Grüne Kapitalanlage: Geld verdienen mit Öko-Investments

Grüne Kapitalanlage: Geld verdienen mit Öko-Investments

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40 Milliarden Euro haben institutionelle und private Anleger aus Deutschland nach ökologischen und ethischen Kriterien in Aktien und Anleihen investiert. Im Bild eine Solaranlage

Ein gutes Gewissen haben und auch noch Geld verdienen: Wie Anleger mit grünen Investments von Klimawandel, steigenden Energiepreisen und Rohstoffknappheit profitieren.

Der Maschinenpark der australischen Mine war in Ordnung, die Zahlen stimmten. Graham French war zufrieden – bis er die vergammelten Duschen der Bergleute sah. „Ich habe den Managern gesagt, wenn sie die 5000 Austral-Dollar nicht investieren, um die Duschen zu streichen, dann verkaufen wir alle Aktien. Das meine ich ernst.“

French, Fondsmanager des erfolgreichen internationalen Aktienfonds M&G Global Basics, ist kein wachsweicher Gutmensch. Vier Milliarden Euro hat er anzulegen, so viel Geld vertrauen Investoren keinem Spinner an. Nein, hinter dem Engagement steckt auch ökonomisches Kalkül. Zufriedene Mitarbeiter arbeiten besser, das Unternehmen verdient mehr Geld und die Aktionäre profitieren.

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Ähnlich argumentieren Geldverwalter, die darauf drängen, dass Unternehmen aller Branchen weniger Rohstoffe oder Energie verbrauchen als Wettbewerber. Die Gewinne der Unternehmen werden dann von geringeren Kosten, niedrigeren Abgaben sowie einem verkaufsförderndem grünen Image getrieben. Diese Unternehmen wirtschaften nachhaltig.

„Ethisch, ökologisch und wirtschaftlich verantwortliches Verhalten verbessert die Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens und damit auch die Erträge der Aktionäre“, sagt Silke Riedel vom Imug-Institut Hannover, das börsennotierte Unternehmen nach ökologischen und ethischen Kriterien durchleuchtet.

Zugleich verbessern globale MegaTrends wie Klimawandel und Rohstoffknappheit die Perspektiven von Unternehmen, die anderen helfen, klimaschädliche CO2-Emissionen zu vermeiden, weniger teures Erdöl zu verfeuern oder knappes Trinkwasser effizienter zu nutzen. In diese Kategorie fallen etwa Anbieter von Windenergie oder Solarzellen, aber auch Unternehmen wie der Baukonzern Bilfinger, der im staubtrockenen Australien Anlagen zur effizienten Trinkwasserversorgung baut.

An beiden Gruppen können Privatanleger verdienen, sowohl über Aktien und Investmentfonds als auch über Anleihen, und Zertifikate.

Grün zahlt sich aus.  Nach dieser Logik stricken Banken und Vermögensverwalter eine Vielzahl grüner und ethisch einwandfreier Kapitalanlagen. Das Öko-Logo zieht. Die in nachhaltige Investmentfonds investierten Gelder haben sich zwischen 2004 und 2007 von vier auf 20,5 Milliarden Euro etwa verfünffacht. Weitere 20 Milliarden Euro, so schätzt das Imug-Institut, haben institutionelle Investoren wie Pensionskassen oder Versicherungen nachhaltig investiert.

„Pensionsfonds überlegen sich zweimal wo sie ihr Geld investieren und achten genau darauf, wer die Menschenrechte achtet oder Umweltstandards einhält“, sagt Henry Schäfer, Wirtschaftsprofessor an der Uni Stuttgart. Wer sich nicht an die Spielregeln hält, wird bestraft. So zwangen die Manager des US-Pensionsfonds Calpers, der die Altersversorgung von kalifornischen Staatsdienern sichern soll, den Autobauer Ford dazu, ihnen die CO2-Emissionsstatistiken seiner Modellreihen zu zeigen. Bisher hatte der US-Konzern diese unter Verschluss gehalten. Als Calpers drohte, Ford-Aktien zu verkaufen, knickten die Automanager ein.

Vielen Fondsmanagern ist diese Art der Einflussnahme aber zu mühsam. Sie verlassen sich lieber auf die Arbeit von Spezialisten. Imug oder der Schweizer Vermögensverwalter SAM Group bewerten Unternehmen nach ökologischen, wirtschaftlichen und ethischen Kriterien. Unternehmen, die bei solchen Rankings gut abschneiden, haben es leichter, an Investorengelder zu kommen.

SAM hat aus den 2500 weltweit größten Aktien die grünen Vorreiter aus 57 Branchen gekürt. Unter den Branchenbesten sind prominente deutsche Unternehmen wie Adidas, Lufthansa oder SAP.

Unternehmen, die bei solchen Vergleichen durchfallen, fällt es schwerer, Investoren für sich zu begeistern. Nach einer Studie der US-Unternehmensberatung Communications Consulting Worldwide (CCW) könnte der Börsenwert des Handelskonzerns Wal-Mart um 8,4 Prozent oder 16 Milliarden Dollar höher sein, wenn Wal-Mart ähnlich beliebt wäre wie Konkurrent Target. Wal-Mart galt bisher als skrupelloser Ausbeuter, der sich dazu nicht um Umweltvorschriften scherte.

Inzwischen steuert der Handelsriese gegen. Das Unternehmen will seine Zulieferer künftig nach CO2-Emissionen sortieren. Wer wenig Treibhausgase in die Luft pustet, bekommt für seine Produkte die besseren Regale. Umweltsünder dagegen sollen in die hintern Ecken des Supermarkts verbannt werden.

Klimaschutz ist für Unternehmen aus der EU nicht mehr nur eine Frage des Images, sondern auch ökonomisch relevant. Sie dürfen Kohlendioxid nur dann in die Luft blasen, wenn sie die dazu gehörende Menge an Emissionsrechten besitzen. Zu Jahresbeginn schraubte Brüssel das CO2-Kontingent für energieintensive Betriebe nach unten und machte gleichzeitig zur Auflage, dass ein Teil der Emissionsrechte nicht mehr kostenlos verteilt wird. Damit wird es für Unternehmen attraktiver, sauberer zu arbeiten. Über Zertifikate können auch Privatanleger vom Emissionsrechtehandel an den Klimabörsen profitieren.

Längst sind nicht nur eine Handvoll Dreckschleudern zum Emissionshandel gezwungen. Die 122 Seiten starke EU-Liste reicht vom E.On-Kernkraftwerk in Brokdorf bis hin zum Glaswerk von Saint-Gobain in Essen.

Ein Glashersteller muss stets ein Auge auf dem Energiemarkt haben, schließlich hängt ein Großteil seiner Kosten von Energiepreisen ab. Bei einem Ölpreis von 90 bis 100 Dollar lohnt es sich allerdings auch für Unternehmen aus weniger energieintensiven Branchen Öl, Gas oder Strom zu sparen. Gleiches gilt für den schonenden Umgang mit anderen Ressourcen: die Preise für Industriemetalle wie Eisen oder Zink sind durch die Decke geschossen. So stieg der CRB Metal Index in den vergangenen drei Jahren um durchschnittlich 31,8 Prozent pro Jahr (in Euro gerechnet).

Etikettenschwindel. Längst nicht alle Unternehmen, die vorgeben, nachhaltig zu wirtschaften, tun dies aber auch wirklich. Die PR-Strategen des Ölmultis BP etwa hatten sich mit der 2002 gestarteten 200 Millionen Euro teuren Öko-Kampagne „Beyond Petroleum“ mächtig ins Zeug gelegt. Das Unternehmen leistete sich eine eigene Solarenergie-Tochter, stieg auf die vorderen Plätze der Rankings auf. Viele Manager nachhaltiger Anlageprodukte kauften die Aktie.

Drei Jahre später stellte sich heraus, dass das grüne Image nur Fassade war. Der schwere Unfall in einer texanischen BP-Raffinerie 2005 mit 15 Todesopfern und die Stilllegung einer leckenden Pipeline in Alaska 2006 waren das Ergebnis von systematischer Schlamperei. Die Börse fällte ein eindeutiges Urteil und strafte BP gegenüber Wettbewerbern ab. So büßte die BP-Aktie 2006 etwa zehn Prozent ein, während Konkurrent Exxon Mobil im gleichen Jahr um 19 Prozent zulegte.

Ob nun mit oder ohne Umweltkampagne – für die Puristen unter den ökologisch orientierten Anlegern ist die Ölbranche generell ein rotes Tuch. Viel eher vertrauen sie Unternehmen aus Branchen wie Umwelttechnologie, Recycling oder erneuerbaren Energien.

In den vergangenen drei Jahren galten Solaraktien als die renditeträchtigsten grünen Titel. So hat sich die TecDax-Aktie Q-Cells im vergangenen Jahr in etwa verdreifacht. Zuletzt bekam die Erfolgsstory der Solarunternehmen aber einige Risse. Ein erster Schlag ins Kontor war die Gewinnwarnung von Conergy Ende Oktober vergangenen Jahres. Kurz zuvor hatte der inzwischen gefeuerte Vorstandschef Hans-Martin Rüter Ertragsprobleme des Unternehmens noch geleugnet. Das Vertrauen in die TecDax-Aktie war futsch, sie verlor seitdem etwa zwei Drittel ihres Werts. „Derzeit steigen bei Solarunternehmen spekulative Anleger aus, die ihre Gewinne in Sicherheit bringen wollen“, sagt Sebastian Zank, Analyst der WestLB. Dass eine abkühlende Konjunktur die Solarunternehmen 2008 in eine längere Krise stürzen könnte, hält er für unwahrscheinlich, weil die staatliche Förderung über feste Abnahmepreise für Solarstrom auf Jahre hinaus zementiert sei.

Langfristig attraktive Aktien. Interessanter als die zum Teil spekulativ hochgejazzten deutschen Solarwerte ist das US-Papier Ascent Solar Technologies. Auch US-Bundesstaaten greifen heimischen Solarunternehmen mit festen Quoten für erneuerbare Energien unter die Arme. Ascent baut Dünnfilmsolarzellen, eine kostengünstige Alternative zu konventionellen Solarzellen.

Ähnlich wie die Solarwerte wurden zuletzt die deutschen Biospritaktien gebeutelt. Grund dafür waren steigende Rohstoffpreise sowie das Streichen des Steuerprivilegs für Biodiesel. Derzeit ist der Südzucker-Tochter Cropenergies, die Bioethanol produziert, am ehesten ein Comeback zuzutrauen. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 15,7 für 2008 ist die Aktie noch vergleichsweise moderat bewertet.

Weniger riskant ist der japanische Fahrradzulieferer Shimano. Der Weltmarktführer für Fahrradgangschaltungen liefert verlässlich Gewinne ab. Mit dem Brennstoffzellenanbieter Ballard Power schließlich können Anleger auf eine grüne Zukunftstechnologie setzen, wie übrigens auch Autokonzern Daimler, der mit Ballard eng zusammenarbeitet.

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