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Gesundheitsfonds: Wie komme ich an das Geld der Krankenkassen?

von Saskia Littmann

Der Überschuss im Gesundheitsfonds der gesetzlichen Krankenkassen steigt auf Rekordhöhe. Die Techniker Krankenkasse zahlt als erste eine Prämie aus: 80 Euro soll es geben. Die wichtigsten Fragen zu den Gewinnen der Versicherer.

Es ist ein Achtungserfolg für Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP): Als erste der großen Krankenversicherungen gibt die Techniker-Krankenkasse seinem Drängen nach und zahlt bis zu 720 Millionen Euro an ihre Versicherten zurück. Die anderen Kassen mauern - noch...

Bild: dapd

Während alle von Krise reden, frohlocken ausgerechnet die deutschen Krankenkassen: Nach offiziellen Schätzungen wird der Überschuss im Gesundheitsfonds Ende des Jahres zwölf Milliarden Euro betragen. Im nächsten Jahr dürfte die Rücklage sogar auf ein neues Rekordhoch von über 14 Milliarden Euro klettern, wie das Bundesversicherungsamt schätzt.

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In den Zahlen sind die Milliardenüberschüsse der einzelnen gesetzlichen Krankenkassen noch nicht enthalten. Insgesamt werden die Reserven wohl auf über 20 Milliarden Euro steigen. Die guten Zahlen dürften die Debatte über eine Beitragssatzsenkung und den Wegfall der 10-Euro-Praxisgebühr für Arztbesuche neu entfachen. Die WirtschaftsWoche beantwortet die wichtigsten Fragen:

Wie funktioniert der Gesundheitsfonds?

Der Gesundheitsfonds ist quasi das Sparbuch der gesetzlichen Krankenkassen. Seit Januar 2009 zahlen alle Mitglieder einer gesetzlichen Krankenversicherung ihre Beiträge in einen gemeinsamen Topf, den Gesundheitsfonds. Auch der Anteil der Arbeitgeber fließt hier rein, genauso eventuelle Steuerzuschüsse. Erst danach wird das Geld anteilig auf die jeweiligen Versicherungen verteilt. Das ist möglich, seitdem die Beitragssätze für alle Kassen einheitlich sind. Wie viel eine Versicherung für einen Versicherten bekommt, richtet sich nach dessen Alter, Geschlecht und Gesundheit.

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Warum erwirtschaften die Kassen derart hohe Überschüsse?

Überschüsse im Fonds entstehen grundsätzlich dann, wenn die Beitragseinnahmen höher ausfallen als erwartet. Dabei profitieren die Kassen aktuell von der guten Lage am Arbeitsmarkt - je mehr Menschen einen sozialversicherungspflichtigen Job ausüben, desto mehr Geld fließt in den Topf. Außerdem wurde Anfang dieses Jahres die Beitragsbemessungsgrenze erhöht. Wurden die Beiträge im vorigen Jahr auf einen Bruttolohn von maximal 44.450 Euro im Jahr erhoben, sind es 2012 45.900 Euro. Auch das lässt zusätzliche Euros in den Fonds fließen. Aber nicht nur die Einnahmen sind gestiegen, auch Ausgaben für Arzneimittel, Arzthonorare oder Krankenhauskosten wurden strenger kontrolliert.

Gesundheit Gesundheitsexperte Spahn (CDU) zu FDP-Plänen: "Die Praxisgebühr bleibt"

Der Koalitionsstreit zwischen Union und FDP weitet sich nun auch auf die Praxisgebühr aus. „Die Gebühr bleibt“, erklärte der gesundheitspolitische Sprecher der Unionsfraktion im Deutschen Bundestag, Jens Spahn, gegenüber der WirtschaftsWoche.

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Profitiere ich als Versicherter auch von den Rücklagen meiner Kasse?

Nicht nur im Gesundheitsfonds, auch auf den Konten der Kassen selbst haben sich große finanzielle Rücklagen angesammelt. Deshalb kündigte die Techniker Krankenkasse (TK) als erste Versicherung vor einigen Wochen an, ihren Mitgliedern aufgrund der außerordentlich guten Finanzlage eine Prämie zahlen zu wollen: Im kommenden Jahr wird jedem TK-Mitglied, das vom Mai bis Dezember 2013 Beiträge zahlt, eine Prämie von 80 Euro gezahlt. Für kürzere Mitgliedschaften gibt es eine anteilige Erstattung. Wer mit den Beiträgen im Rückstand ist, bekommt jedoch kein Geld. Der Vorstandsvorsitzende Jens Baas bezifferte die auszuschüttende Summe auf eine halbe Milliarde Euro. Zudem sollen Versicherte, die etwa an Früherkennungs- und Vorsorgeuntersuchungen teilnehmen, Praxisgebühren im Umfang von bis zu 60 Euro zurück bekommen. Das Kassen-Geld muss allerdings vom Versicherten versteuert werden.

Während Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) noch auf ähnliche Aktionen weiterer Krankenkassen hofft, ergab eine Umfrage der WirtschaftsWoche, dass gerade die großen Kassen nicht zahlungswillig sind. Von den zehn größten Kassen mit insgesamt 34,5 Millionen Mitgliedern will keine dem Beispiel der TK folgen. Weder der Marktführer Barmer GEK noch die DAK oder die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) wollten einen Teil des Beitrags zurückzahlen. Lieber würden sie weitere Zusatzangebote anbieten wie Zahnreinigungen oder Auslandsimpfungen. Erwogen werden auch Boni für gesundheitsbewusstes Verhalten. Lediglich einige kleine Versicherer wollen Prämien zahlen. Aber trotzdem: Von Zusatzbeiträgen dürften die Versicherten im Großen und Ganzen verschont bleiben.

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