Geldanlage: Letzte Chance vor der Abgeltungsteuer

Geldanlage: Letzte Chance vor der Abgeltungsteuer

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Die Abgeltungssteuer kommt 2009.

Privatanleger haben in diesem Jahr die letzte Chance, langfristig die Abgeltungsteuer, die 2009 kommt, zu umgehen. Ausgerechnet jetzt – und wohl auch in den nächsten Monaten – herrscht ein rauer Wind an den Börsen. Welche Investments lohnen sich und welche nicht?

Die Goldschmiede-Stadt Pforzheim in Baden hat 119.000 Einwohner, die offenbar alle ein besonderes Verhältnis zum Geld haben. Weil ab 2009 die Abgeltungsteuer kommt, legen die örtlichen Banken gleich fünf neue Investmentfonds auf – die Volksbank Pforzheim ist mit zwei Fonds dabei, mit dreien die Sparkasse Pforzheim Calw. Deren Wettstreit um die beste Performance können die Pforzheimer künftig in der Kursliste des „Handelsblatt“ oder via Internet verfolgen. Ein Fonds bringt Vorteile, gleichzeitig behalten sie ihr Geld vor Ort im Auge. „Meine Kunden wollen keine Nummer sein“, sagt Volksbank-Vermögensberater Jens Zimmermann, der jetzt unversehens auch Fondsmanager ist.

Die Abgeltungsteuer macht kreativ: Neulinge aus der Provinz, natürlich auch die milliardenschweren Frankfurter Platzhirsche DWS, Deka und Union Investment stürzen sich jetzt auf Anleger, um deren Drang zum Steuersparen auszunutzen und sie, quasi nebenbei, kräftig mit neuen Produkten zu versorgen. Hintergrund: Ab 2009 müssen alle Anleger 25 Prozent Abgeltungsteuer auf Aktien- und Anleihengewinne jeder Art zahlen. Nur aus noch 2008 gekauften Fonds, darauf drängen die Berater, können in Zukunft Kursgewinne noch steuerfrei vereinnahmt werden.

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Für diese Steilvorlage werden Bank- und Fondsvertriebe der Bundesregierung noch lange dankbar sein. Sie öffnen die Arme für steuerverängstigte Sparer und überschwemmen den Markt mit neuen Fonds, um all die Millionen Euro, die vor Silvester 2008 noch untergebracht werden müssen, in Empfang zu nehmen. Allein 2007, in der Aufwärmphase, wurden rund 1000 neue Fonds aufgelegt – so viele wie niemals zuvor. Aber was ist Spreu, was ist Weizen?

Die WirtschaftsWoche hat für Sie die Fondsofferten unter die Lupe genommen. Lesen Sie, worauf es bei der Fondsauswahl ankommt und wie Sie Reinfälle vermeiden.

Noch erträglich ist die Abgeltungsteuer für Anleihefans: „Für ihre Erträge aus Anleihen und Rentenfonds müssen Anleger mit hoher Steuerprogression künftig sogar weniger zahlen“, sagt Heinrich Peters, Analyst bei der Hessischen Landesbank Helaba. Statt wie bisher zum Beispiel 42 werden künftig nur 25 Prozent auf Anleihen fällig. Aktien aber werden relativ uninteressant. Statt wie bisher null Prozent auf Kursgewinne von Papieren, die über ein Jahr gehalten wurden, müssen Aktionäre dann ebenfalls 25 Prozent Steuer zahlen.

Die Konsequenz könnte sein: Der heimische Aktienmarkt verliert seine Aktionäre: „Bereits heute befindet sich mehr als die Hälfte des Aktienkapitals der 30 Daxunternehmen in ausländischer Hand. Damit profitieren diese Investoren vom wirtschaftlichen Aufschwung und dem Wachstum in Deutschland und nicht diejenigen, die ihn erwirtschaften“, sagt Sebastian Klein, Chef vom Fondshaus Cominvest.

Erst fluchen, dann arrangieren. Ordnungsgemäß liefen die Lobbyisten der Finanzbranche erst einmal Sturm gegen die Abgeltungsteuer, während sich die Cleveren unter ihnen längst auf Bankers Instinkt besannen: Auch aus dieser veränderten Lage muss sich doch Kapital schlagen lassen. Jede Bank stürmt mit einem anderen Schlachtruf los: „Schaltjahr für Ihr Geld“, „Countdown zur Abgeltungsteuer“.

Diese Werbegelder waren gut investiert. 41 Prozent der Deutschen kennen den Begriff Abgeltungsteuer, zwölf Millionen wollen deswegen ihr Geld umschichten, so eine Umfrage des Marktforschungsunternehmens Psychonomics. Marc-Oliver Lux, Vermögensverwalter aus München, warnt allerdings vor Hysterie und Eile: „Manche Anleger müssen in diesem Jahr gar nichts machen.“

Sie sollten aber zumindest wissen, ob Sie zu diesem Kreis zählen:

Wer nicht damit rechnet, dass sein Vermögen irgendwann jährlich mehr als 801 Euro abwerfen wird, bleibt durch den Sparerpauschbetrag vor der Abgeltungsteuer sicher. Das sind maximal 16.020 Euro, die zu fünf Prozent Zinsen angelegt werden. Spekulanten sind fein raus: Anleger, die jetzt schon häufig Kursgewinne aus Fonds innerhalb von zwölf Monaten erzielten und dies weiter tun wollen, können ihre Nachsteuer-Rendite mit der Abgeltungsteuer mitunter sogar erhöhen. Wurden sie bisher mit dem persönlichen Steuersatz vom Fiskus zur Kasse gebeten, zahlen sie künftig nur die 25-Prozent-Pauschale. Auch risikoscheue Anleger, die Rentenfonds mit hohen Zinserträgen im Depot haben, fahren ab 2009 nicht schlechter – jedenfalls dann, wenn ihr persönlicher Steuersatz über den künftig pauschal fälligen 25 Prozent liegt. Wer darunter liegt, muss sich das Geld vom Fiskus zurückholen. Altersvorsorge-Sparer müssen nachrechnen: Wurde der Vermögensaufbau oder der Ruhestand vor ein paar Jahren finanziell geplant, rechnete sich der Sparer mit den damals noch als steuerfrei angenommenen Kursgewinnen künftiger Investments reicher, als er dann ab 2009 vielleicht ist. Wurde der zukünftige Finanzbedarf vor Jahren beispielsweise auf 100.000 Euro festgelegt, so benötigt der Sparer bis zur Rente künftig mehr Vermögen, wenn er auch noch den Fiskus an Kursgewinnen beteiligen muss.

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