Geldanlage: Wechselspiel von Sonne und Schatten bei Solaraktien

Geldanlage: Wechselspiel von Sonne und Schatten bei Solaraktien

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Die Photovoltaik-Anlage des Technologie- und Tagungszentrums in Marburg

Heute startete der Solartechnikhersteller SMA an der Frankfurter Börse. Das Interesse im Vorfeld war groß: Denn keine Branche hält die Börse so in Atem wie die Solarindustrie. Milliarden-Übernahmen und Börsengänge sorgen für Schwung. Was taugen alte und neue Aktien?

So schnell ändern sich die Zeiten: Als die Online-Seite der WirtschaftsWoche Ende März meldete, SMA bereite den Börsengang vor, dementierte das Solarunternehmen noch – wenn auch halbherzig. SMA könne sein Wachstum „hervorragend aus eigener Kraft finanzieren“. Anders lautende „Vermutungen“ entsprächen „nicht den aktuellen Gegebenheiten“. Keine drei Monate später drängt SMA an die Börse.

SMA stellt Wechselrichter her, die im Englischen an die berühmte Rockband erinnern: AC/DC converter. Die Bauteile wandeln den von Solaranlagen erzeugten Gleichstrom in Wechselstrom um. Eins ist an der Aussage von Ende März richtig: Geld zur Wachstumsfinanzierung braucht SMA nicht. Das Unternehmen verdient klotzig und ist schuldenfrei.

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Das IPO dürfte eher dem günstigen Marktumfeld – sprich: der verlockend hohen Bewertung der Solaraktien – geschuldet sein. Mit Werten wie Q-Cells oder Solwarworld konnten Anleger in den vergangenen Monaten ihren Einsatz vervielfachen. Solarwerte dominieren längst den Technologie-Index TecDax, haben Software, Computer und Halbleiter buchstäblich in den Schatten gestellt.

Auch in China, Taiwan und den USA geht die Sonne auf. Im Silicon Valley stürzen sich Risikokapitalgeber auf alles, was aus Sonne Strom gewinnt; die Chinesen wollen schon bald zum größten Solarmodulhersteller der Welt aufsteigen; Mexiko, Indien, Australien und Südkorea gelten als Zukunftsmärkte. Das scheinen inzwischen auch Vertreter der traditionellen Industrien so zu sehen. Vor Kurzem preschte Bosch vor und kaufte für rund eine Milliarde Euro den Fotovoltaik-Spezialisten Ersol. Bosch dürfte rasch Nachahmer finden; auch Kraftwerksbauer wie Siemens und GE wollen in den Markt.

Ergebnis des Booms: Die Aktien sind teuer. „Von Weitem betrachtet hat die Branche alles, was man sich wünscht“, sagt Karl Fickel, Partner der Investmentfirma Lupus Alpha, „doch je näher man den einzelnen Aktien kommt, desto größer werden die Bedenken, vor allem der hohen Preise wegen.“ Marktführer Q-Cells etwa kostet an der Börse derzeit das 70-Fache seines Gewinnes von 2007, der größte Wettbewerber Solarworld immerhin das 42-Fache.

SMA

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Das erinnert Skeptiker an die Hype-Zeiten am Neuen Markt, auch wenn Solarwerte „weit davon entfernt sind, wie die damaligen Medien- und Internet-Stars Kapital zu verbrennen, sondern sehr gutes Geld verdienen“, wie Fickel bestätigt. Viele Solarhersteller arbeiten mit Vorsteuer-Gewinnmargen (Ebit) von 30 oder 40 Prozent – ein Vielfaches der rund zehn Euro Gewinn aus 100 Euro Umsatz, die Maschinen- und Anlagenbauer sonst erreichen.

Die hohen Gewinne erwirtschaften die deutschen Produzenten wie Solon, Q-Cells, Ersol oder Solarworld zwar auch dank ihres technischen Vorsprungs gegenüber der Konkurrenz aus USA und Fernost; ebenso wichtig war bisher die üppige Förderung durch die Politik. Das Energie-Einspeise-Gesetz (EEG) und ein ähnliches Regelwerk im zweitwichtigsten Markt Spanien garantieren unbegrenzte Abnahme von Solarstrom zu Traumpreisen.

Zwar sollen diese Subventionen nach und nach abgebaut werden, allerdings nur langsam, in Deutschland um acht Prozent pro Jahr. „Das werden die Hersteller durch Effizienzsteigerung und Export mehr als ausgleichen“, glaubt Dieter Manz, Chef einer der wichtigsten Zulieferer der Solarindustrie, Manz Automation. Manz zählt so gut wie alle Hersteller zu seinen Kunden.

Doch die üppigen Gewinnmargen der Solarmodulhersteller werden auch ohne politischen Gegenwind unter Druck kommen. Solarzellen dürften billiger werden, das räumen selbst die Hersteller ein. Asiatische Produzenten wie Hyundai Heavy Industries aus Korea oder Suntech aus China bauen ihre Produktionsanlagen schnell aus; einige Experten warnen vor Überkapazitäten wie in der Halbleiterbranche. Dort sind es die Asiaten, die ihre Hersteller massiv subventionieren und westlichen Produzenten wie Infineon das Leben schwermachen.

„Die beiden Branchen sind nicht vergleichbar“, beschwichtigt Stefan Wulf, Solarexperte der Bank Sal. Oppenheim, „der Bedarf an Chips wächst nicht mehr nennenswert; der Nachfragesog nach Solarmodulen wird erst kommen.“ Die Logik: Wenn Solarmodule billiger werden, wird auch Solarstrom schneller konkurrenzfähig, zumal der Gas- und Kohlepreis klettert. Auch ein Ende der aktuellen Siliziumknappheit ist absehbar. Silizium ist Grundstoff für Solarzellen und hat das Wachstum der Hersteller bisher gebremst. Materialsparende Techniken wie Dünnschicht und massive Investitionen der Silizium-Lieferanten werden aber wirken.

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