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Gut gespart: Genossen mit hohen Zinsen

von Niklas Hoyer

Wohnungsgenossenschaften bieten Sparern höhere Zinsen als die meisten Banken. Was Anleger wissen müssen.

Niedrige Zinsen
Niedrige Zinsen

Ihre Namen klingen altbacken, aber grundsolide: Frohe Zukunft, Bau- und Wohnungsgenossenschaft von 1892 oder Beamten-Wohnungs-Verein. Wohnungsgenossenschaften sind vor allem für günstige Mietwohnungen bekannt. Die Genossenschaften kaufen Immobilien, kümmern sich um den Bestand und stellen ihren Mitgliedern günstigen Wohnraum zur Verfügung.

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Wichtig auch für Anleger, die keine Wohnung suchen: Knapp 50 Genossenschaften zahlen ihren Mitgliedern auf Einlagen attraktive Zinsen. Offensiv verkauft werden die Zinsangebote nicht. Einige Genossenschaften haben Sorge, sonst mehr Geld von Sparern zu bekommen, als sie für ihr Wohnungsgeschäft brauchen. Anderen ist Werbung zu teuer. „Wenn Kunden überhaupt von dieser Geldanlage gehört haben, sind sie durch Zufall darauf gestoßen“, sagt Stefanie Kühn, Honorarberaterin aus Grafing bei München.

Eingeschränkte Produktpalette

Dabei können sich die Zinsen der Wohnungsgenossenschaften sehen lassen. In einer Umfrage unter den Genossenschaften mit Sparprodukten hat die WirtschaftsWoche die aktuellen Konditionen ermittelt. Die Besten zahlen aktuell 2,5 Prozent Zinsen, wenn Sparer ihr Geld zwölf Monate fest anlegen. Unter Banken sind derzeit schon zwei Prozent selten, im Durchschnitt bekommen Bankkunden auf Zwölf-Monats-Festgeld nur 1,4 Prozent Zinsen (siehe Grafik).

46 der rund 2000 Wohnungsgenossenschaften in Deutschland haben eine sogenannte „Spareinrichtung“ – das heißt, sie dürfen von ihren Mitgliedern Geld annehmen und ihnen darauf Zinsen zahlen. Die Finanzaufsicht BaFin hat den Genossenschaften allerdings nur eine eingeschränkte Produktpalette erlaubt. So müssen sie das Geld der Sparer wenigstens drei Monate lang behalten; täglich verfügbares Tagesgeld dürfen sie nicht anbieten. Damit Mitglieder bei unvorhergesehenen Ausgaben keine Probleme bekommen, gibt es eine Ausnahme: Bis zu 2000 Euro auf dem Sparbuch können die Sparer innerhalb eines Monats abheben.

Meist können Mitglieder ihr Geld nicht nur in kurzfristig verfügbare Sparbücher stecken, sondern ihr Erspartes auch für einen festen Zeitraum anlegen (Festgeld) oder mit regelmäßigen Raten sparen.

Wer das Angebot nutzen kann

Neben den Mitgliedern dürfen auch deren Angehörige die Spareinrichtungen nutzen. Dazu zählen neben direkten Verwandten auch Großeltern oder Angehörige von Geschwistern. Insgesamt hatten Sparer Ende 2009 rund 1,9 Milliarden Euro auf 350 000 Konten bei Genossenschaften angelegt (siehe Grafik). Ein Plus von 14 Prozent zum Vorjahr.

Als Mitglieder akzeptieren die meisten Genossenschaften mit Spareinrichtung auch Sparer, die kein Interesse an einer Mietwohnung haben – etwa, weil sie in einer anderen Stadt wohnen. So können auswärtige Interessenten bei der Siedlungsgemeinschaft Chemnitz, die besonders hohe Zinsen zahlt, Mitgliedschaft und Zinsanlage direkt per Internet bestellen. „Die auswärtigen Sparer investieren oft höhere Beträge als unsere Mitglieder vor Ort, teilweise über 150 000 Euro“, sagt Vorstand Arthur Fechner. Er hat früher bei der größten Spareinrichtung, dem Spar- und Bauverein in Hannover, gearbeitet, und hilft nun beim Aufbau der Chemnitzer Spareinrichtung, die erst im Oktober 2009 startete.

Ortsansässige profitieren doppelt: Als Mitglieder kassieren sie die hohen Zinsen und können günstige Wohnungen mieten. In der Gartenstadt Karlsruhe bekommen Mitglieder aktuell zum Beispiel eine Drei-Zimmer-Wohnung mit Balkon für 8,90 Euro Miete pro Quadratmeter – Heiz- und Betriebskosten inklusive. Bei kommerziellen Wohnungsunternehmen müssen Mieter in vergleichbarer Lage mit etwa zehn Prozent mehr rechnen.   Außerdem wird hier häufig auch noch Maklerprovision fällig.

2 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 22.12.2010, 12:54 UhrAnonymer Benutzer: Jürgen Keitel, Garbsen

    Sicherungseinrichtungen der Genossenschaften

    Die Sicherungseinrichtungen der Genossenschaften fünktionieren in der Regel anders als die der banken und Sparkassen. Diese Einrichtungen erstatten nicht an die Sparer sondern an die Genossenschaften um diese vor der insolvenz zu bewahren, ob und wann dann eine Auszahlung erfolgt entscheiden dann die Genossenschaften.

    Darüber, dass Genossenschaftmitglieder Rechte haben könnten, braucht wohl nicht diskutiert werden, denn diese sind marginal, wenn überhaupt vorhanden. Weder bei den baugenossenschaften, noch bei Volks- und Raiffeisenbanken haben die Mitglieder nennenswerte Artikulierungsmöglichkeiten und Vorteile dadurch, dass ein Genossenschaftsanteil erworben wurden gibt es auch nirgendwo.

  • 20.12.2010, 13:27 UhrAnonymer Benutzer: Kerstin S.

    Als ehemalige bankangestellte der ehemaligen Dresdner bank und seit nunmehr 7 Jahren in einer Spareinrichtung einer Wohnungsgenossenschaft tätig, finde ich die bermerkung über den Artikel "uninteressant" unverständlich. Wollen wir raten von wem diese Einschätzung kommt? ich persönlich habe mehrfach die Erfahrung gemacht, dass die Sparer uns mehr vertrauen als den banken. Warum? Wir müssen keine Gewinne auf Kosten der Kunden erwirtschaften. Alles andere kann man im Artikel lesen.

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