Kostendruck und Personalmangel im Gesundheitswesen nehmen zu

Gesundheitspolitik: Kostendruck und Personalmangel im Gesundheitswesen nehmen zu

von Andreas Toller

Immer mehr Ärzte berichten, dass sie aufgrund des Kostendrucks auf notwendige Behandlungen verzichten oder diese verschieben. Zugleich haben Ärzte und Krankenhäuser zunehmend Probleme, geeignetes Personal zu finden.

Ärzte und Patienten sehen die Gesundheitsversorgung in Deutschland weit überwiegend positiv. 93 Prozent der Ärzte und 82 Prozent der Bevölkerung beurteilen sie aktuell als gut oder sogar sehr gut. Aber die Situation verschlechtert sich und die Zukunftsaussichten sind zunehmend trübe. Vor allem der zunehmende Kostendruck und ein generell zu beobachtender Personalmangel sorgen bei Ärzten und Patienten für eine schlechte Prognose. Das belegt eine repräsentative Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag des Finanzdienstleisters MLP. Für die Studie wurden 1920 Bürger sowie mehr als 500 Ärzte in Deutschland befragt.

Der bereits neunte „MLP Gesundheitsreport“ wurde heute in Berlin der Öffentlichkeit vorgestellt. Und da mittlerweile aussagekräftige Zeitreihen in den Umfrageergebnissen vorhanden sind, zeigt sich in vielen Bereichen eine klare Tendenz – manchmal zum Guten, häufiger zum Schlechten. Dass etwa erstmals seit Beginn der Studienreihe mit einem Anteil von 40 Prozent mehr Bürger einen guten Eindruck von der Gesundheitspolitik haben, und nur noch 62 Prozent der Ärzte der Gesundheitspolitik ein schlechtes Zeugnis ausstellen, muss als positive Tendenz gewertet werden. Dabei dürfte die abnehmende Unzufriedenheit der Tatsache geschuldet sein, dass die Leistungen der Krankenversicherer in jüngster Zeit deutlich ausgedehnt wurden und in den nächsten Jahren zusätzliche Milliarden in die Gesundheitsversorgung fließen sollen.

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Auch der Anteil der Ärzte, die ihre Therapiefreiheit - also die freie Wahl geeigneter Behandlungen - trotz schwieriger Rahmenbedingungen nicht gefährdet sehen, ist mit 35 Prozent deutlich höher als vor zwei Jahren, als nur 22 Prozent so zuversichtlich waren.

Der Anteil der Warnenden ist allerdings noch immer sehr hoch. 44 Prozent der Ärzte geben nämlich an, zumindest in Einzelfällen aus Kostengründen auf therapeutische Maßnahmen verzichten zu müssen. 2014 waren es noch 37 Prozent der Ärzte. Vor allem Krankenhausärzte klagen zunehmend darüber. Sogar 58 Prozent aller Ärzte gaben zu, wegen des Kostendrucks Behandlungen zu verschieben.

Das nehmen auch die Patienten so war. Deutlich mehr Bürger haben den Eindruck, dass ihnen eine Behandlung oder ein Medikament vorenthalten wurde. Das sagten 40 Prozent der in Einzelinterviews befragten. Vor zwei Jahren lag ihr Anteil noch bei 31 Prozent. Auch der Anteil jener Patienten, die für Behandlungen oder Medikamente selbst bezahlen mussten, ist von 21 Prozent im Jahr 2012 auf inzwischen 32 Prozent gestiegen.

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Besorgniserregend sind vor allem jene Bereiche, in denen sich eine zunehmende Verschlechterung der Gesundheitsversorgung abzeichnet. Und das gilt vor allem für die ärztliche Versorgung auf dem Land. Fast jeder zweite niedergelassene Arzt berichtet von einem regionalen Ärztemangel, 37 Prozent der Ärzte beobachtet dabei direkte Auswirkungen auf die Versorgung der Patienten. Und auch die Krankenhausärzte klagen zu mehr als zwei Dritteln (68 Prozent) über Personalmangel, vor zwei Jahren beobachteten dies noch 63 Prozent der Ärzte in den Kliniken. Vor allem die Probleme geeignetes Personal zu finden, registrieren mittlerweile 72 Prozent der Ärzte. 2012 lag dieser Wert noch bei 58 Prozent.

Für viel Kritik sorgen unter den Bundesbürgern die immer noch als zu lang empfundenen Wartezeiten bis zum Arzttermin. Das beklagen 56 Prozent der Patienten. Daher begrüßen sie mehrheitlich die neuen zentralen Terminvergabestellen. Die niedergelassenen Ärzte lehnen diese hingegen zu 81 Prozent ab.

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