
WirtschaftsWoche: Herr Professor Wasem, jeder vierte Euro im Gesundheitssystem fließt in die Verwaltung. Verschwenden die Krankenkassen Geld?
Wasem: Die Verwaltungskosten der Kassen machen etwa fünf Prozent ihres Budgets aus. Viel teurer ist die Bürokratie, die Ärzte in den ambulanten Praxen und den Krankenhäusern auf sich nehmen müssen, um die Qualität der medizinischen Versorgung zu überwachen.

Private sind beliebter
Im vergangenen Jahr wechselten etwa 160.000 privat Versicherte zu den gesetzlichen Kassen (siehe Grafik). Vielen ist die Rückkehr in die GKV jedoch versperrt. Wer zurück kann, sehen Sie auf den nächsten Seiten:
Quelle: Picture-Factory - Fotolia.comSelbstständige
Wer sein Gewerbe aufgibt und wieder Angestellter oder arbeitslos wird, kann zurück in die gesetzlichen Kassen.
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Der Weg zurück in die Kasse ist nur dann offen, wenn das Einkommen unter 50.850 Euro brutto pro Jahr (Versicherungspflichtgrenze) sinkt. Für Versicherte, die vor 2002 in die PKV gingen, liegt die Grenze bei 45.900 Euro.
Quelle: dapdArbeitslose
Wer seinen Job verliert und Anspruch auf Arbeitslosengeld hat, kann zurück in die GKV.
Quelle: diego cervo - Fotolia.comEltern
Väter und Mütter, die privat versichert sind und in Elternzeit gehen, müssen sich weiter privat versichern. Wer allerdings nach der Elternzeit einen Teilzeitjob annimmt und dann weniger als 50.850 Euro brutto pro Jahr verdient, kann zurück in die GKV.
Quelle: dapdSenioren
Versicherte, die 55 Jahre und älter sind, kommen nicht aus der PKV. Sie können in den PKV-Basistarif mit vergleichbaren Leistungen wie die GKV wechseln. Der Beitrag ist, inklusive Arbeitgeberanteil, bei 593 Euro monatlich gedeckelt.
Private sind beliebter
Im vergangenen Jahr wechselten etwa 160.000 privat Versicherte zu den gesetzlichen Kassen (siehe Grafik). Vielen ist die Rückkehr in die GKV jedoch versperrt. Wer zurück kann, sehen Sie auf den nächsten Seiten:
Brauchen wir wirklich über 100 Kassen?
Ob sie 100 oder eine Krankenkasse haben, ist letztlich egal. Die Verwaltungskosten sind zu klein, als dass Einsparungen hier das System spürbar entlasten könnten. Entscheidend ist, wie sich die Qualität in Praxen und Krankenhäusern mit weniger Bürokratie sichern ließe. Ohne Kontrolle gingen Einsparungen zulasten des Patienten.

Privatkassen haben Prämien zweistellig erhöht. Ist die PKV noch finanzierbar?
Derzeit noch, die Anbieter machen Gewinn. Entscheidend ist, ob Versicherer in Zukunft ausreichend neue Kunden anziehen, wenn die Prämien weiter so stark zulegen. Seit Jahren steigen die Beiträge stärker als die Einkommen, wie bei den gesetzlichen Kassen auch. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Schmerzgrenze erreicht ist.
Einige Anbieter liebäugeln damit, nur noch Zusatzpolicen anzubieten.
Das sind Planspiele, solange die Regierung keine Bürgerversicherung einführt. Versicherer bereiten sich auf alle Eventualitäten vor. Dass sie aussteigen wollen, kann ich nicht erkennen.














