Geldanlagen von Allianz und Co.: Wie Versicherer der Zinsfalle entkommen wollen

Geldanlagen von Allianz und Co.: Wie Versicherer der Zinsfalle entkommen wollen

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Neue Ziele im Blick. Versicherer kaufen Anleihen aus Ländern wie Singapur.

von Matthias Kamp und Cornelius Welp

Niedrigzinsen zwingen Konzerne wie Allianz und Ergo, das Geld ihrer Kunden anders anzulegen, Investments in Windparks, Immobilien oder Gefängnisse sollen helfen. Nur bei Aktien sind die Versicherer skeptisch.

Es war ein nasskalter Oktoberabend 2012, als Oliver Bäte in den Tiroler Stuben in der Münchner City saß. Passend zum rustikalen Interieur gab es Brezel, Schinkenaufschnitt und bayrische Leberwurst. Bäte war damals noch Finanzvorstand des Allianz-Konzerns, heute ist er für Süd- und Westeuropa zuständig.

Bäte aß nicht viel an diesem Abend, er hatte der kleinen Runde von Journalisten einiges zu erklären. "Wir sind seit 2008 permanent in der Krise", sagte er mit Blick auf die Turbulenzen an den Finanzmärkten. Besondere Sorgen bereite das Geschäft mit Lebensversicherungen, eine tragende Säule der Allianz. Bei den Produkten müsse sich etwas ändern, Versprechungen über lange Zeiträume seien angesichts der niedrigen Zinsen nicht mehr möglich.

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"Das Neugeschäft ist schwieriger geworden"

Im Juni 2013 sitzt Maximilian Zimmerer, im Allianz-Vorstand zuständig für die Investments, in seinem Büro in München. Der Blick geht über den Englischen Garten; unten liegt ein kleiner See. Zimmerers Stimmung ist gut, denn trotz "permanenter Krise", wie Bäte es einige Monate zuvor beschrieben hatte, fährt der Allianz-Konzern immer noch Rekordgewinne ein. Doch geht es um die Lebensversicherung, wird auch Zimmerer nachdenklich. "Das Neugeschäft ist schwieriger geworden", man spüre die mageren Angebote. "Wir müssen unsere Kapitalanlagen heute viel breiter streuen als früher, um am Ende attraktive Renditen bieten zu können."

Auf Nummer sicher

Auf Nummer sicher. Kapitalstruktur nach Marktwerten

So wie der Allianz geht es hierzulande fast allen Versicherern: Sie suchen fieberhaft nach Wegen, das Geld ihrer Kunden gewinnbringender zu investieren. Die Assekuranz stürzt sich auf Windparks, kauft verstärkt Anleihen aus Schwellenländern, investiert in Immobilien und vergibt Kredite an Mittelständler und Großunternehmen. Doch trotz aller Anstrengungen dürfte es schwer werden, die Gesamtrendite für die Versicherten merklich zu steigern. Einerseits schrecken die Konzerne vor mehr Engagement in wirklich renditeträchtige Produkte wie Aktien zurück. Andererseits sind viele aussichtsreiche Märkte zu klein für die anzulegenden Milliardensummen. Die Versicherer sitzen in der Falle.

Versprechen können nicht gehalten werden

Seit die Zentralbanken rund um den Globus die Zinsen in den Keller geschickt haben, werfen Staatsanleihen und Pfandbriefe, in die die Versicherer bisher hauptsächlich investiert haben (siehe Grafik), immer weniger ab. Die Allianz etwa kam bei der Neuanlage bei der Lebensversicherung 2012 noch auf eine Rendite von 3,6 Prozent. In den ersten drei Monaten 2013 waren es nur noch 3,1 Prozent. Bei Ergo waren es zwischen Januar und März sogar weniger als drei Prozent.

"Für die Lebensversicherer wird es immer schwieriger, die 3,0 bis 3,5 Prozent zu erwirtschaften, die sie ihren Kunden versprochen haben", sagt Ulrich Mündlein, Versicherungsexperte der Beratung Oliver Wyman in München. Sein Urteil: Die Versicherer hierzulande gingen von einem anhaltenden Niedrigzinsumfeld aus. Für einige kleinere Anbieter könnte es in den kommenden Jahren eng werden.

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