Geschäfte machen ohne Autos: Autobanken suchen neue Wege

Geschäfte machen ohne Autos: Autobanken suchen neue Wege

Da der Autoabsatz im Inland vor sich hindümpelt, suchen die Autobanken neue Wege, ihr Geschäft und das der Konzernmütter anzukurbeln.

Wer nach kurzfristigen Anlagemöglichkeiten für sein Bares sucht, sollte derzeit nicht nur auf die traditionellen Filial- und Direktbanken schielen. Auch ein Blick auf die Angebote der zu Autoherstellern gehörenden Finanztöchter kann sich lohnen. Pünktlich zum Jahresanfang hat etwa die Mercedes-Benz-Bank ihren Tagesgeldzins auf 3,8 Prozent angehoben. Bei der VW-Bank gibt es sogar 4,25 Prozent für Neukunden . Bei anderen Banken ein höheres Gebot zu finden dürfte schwerfallen.

Für Autofahrer kann sich auch ein Blick auf die Versicherungsangebote der Hersteller lohnen, die Kunden mit allerlei Vorteilen locken, wie zum Beispiel mit einer vollständigen Erstattung des Fahrzeugneupreises im Fall eines Totalschadens, auch wenn das Auto schon ein Jahr alt ist. Üblich sind sonst nur sechs Monate.

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Die vermeintliche Großzügigkeit zeigt, wohin die Reise bei den Autobanken geht. Zumindest die größeren unter ihnen bemühen sich, neben ihrem nach wie vor wichtigsten Geschäftsbereich, der Autofinanzierung, weitere Säulen aufzubauen, um an frisches Geld für die Refinanzierung zu kommen. Aber auch, um das volatile Geschäft mit den Autokunden durch krisenfestere Bereiche abzusichern und den Absatz ihrer Konzernmütter anzuschieben, indem sie Kunden zur Markentreue erziehen.

Da die Zahl der Neuzulassungen zumindest in Deutschland rückläufig ist, müssen die Banken fast schon zwangsläufig auf eine höhere Durchdringung der Käuferschaft mit eigenen Finanzierungsangeboten und auf Angebote jenseits der klassischen Finanzierung setzen. Heinz-Peter Renkel, Sprecher des Arbeitskreises der Autobanken und Mitglied der Geschäftsführung von Ford Financial Deutschland, rechnet damit, dass die Kundenzahl im vergangenen Jahr stabil geblieben ist. 2006 schlossen die Banken zwei Millionen Neuverträge ab. „Die Banken setzen stark auf Paketlösungen, bei denen mehr Serviceangebote enthalten sind“, sagt Renkel.

Neben solchen Versicherungslösungen rund ums Auto runden immer mehr klassische Direktbank-Angebote das Angebot der Autobanken ab. Vom Tagesgeldkonto über die Kreditkarte bis zu Sparbriefen und Fondsprodukten reicht das Angebot der Herstellertöchter. Sogar ein Girokonto kann der Kunde bei der Volkswagen Bank direct abschließen. Selbst wer eine Immobilie finanzieren will, kann das über die Volkswagen Bank tun.

Ob die hiesigen Autobanken in absehbarer Zeit im großen Stil in dieses Geschäft einsteigen, ist allerdings mehr als fraglich. GMAC-RFC, die deutsche Tochtergesellschaft der ehemals zum US-Konzern General Motors gehörenden Finanzierungstochter GMAC, gab am Mittwoch bekannt, dass die Vergabe neuer Immobiliendarlehen vorübergehend eingestellt werde, weil die Refinanzierung nicht gesichert sei. GMAC leidet unter den Auswirkungen der sogenannten Subprime-Krise, bei der in den USA massenhaft Immobilienfinanzierungen geplatzt sind. Und weil die überschuldeten Hausbesitzer häufig auch noch auf einem Autokredit sitzen, haben zumindest GMAC und die Ford-Bank derzeit zusätzlich mit erhöhten Ausfällen bei der Autofinanzierung zu kämpfen.

Die deutschen Autobanken sorgt das bislang weniger. Daimler, BMW und VW haben nach eigenen Angaben bisher keine erhöhten Ausfälle im Autokreditgeschäft und sehen auch keine großen Probleme bei der Beschaffung von frischem Geld für Finanzierungen. „Wir brauchen derzeit praktisch kein Geld vom Kapitalmarkt, zumal auch unser Mutterkonzern über eine sehr hohe Liquidität verfügt“, sagt Peter Zieringer, Vorstandsvorsitzender der Mercedes-Benz-Bank. Auch sonst sieht man in der Branche die Subprime-Problematik bisher gelassen. „Autokredite sind immer noch sehr gute und gern genommene Kredite“, sagt Oliver Mihm, Direktbanken-Spezialist und Vorstand des Beratungsunternehmens Investors Marketing in Frankfurt.

Dennoch ist das Einwerben frischer Kundengelder zur Refinanzierung des Geschäfts mit Autofinanzierungen und Leasing keineswegs unwichtig, bestätigt Volkswagen-Financial-Services-Chef Burkhard Breiing: „Das Kreditrating einer Autobank orientiert sich in der Regel am Mutterkonzern. Das hieße für uns, dass wir gegenüber anderen Banken unter Umständen Nachteile hätten, wenn wir ausschließlich mit Geld arbeiten würden, dass wir am Kapitalmarkt geliehen haben.“ Auch in anderen Bereichen kommt den Finanzierungstöchtern stärker denn je die Rolle zu, die Konzernmütter im volatilen Autogeschäft zu unterstützen.

Etwa im Versicherungsgeschäft, wo nicht nur der Hersteller direkt von erfolgreichen Vertragsabschlüssen mit den Kunden der eigenen Marken profitiert, sondern auch die Markenwerkstätten und Händler. „Das ist ein sehr wichtiger Aspekt, dass die Kunden im Schadensfall in unsere Werkstätten kommen und nicht vom Versicherer in eine Fremdwerkstatt geschickt werden“, sagt Mercedes-Bankmanager Zieringer.

Von einer „Win-win-win-Situation“, spricht gar sein Volkswagen-Kollege Breiing: „Der Händlerbetrieb macht sein Geschäft, der Kunde ist zufrieden, weil auf seine Marke spezialisierte Mechaniker die Arbeit machen und Original-Ersatzteile verwenden, und der Hersteller sichert sein Ersatzteilgeschäft und den Fahrzeugabsatz.“

Im klassischen Direktbanken-Geschäft zielen die Autobanken dagegen auch auf jene meist jungen Kunden, die zwar eine Affinität zur Marke haben, aber noch nicht das Geld, ihr Traumfahrzeug zu kaufen. Mini-Markenchef Kai Segler etwa hält deshalb große Stücke auf die hauseigene Kreditkarte, die Kunden in den USA sogar mit einem nach ihren Wünschen gestalteten Mini bedrucken lassen können. Die Karte sei „ein Mittel, um Leute an die Marke heranzuführen“.

Kundenvertrauen ist jedoch auch schnell wieder verspielt, Kontinuität aus Sicht der Bankmanager deshalb unabdingbar: „Wir sind in unabhängigen Bankenvergleichen nicht immer die Besten, aber fast immer unter den Top fünf zu finden“, sagt Volkswagen-Mann Breiing. Der Kunde müsse sich gut aufgehoben fühlen und „das Gefühl haben, dass ein Wechsel sich nicht lohnt“. Man werde deshalb auf Aktionen verzichten, die nur der Kundenakquise dienen und sich nicht rechnen.

Für risikofreudige Investoren sind die meisten Autobanken dagegen in der Regel nicht die erste Wahl, auch wenn einige inzwischen im weitesten Sinne auch als Wertpapierbroker auftreten. „Was dort primär angeboten wird, sind eher klassische Spar- und Fondsanlagen. Mit dem Angebot eines spezialisierten Online-Brokers kann man das nicht vergleichen“, sagt Berater Mihm. Ausnahme ist die Volkswagen Bank direct. Bei ihr erhalten die Kunden praktisch alle Produkte, die sie auch bei anderen Filial- und Direktbanken erhalten.

Bei der Konkurrenz dagegen wird sich am eingeschränkten Angebot wohl so schnell nichts ändern. „Wir wählen unsere Partner und auch die Produkte sehr risiko-bewusst aus. Sie werden bei uns nie Hedgefonds-Anteile kaufen können“, sagt Mercedes-Banker Zieringer, „alles, was unser Image und das von Mercedes beschädigen könnte, werden wir auch künftig vermeiden.“

Allerdings taugt die Erweiterung der Geschäftsfelder aus Sicht des Branchenexperten nur für die größten Spieler auf dem deutschen Markt. „Die Importeure wie Toyota haben eine viel zu kleine Kundenbasis in Deutschland, um hier groß einzusteigen und den Direktbanken Konkurrenz zu machen“, sagt Branchenexperte Mihm. Denn die Dehnbarkeit der Marke auf Kunden von anderen Fabrikaten ist aus Mihms Sicht sehr begrenzt. „Eine Auto-Kreditkarte ist – anders als die Kreditkarte einer klassischen Direktbank – nie neutral. Was soll ich als BMW-Fahrer mit einer Mercedes-Kreditkarte im Portemonnaie“, fragt Mihm: „Das macht kaum jemand.“

Dass sie ihr Angebot auch weiterhin ausbauen wollen, daran lassen die Bankvorstände dennoch keinen Zweifel: „Wir haben da schon noch Ideen“, sagt Mercedes-Benz-Bank-Vorstand Zieringer. Was, will er sich noch nicht entlocken lassen. In das Geschäft mit Girokonten, wie sie der Konkurrent Volkswagen anbietet, wolle man in absehbarer Zeit aber nicht einsteigen. „Wir sind und bleiben Zweitbank und wollen die Hausbank nicht ersetzen.“

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