Geldanlage: Was Sie von den besten Vermögensverwaltern lernen können

Geldanlage: Was Sie von den besten Vermögensverwaltern lernen können

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Thomas Viehweider von der Bank für Tirol und Vorarlberg

Die besten Geldmanager des Jahres kommen aus der Provinz. Wie sie die Krise an den Finanzmärkten meistern, was jeder Anleger von ihnen lernen kann.

Februar 2008, Crashmonat. An den Finanzmärkten tobt der Bär. Erst vernichten Gerüchte um neue Milliardenpleiten amerikanischer Kreditversicherer binnen Minuten Milliardenwerte; schon am Tag darauf setzt eine schwindelerregende Erholungsrally ein: plus vier Prozent im Dax, plus fünf im MDax, plus vier im EuroStoxx. Das Glück der Börsianer hält nur eine Nacht: Am nächsten Morgen nährt ein schwacher US-Konjunkturindikator die Angst vor einer Rezession und macht die Kursgewinne wieder zunichte.

Ratlosigkeit greift um sich in den Banktürmen von London, Frankfurt und New York. Man sei mitten in der Rezession; Schlimmes stehe den Aktien noch bevor, sagt Jim O’Neill, einflussreicher Chefvolkswirt der US-Investmentbank Goldman Sachs. Andere wieder sehen „deutliche Übertreibungen nach unten und somit attraktive Kaufkurse“. Sicher sind nur noch Banalitäten. Der Kurs des Versorgers E.On werde schon nicht auf null fallen, plappert ein Analyst an der Frankfurter Börse in die TV-Kameras. Die Gesichter der Händler im Hintergrund sehen aus, als seien sie sich selbst da nicht mehr so sicher.

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Überall zwischen Frankfurt und New York herrschen in diesen Februartagen Unruhe und Unsicherheit. Überall? Nicht ganz: Weit abseits der hektischen Finanzzentren, gut geschützt zwischen dem schroffen Karwendel-Gebirge im Norden und den mächtigen Stubaier Alpen im Süden, sitzt Thomas Viehweider an seinem klinisch sauberen Schreibtisch, schaut entspannt hinaus aufs sonnige Innsbruck und wartet auf seine Chance: „Viele Großanleger wie Hedgefonds müssen jetzt verkaufen, weil ihnen Kreditlinien gesperrt wurden oder die Anleger weglaufen. Dabei schmeißen sie Qualität auf den Markt.“

Viehweider ist Leiter des Vermögensmanagements der Bank für Tirol und Vorarlberg, kurz BTV. Er investiert viel Geld für reiche Privatkunden, aber auch für Stiftungen und Pensionskassen. Und er macht das gut, keine Frage: Das aktuelle Vermögensmanager-Ranking der Agentur Firstfive, das die WirtschaftsWoche exklusiv vorstellt, bestätigt ihm die beste Leistung unter mehr als 70 Banken und Asset Managern aus Deutschland, der Schweiz, Österreich, Liechtenstein und Luxemburg. Mehr als 315 Depots, ausschließlich Portfolios realer Kunden und mit deren echtem Geld bestückt, haben die Banken 2007 dafür bei Firstfive ins Rennen geschickt.

Räumliche Distanz zu den Krisenherden der Finanzindustrie hilft dabei, jetzt den Überblick zu behalten. Die Sieger des diesjährigen Rankings in den etwas konservativeren Anlageklassen kommen aus Hamburg und Speyer. Bei den reinen Aktiendepots schlugen die Innsbrucker die Konkurrenz aus den Großbanken wie Deutsche, Dresdner, Commerzbank oder Credit Suisse mit weitem Abstand. Ein einmaliger Ausrutscher war das nicht: Auch im Langfristvergleich über drei Jahre setzte Viehweiders BTV sich an die Spitze. Um 86 Prozent vermehrte sie das Aktiendepot einer Privatkundin in den vergangenen drei Jahren. Ähnlich ist das Bild in den anderen Anlageklassen.

Wer den Markt auf Dauer schlagen wolle, müsse sich vor allem Arbeit machen, sagt Viehweider: Die Bilanz eines Kaufkandidaten ein zweites oder drittes Mal genau lesen, bevor man kauft. Leute anrufen, Meinungen einholen, lange Gespräche mit Firmenchefs und Fondsmanagern führen, Charts analysieren, ein Auge auf die Konjunktur haben, Zeitung lesen. „Bequeme Abkürzungen gibt es nicht“, sagt der 44-Jährige.

Die extreme Unsicherheit der vergangenen Wochen werde 2008 anhalten, meint der Tiroler. „Es geht bis auf Weiteres darum, hohe Verluste zu vermeiden.“ Erst sein zweiter Blick gilt den Chancen, die es in den kommenden Monaten aber immer wieder geben werde. „Wir rauschen auch nicht auf einer Einbahnstraße nach unten“, sagt Viehweider. „Es wird, ähnlich wie in den Siebzigerjahren, immer wieder zu starken Zwischenrallys kommen.“

Auf der Lauer liegt der Tiroler bei einigen zu Unrecht nach unten geprügelten Werten aus dem Wiener Leitindex ATX. „Bei der allgemeinen Flucht aus Nebenwerten ist gerade in Wien viel Gutes aus den Depots geflogen.” Auf seiner Watchlist stehen aktuell der Maschinenbauer Andritz und der Öl-Ausrüster Schöller-Bleckmann. Zunächst will Viehweider in den nächsten Wochen aber noch Kasse halten. „Die Verlockung ist groß, nach einer Korrektur » vermeintliche Schnäppchen billig einzukaufen”, sagt er, „ aber nur zu kaufen, weil man Aktien jetzt 30 oder 40 Prozent unter dem Top bekommt, ist gefährlich“.

Vorsicht zahlt sich aus . „Gerade die Risikobegrenzung ist für große Privatvermögen, aber auch für viele institutionelle Anleger wie Stiftungen und Pensionsfonds, das alles entscheidende Kriterium“, sagt Firstfive-Vorstand Jürgen Lampe. Gute Risikomanager wie das Bankhaus Wölbern oder die Raiffeisenbank Speyer holten auch 2007 Renditen von mehr als neun Prozent aus sicheren, festverzinslichen Anlagen heraus, bei maximalen Schwankungen des Depotwerts von weniger als drei Prozent.

Das gelang nicht allen: Nach vier fast lupenreinen Hausse-Jahren 2003 bis 2006 mit durchweg guten Leistungen der Geldmanager (WirtschaftsWoche 6/2007) fielen die Leistungen der Banken und Verwalter 2007 enorm unterschiedlich aus. Ein Anlage-Profi lenkte das Depot eines Kunden gar um 19,2 Prozent in die Verlustzone.

„Die Finanzwerte trennten im Sommer innerhalb weniger Tage die Spreu vom Weizen; wer zu stark auf sie gesetzt hatte, weil er den Schwung aus der Hausse seit 2003 noch mitnehmen wollte, hat immens verloren und diese Verluste in der Regel bis heute nicht mehr aufgeholt“, erklärt Lampe. So waren viele Geldprofis 2007 extrem stark in Werten wie Fortis, BNP, Société Générale und der IKB investiert, weil diese Titel nach Kriterien wie Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), Kurs-Buchwert oder Dividendenrendite sehr günstig bewertet schienen. Während einige Verwalter im Juli schnell die Reißleine zogen und etwa bei IKB noch zu Kursen zwischen 15 und 13 Euro aussteigen konnten, hielten andere an den Aktien fest und rutschten immer weiter ins Minus; heute notiert die IKB-Aktie bei rund 6,50 Euro. Auch zahlreiche Verwalter, die IKB im Herbst schon endgültig unten wähnten, wurden bitter bestraft, wie die Firstfive-Analyse zeigt.

Stefan Keitel von der Credit Suisse Deutschland in Frankfurt, der in den vergangenen Jahren wiederholt erste und zweite Plätze bei Firstfive belegte, rät deshalb, „jetzt nicht schon wieder Hals- über Kopf in den Aktienmarkt zu investieren, nur weil viele Titel optisch billiger sind.“ Die großzügige Zinspolitik der US-Notenbank Fed könnte zwar noch die eine oder andere „Hoffnungsrally lostreten”, so der 38-jährige, auf die sollte dann aber spätestens in der zweiten Jahreshälfte eine umso größere Ernüchterung folgen. „Die Unternehmensgewinne – die Hauptwährung an der Börse – werden es einfach nicht bringen”, prophezeit er. Sie schwächten sich ab, „ob das nun die genaue Definition einer Rezession in den USA erfüllt, oder nicht: An der Börse geht es um die Richtung, und die dürfte nach unten drehen“.

Wie gehen die Credit-Suisse-Banker mit der aktuellen Unsicherheit konkret um? Keitel: „Wir haben zum Beispiel Gold aufgestockt. Auch als Schutz gegen die wieder aufkeimende Inflation“. Keitel ist überzeugt, dass die US-Notenbank mit ihren Zinssenkungen „bereits die Lunte für die nächste Hochinflation gelegt hat; darunter werden beide Hauptkategorien am Kapitalmarkt leiden: Renten und Aktien.” Keitel will mehr Rohstoffe und Immobilienfonds beimischen und hofft so, mit einer „möglichst breiten Mischung am besten durch die schwierigen Märkte” zu kommen.

Als Portfoliomanager einer Großbank zählt Keitel in den aktuellen Bestenlisten von Firstfive zu einer Minderheit. Obwohl die Großbanken zum Teil wesentlich mehr Depots ins Rennen schicken als die Kleinen, haben 2007 erneut einige unabhängige Vermögensverwalter, Sparkassen und sogar Volks- und Raiffeisenbanken bewiesen, dass auch in der Provinz gute Arbeit beim Bewahren und Vermehren privater Vermögen geleistet wird.

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