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Hedgefonds & Co.: Die dunkle Macht der Schattenbanken

von Günter Heismann und Christoph Schürmann

Spekulative Investoren verfügen heute über mehr Geld und Einfluss auf das weltweite Finanz- und Wirtschaftssystem als je zuvor. Die Politik hat es versäumt, ihnen Fesseln anzulegen. Wie sich die Milliardenspieler immer wieder der staatlichen Regulierung entziehen - und wie sie schon bald den nächsten Crash auslösen könnten.

New Yorks Finanzzentrum Quelle: dapd
New Yorks Finanzzentrum Manhattan Quelle: dapd

Wenn’s um Geld geht, Hedgefonds. Kaum droht den billionenschweren Dickschiffen Gefahr für ihr heimliches Geschäft mit Aktien, Anleihen und vor allem davon abgeleiteten Produkten (Derivaten), wie den ins Gerede gekommenen Kreditausfallversicherungen auf Staaten, gerieren sie sich wie Schoßhündchen und machen sich bei ihren Herrchen lieb Kind. Die Herrchen sind Politiker wie Michael Grimm. Grimm sitzt für die republikanische Partei im US-Kongress und hatte in den vergangenen Wochen recht häufig Besuch von Hedgefonds und Vertretern von Banken wie Goldman Sachs, Bank of America und JP Morgan Chase, die mit Hedgefonds Milliardengeschäfte abwickeln. Die Wall-Street-Giganten beackern vor allem die Republikaner, weil diese sich weigern, einer Erhöhung der Schuldenobergrenze der USA zuzustimmen und damit eine weltweite Erschütterung der Finanzmärkte, vor allem des Dollar, abzuwenden. Denn die Wetten der Hedgefonds laufen derzeit gegen Euro-Land, nicht gegen den Greenback.

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Sollte die US-Schuldengrenze nicht erhöht und die USA damit technisch pleite sein, könnte das zu massiven Schieflagen im Finanzsystem führen – eben auch bei Hedgefonds. Die Sammelstellen von institutionellen Geldern und Kapital von Vermögenden bringen regelmäßig das Finanzsystem an den Abgrund; so 1998, als der inzwischen in die Geschichtsbücher eingegangene Fonds Long Term Capital Management (LTCM) mit Spekulationen auf europäische Staatsanleihen danebenlag und nur eine Rettungsaktion der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) gemeinsam mit allen Großbanken weltweit einen Finanz-GAU verhinderte. So im Juni 2007 als die Insolvenz von zwei Hedgefonds der US-Bank Bear Stearns den Beginn der Finanz- und Schuldenkrise einläutete.

Mit Schieflagen rechnen

Verwaltetes Vermögen weltweit
Verwaltetes Vermögen weltweit

Zwischenzeitlich schrumpfte die Branche der Hedgefonds zwar,„seit dem ersten Quartal 2009 aber haben wir einen Anstieg von 40 Prozent gesehen“, sagt Kenneth Heinz, Präsident der Firma Hedge Fund Research aus Chicago. Das Eigenkapital der Hedgefonds liegt inzwischen mit gut zwei Billionen Dollar wieder über Vorkrisenniveau (siehe Grafik). Und sie haben es geschafft, jeden Versuch einer staatlichen Regulierung wirksam zu verhindern.

Die Gefahren, die von Hedgefonds für die Märkte und damit für die Anlagen privater Investoren ausgehen, sind deshalb wieder so groß wie vor der Finanzkrise. Vor allem Depots privater Anleger sind gefährdet: Im letzten Crash zerstörten Handelsaussetzungen bei Zertifikaten Renditen; Hedgefonds liquidierten Aktien und verstärkten die Baisse; Anlagen in Pleitebanken wurden nahezu wertlos. Selbst Anleihen solider Unternehmen kamen damals unter die Räder. Investoren müssen jetzt, wo ganze Staaten auf der Kippe stehen und die Kurse an den Börsen mächtig schwanken, mit ähnlichen Entwicklungen rechnen. Nicht auszuschließen, dass es unter der Oberfläche des Finanzsystems nicht nur bei den Banken gärt, sondern auch bei den Finanzinvestoren.

Wer binnen eines Jahres 100 oder sogar 200 Prozent an Rendite hereinholt, muss einen extrem heißen Reifen fahren – keine Mega-Rendite ohne Mega-Risiko (siehe Tabellen). Und wer auf Rille fährt, der kann schnell aus der Kurve fliegen: Im Durchschnitt verschwinden fünf bis zehn Prozent der geschätzten 9000 bis 14.000 Hedgefonds weltweit binnen eines Jahres wieder von der Bildfläche.

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21 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 14.08.2011, 01:20 UhrAnonymer Benutzer: Zeitungsente

    Die Politiker/innen sind die Politnutten des Finanzkapitals. Sie sind nicht machtlos. Sie besorgen deren Geschäft und dessen verbesserte bedingungen. Sie greifen allenfalls dann ein, wenn das Gesamtblutsaugersystem gefährdet ist oder nationale interessen.

  • 03.08.2011, 08:33 UhrAnonymer Benutzer: zockerfein

    Die Unfähigkeit der Politik in Sachen unkontrollierte Kapitalsammelstellen ist evident.
    Auch eine Merkel hat keinen Einfluß darauf.

    Schröder und Fischer, die mit der großen Klappe und nichts dahinter, haben bei uns den Saustall erst möglich gemacht.
    in den USA war es Clinton.

    Wie sehr dieser Finanzkapitalismus unser ganzes Wirtschaftsleben in Gefahr bringt, müsste doch langsam dem dümmsten Politiker aufgehen.
    Trotzdem, nichts geschieht.
    Vielleicht kriegt man nach der Politikerkarriere einen Job bei diesen
    Finanzmarkt(Casino)spielern.

  • 31.07.2011, 13:46 UhrAnonymer Benutzer: Pater Eberhard

    Diese spekulativen Finanztransaktionen müssten so besteuert werden, dass sie sich nicht mehr rentieren.

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