- finanziellen Abschuss freigegeben, die tolle
Küche, mein Anteil am stillgelegten Schiff auf Reede vor Singapur, am unvermieteten Fondsobjekt in baltimore,
die lang gesparten Dolares der teure Schmuck meiner lieben Frau .......
alles kaum noch etwas Wert, vom türkisch- persischen Edelteppich mal ganz zu schweigen. Nun, da bleibt noch
das Gold, das ist heute fast soviel wert wie vor 30 Jahren.
Trotz allem: Danke Herr Kaiser, gar keine so schlechte Leistung neben dem "guten Gefühl" über lange Jahre
eine Lebens- berufunfähigkeitsversicherung mit Unfall-
schutz und Anspruch auf eine Rückgabe des eingezahlten, z. T. verzinsten Kapitals zu haben.
Hinterher ist man ja immer schlauer.
Mein Tipp, gerade heute am Monatsende:
Girokonto leeren, Geldzählem, lustig sein und auf alle
diese tollen berater, heute "Dienstleister" genannt nicht
so viel hören. Das Leben ist kurz doch mit einer Kapital-
Lebensversicherung lebt es sich gar nicht so schlecht.
26.10.2009, 20:55 UhrAnonymer Benutzer: Nachleser
das sind aber laut Halbjahresbericht 99 % in Anleihen, bankguthaben... investiert. so richitg diversifiziert scheint der auch nicht zu sein. Aber dafür billig.