Geldanlage: Lebensversicherungen auf der Kippe

Geldanlage: Lebensversicherungen auf der Kippe

Bild vergrößern

Einige Anbieter haben ihre Puffer schon verbraucht

von Heike Schwerdtfeger und Niklas Hoyer

Niedrige Verzinsung, kaum Reserven, versteckte Risiken, Kundenflucht – Lebensversicherungen stehen unter Druck wie noch nie. Wird der Altersvorsorge-Klassiker zum Auslaufmodell?

Für einen Mann mit so vielen Sorgen macht Friedrich Schubring-Giese einen ganz entspannten Eindruck. Der 62-Jährige gibt sich sehr leger: Er trägt ein hellgraues Sakko und eine schwarze Hose, dazu weinrote Socken und dunkelbraune Slipper. Wer ihm vor der Zentrale der Versicherungskammer Bayern in der vornehmen Maximilianstraße begegnet, könnte ihn für einen der Touristen halten, die an diesem 30 Grad heißen Tag im August durch München bummeln und die Auslagen der Luxusboutiquen bestaunen.

Doch das lockere Outfit täuscht. Schubring-Giese ist alles andere als ein Frührentner auf Reisen. Er führt den Verband öffentlicher Versicherer, zu dem etwa die Provinzial oder die SV Sparkassen gehört. Damit ist er der Chef der zweitgrößten deutschen Anbietergruppe von Lebensversicherungen mit rund zehn Prozent Marktanteil. Gleichzeitig leitet er die Versicherungskammer Bayern. Die regionalen Versicherer hatten jahrzehntelang ein sicheres Geschäft, weil Tausende Sparkassen-Berater Tag für Tag ihre Policen an die Kunden verkauften.

Anzeige

Kunden können nur auf geringe Verzinsung hoffen

Heute aber wollen immer weniger Bundesbürger Schubring-Gieses größten Gewinnbringer haben: eine Kapitallebensversicherung mit Schutz der Familie im Todesfall und Sparfunktion für die Altersvorsorge. „Kunden tun sich mit langfristigen Engagements schwer“, sagt Schubring-Giese, „das Geschäft mit Lebensversicherungen, in die Kunden laufend einzahlen, geht bei uns in der Versicherungskammer Bayern auch dieses Jahr leicht zurück.“

Kein Wunder, denn die Versicherten, die deutschlandweit 686 Milliarden Euro in 93 Millionen Verträgen geparkt haben, können in den kommenden Jahren bestenfalls auf eine geringe Verzinsung hoffen. Das Gleiche gilt für die betriebliche Altersvorsorge, bei der Gelder in Höhe von rund 440 Milliarden Euro liegen.

Die Versicherer leiden derzeit enorm: unter einer einseitigen Anlagepolitik, unter erheblicher Abhängigkeit von den Banken, unter den nach wie vor hohen Risiken an den Finanzmärkten. Angesichts der fast aufgebrauchten Reserven ist es sogar fraglich, ob die Kunden nach Abzug der Inflationsrate zum Ablauftag noch den Wert ihres Ersparten erhalten. Betroffen sind fast alle Haushalte: Jeden vierten Euro ihres Vermögens haben die Deutschen in einer Lebensversicherung oder Pensionskasse angelegt.

Immer mehr steigen aus

Die Lebensversicherer stecken in der Krise. Die Wirtschaftskrise trifft die Branche an mehreren Flanken: Die Kapitalanlage ist erschwert wie nie, ihre wichtigsten Schuldner sind die krisen- und skandalgeschüttelten Banken, in der Kundenwerbung treffen sie auf eine immer stärkere Phalanx aus neuen Fondsanbietern und Finanzdienstleistern. Schuld haben aber nicht nur die Turbulenzen am Finanzmarkt, sondern auch tief greifende gesellschaftliche Veränderungen, die das Geschäftsmodell der Branche zu untergraben drohen: Kaum einer mag sich mehr für 20 und mehr Jahre binden.

Was bei Ehen gilt, zählt auch bei der Geldanlage: Immer mehr Versicherte ziehen vorzeitig einen Schlussstrich und kündigen vor dem vereinbarten Ablauftermin ihre Police. Im vergangenen Jahr stoppte jeder 25. Kunde seine Einzahlungen, kündigte den Vertrag oder stellte ihn vorübergehend beitragsfrei. Vier von fünf Sparern halten eine 30-jährige Versicherungszeit nicht durch, über alle Laufzeiten wird in mehr als die Hälfte aller Verträge nicht komplett eingezahlt. Die Lebensversicherung kündigen oder den Vertrag stornieren – das wäre undenkbar gewesen für die meisten Eltern der heutigen Kunden. Sie zahlten treu bis zum Rentenalter ihre monatlichen Beiträge. Genau wie Schubring-Giese: „Ich habe meine Lebensversicherung 1979 abgeschlossen und nie weniger als vier Prozent Verzinsung pro Jahr bekommen.“

Anzeige
Immobilien-Wertfinder:Was Mieten und Kaufen in Ihrer Region kostet

Mit unserem interaktiven Tool finden Sie Interessierte Mieten und Kaufpreise in ihrem Viertel und ihrer Straße. Mehr...

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%