Geplante Gesetzesreform: Lebensversicherung - halten oder kündigen?

Geplante Gesetzesreform: Lebensversicherung - halten oder kündigen?

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Die Allianz ermittelt ihre Bewertungsreserven zweimal pro Monat.

von Heike Schwerdtfeger, Martin Gerth und Saskia Littmann

Die Bundesregierung will Versicherer stützen und die Ausschüttung von Bewertungsreserven an Kunden kappen. Das könnte Kündigungen lukrativer machen. Was die geplante Reform für Versicherte und Aktionäre bedeutet.

Eigentlich gilt das Kündigen einer Lebensversicherung als Verlustgeschäft, insbesondere bei alten Verträgen. Setzt sich allerdings die Bundesregierung mit ihrer geplanten Reform der Lebensversicherungen durch, könnte sich das bald ändern. Selbst bei Altverträgen kann es sich dann finanziell lohnen, die Police vorzeitig zu kündigen.

Denn die Bundesregierung will den durch Niedrigzinsen gebeutelten Lebensversicherern mit einer Gesetzesreform unter die Arme greifen und unter anderem die Ausschüttung von Bewertungsreserven – einer Art stillen Reserve auf von den Versicherern gehaltene Wertpapiere – an die Kunden kappen. Das könnte schon im März geschehen.

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Was die Bundesregierung genau plant:

- Versicherte, deren Police fällig wird oder die kündigen, sollen einen geringeren Anteil an den Bewertungsreserven bekommen. Aktuell wird die Reserve hälftig zwischen Versicherer und Kunde geteilt.

- Kunden sollen stärker an den Risikogewinnen der Versicherer beteiligt werden. Diese Gewinne entstehen, wenn die Versicherer weniger an Hinterbliebene verstorbener Kunden auszahlen müssen, als sie kalkuliert haben.

- Der Garantiezins wird für Neuverträge von 1,75 auf 1,25 Prozent gesenkt.

- Versicherungsvermittler sollen niedrigere Provisionen bekommen.

- Aktionären finanzschwacher Versicherer soll die Dividende gestrichen werden.

Bewertungsreserven Was das Rettungspaket für Lebensversicherer für Kunden bedeutet

Niedrige Zinsen belasten Lebensversicherer. Die Regierung will, dass Versicherer einzelnen Kunden weniger ausschütten. Verbraucherschützer schlagen Alarm. Ich sage: Das schafft mehr Gerechtigkeit für das Kollektiv.

Die Regierung will die Beteiligung der Kunden von Lebensversicherungen an deren Bewertungsreserven beenden Quelle: dpa

Bereits 2013 hatte Berlin versucht, die Regeln für die Verteilung der Reserven zugunsten der Versicherer zu ändern – und scheiterte. Von dem aktuellen Gesetzespaket sollen jetzt auch die Kunden profitieren. Deshalb, so das Kalkül, könnten Proteste diesmal ausbleiben.

Was genau Bewertungsreserven sind

Bewertungsreserven entstehen, wenn hochverzinste Papiere zwischenzeitlich Kursgewinne verbuchen, zum Beispiel von 100 auf 107 Prozent. Zurückgezahlt werden die Papiere den Lebensversicherern am Ende allerdings nur zu ihrem Nennwert (100 Prozent), also ohne Kursgewinne. Um diese zwischenzeitliche Differenz geht es. Betroffen sind davon vor allem Versicherte mit einer kapitalbildenden Police, deren Verträge in Kürze auslaufen. Sie müssen befürchten, dass ihnen weniger von den Buchgewinnen ausbezahlt wird als nach altem Recht. Das liegt vor allem daran, dass die Bewertungsreserven zurzeit aufgrund der niedrigen Zinsen besonders hoch sind. Wer also einen Vertrag hat, der in Kürze fällig wird, steht vor der Frage: Kündigen und die Reserven sichern, oder durchhalten? Wie viel der Versicherte bei vorzeitiger Kündigung – die nach altem Recht liefe – hinzugewinnt, hängt davon ab, wie hoch die Bewertungsreserven sind.

"In der Regel machen die Bewertungsreserven rund fünf bis zehn Prozent des ausbezahlten Betrages aus", erklärt Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Nauhauser rät Versicherten, deren Verträge in Kürze auslaufen, zunächst bei ihrer Versicherung nachzufragen, wie hoch der Anteil der Bewertungsreserven in ihrem Fall ist. "Je höher der Anteil ist, desto eher sollte gekündigt werden", so Nauhauser. Versicherte sollten kühl kalkulieren und sich von ihrem Lebensversicherer für ihre Policen eine Übersicht über Bewertungsreserven, Überschussbeteiligung und Schlussüberschuss geben lassen. Die Allianz etwa ermittelt ihre Bewertungsreserven zweimal pro Monat, der Anleger bekommt also frische Daten für eine Entscheidung.

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