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Gesundheitsökonom: "Am Ende stünde die Einheitskasse"

von Martin Gerth

Der renommierte Gesundheitsökonom Jürgen Wasem sagt, dass die medizinische Versorgung ohne Privatpatienten nicht mehr finanzierbar wäre. Die Schmerzgrenze sei bald erreicht.

Jürgen Wasem, Gesundheitsökonom an der Uni Duisburg-Essen Quelle: Presse
Jürgen Wasem, Gesundheitsökonom an der Uni Duisburg-Essen Quelle: Presse

WirtschaftsWoche: Herr Professor Wasem, jeder vierte Euro im Gesundheitssystem fließt in die Verwaltung. Verschwenden die Krankenkassen Geld?

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Wasem: Die Verwaltungskosten der Kassen machen etwa fünf Prozent ihres Budgets aus. Viel teurer ist die Bürokratie, die Ärzte in den ambulanten Praxen und den Krankenhäusern auf sich nehmen müssen, um die Qualität der medizinischen Versorgung zu überwachen.

Private sind beliebter

Im vergangenen Jahr wechselten etwa 160.000 privat Versicherte zu den gesetzlichen Kassen (siehe Grafik). Vielen ist die Rückkehr in die GKV jedoch versperrt. Wer zurück kann, sehen Sie auf den nächsten Seiten:

Brauchen wir wirklich über 100 Kassen?

Ob sie 100 oder eine Krankenkasse haben, ist letztlich egal. Die Verwaltungskosten sind zu klein, als dass Einsparungen hier das System spürbar entlasten könnten. Entscheidend ist, wie sich die Qualität in Praxen und Krankenhäusern mit weniger Bürokratie sichern ließe. Ohne Kontrolle gingen Einsparungen zulasten des Patienten.

Geld und eine Krankenkassenkarte Quelle: dpa
Teurer als die Bürokratie der Krankenkassen sei diejenige der Ärzte, findet Jürgen Wasem Quelle: dpa

Privatkassen haben Prämien zweistellig erhöht. Ist die PKV noch finanzierbar?

Derzeit noch, die Anbieter machen Gewinn. Entscheidend ist, ob Versicherer in Zukunft ausreichend neue Kunden anziehen, wenn die Prämien weiter so stark zulegen. Seit Jahren steigen die Beiträge stärker als die Einkommen, wie bei den gesetzlichen Kassen auch. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Schmerzgrenze erreicht ist.

Einige Anbieter liebäugeln damit, nur noch Zusatzpolicen anzubieten.

Das sind Planspiele, solange die Regierung keine Bürgerversicherung einführt. Versicherer bereiten sich auf alle Eventualitäten vor. Dass sie aussteigen wollen, kann ich nicht erkennen.

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3 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 01.02.2012, 14:41 UhrWegweiser

    Diese Entwicklungen haben wir leider auch zum großen Teil der Euroeinführung zu verdanken. Seit 13 Jahren entfallen für uns die volkswirtschaftlichen Aufwertungsgewinne einer eigene unabhängigen Währung als volkswirtschaftliche Sozial- und Wohlfahrtsdividende, siehe die Realentgeltfindungen in Deutschland. Dies schlägt sowohl bei den privaten als auch bei den gesetzlichen Krankkassen zu Buche. Hinzu kommen und kamen die finanziellen Belastungen der Sozialversicherungssyteme durch die geglückte politische Wiedervereinigung beider deutsche Staaten.

    Es hätte also bereits mit dem Vollzug der deutschen Einheit eine grundlegende Neuordnung des gesamten Sozialversicherungswesen erfolgen müssen, um die zusätzlich gewaltigen Zusatzlasten finanziell abzufedern. Alle Einkunftsarten hätten zur Finanzierung der Sozialversicherungssysteme herangezogen werden müssen, zusätzlich hätte man eine private Zusatzversicherung für Extraleistungen anbieten können (Einzelzimmer, Chefarztbehandlung, kosmetische GesundheitsOP's etc.)

    Diese beiden Ereignisse treffen uns nunmehr als ökonomische Bumerangs mit voller Wucht. Hizu kommt noch die demographische Entwicklung, die die Einnahmen- und Ausgabenstruktur ungünstigt beeinflußt.

    Leider will man aus politischen Gründen diese Ursachen nicht öffentlichen diskutieren, um unliebsame öffentliche Fehler eingestehen zu müssen.

  • 01.02.2012, 14:00 UhrHansi

    Also junger Berufstätiger am Rande der Beitragsbemessungsgrenze in die PKV zu gehen grenzt an finanziellen Harakiri. Beitragsentwicklung völlig unberechenbar, bei älteren Semestern jenseits der 40 sind die Beiträge schon jetzt am Rande des finanziell Stemmbaren.
    Die Altersrückstellungen kann man dank negativer Realverzinsung wegen Südländer-Rettung durch EZB eh in der Pfeife rauchen, auf Sicht von ein, zwei Jahrzehnten. Die Verzinsung wird niemals die Kostensteigerungen bedingt durch Inflation ausgleichen. Ein Glück bin ich aus der PKV wieder herausgekommen!

  • 01.02.2012, 11:46 UhrNichtDumm

    Die Einheitskasse wäre die alleinige Lösung. Mit Belegen der Ärzte und Krankenhäuser an die Patienten zur Nachkontrolle der abgerechneten Leistungen. Auch die 70%igen Zuschüsse zu den Krankheitskosten für die Beamten würde sich der Steuerzahler dann sparen.

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