Hedgefonds & Co.: Die dunkle Macht der Schattenbanken

Hedgefonds & Co.: Die dunkle Macht der Schattenbanken

Bild vergrößern

New Yorks Finanzzentrum Manhattan

Spekulative Investoren verfügen heute über mehr Geld und Einfluss auf das weltweite Finanz- und Wirtschaftssystem als je zuvor. Die Politik hat es versäumt, ihnen Fesseln anzulegen. Wie sich die Milliardenspieler immer wieder der staatlichen Regulierung entziehen - und wie sie schon bald den nächsten Crash auslösen könnten.

Wenn’s um Geld geht, Hedgefonds. Kaum droht den billionenschweren Dickschiffen Gefahr für ihr heimliches Geschäft mit Aktien, Anleihen und vor allem davon abgeleiteten Produkten (Derivaten), wie den ins Gerede gekommenen Kreditausfallversicherungen auf Staaten, gerieren sie sich wie Schoßhündchen und machen sich bei ihren Herrchen lieb Kind. Die Herrchen sind Politiker wie Michael Grimm. Grimm sitzt für die republikanische Partei im US-Kongress und hatte in den vergangenen Wochen recht häufig Besuch von Hedgefonds und Vertretern von Banken wie Goldman Sachs, Bank of America und JP Morgan Chase, die mit Hedgefonds Milliardengeschäfte abwickeln. Die Wall-Street-Giganten beackern vor allem die Republikaner, weil diese sich weigern, einer Erhöhung der Schuldenobergrenze der USA zuzustimmen und damit eine weltweite Erschütterung der Finanzmärkte, vor allem des Dollar, abzuwenden. Denn die Wetten der Hedgefonds laufen derzeit gegen Euro-Land, nicht gegen den Greenback.

Sollte die US-Schuldengrenze nicht erhöht und die USA damit technisch pleite sein, könnte das zu massiven Schieflagen im Finanzsystem führen – eben auch bei Hedgefonds. Die Sammelstellen von institutionellen Geldern und Kapital von Vermögenden bringen regelmäßig das Finanzsystem an den Abgrund; so 1998, als der inzwischen in die Geschichtsbücher eingegangene Fonds Long Term Capital Management (LTCM) mit Spekulationen auf europäische Staatsanleihen danebenlag und nur eine Rettungsaktion der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) gemeinsam mit allen Großbanken weltweit einen Finanz-GAU verhinderte. So im Juni 2007 als die Insolvenz von zwei Hedgefonds der US-Bank Bear Stearns den Beginn der Finanz- und Schuldenkrise einläutete.

Anzeige

Mit Schieflagen rechnen

Verwaltetes Vermögen weltweit

Verwaltetes Vermögen weltweit

Zwischenzeitlich schrumpfte die Branche der Hedgefonds zwar,„seit dem ersten Quartal 2009 aber haben wir einen Anstieg von 40 Prozent gesehen“, sagt Kenneth Heinz, Präsident der Firma Hedge Fund Research aus Chicago. Das Eigenkapital der Hedgefonds liegt inzwischen mit gut zwei Billionen Dollar wieder über Vorkrisenniveau (siehe Grafik). Und sie haben es geschafft, jeden Versuch einer staatlichen Regulierung wirksam zu verhindern.

Die Gefahren, die von Hedgefonds für die Märkte und damit für die Anlagen privater Investoren ausgehen, sind deshalb wieder so groß wie vor der Finanzkrise. Vor allem Depots privater Anleger sind gefährdet: Im letzten Crash zerstörten Handelsaussetzungen bei Zertifikaten Renditen; Hedgefonds liquidierten Aktien und verstärkten die Baisse; Anlagen in Pleitebanken wurden nahezu wertlos. Selbst Anleihen solider Unternehmen kamen damals unter die Räder. Investoren müssen jetzt, wo ganze Staaten auf der Kippe stehen und die Kurse an den Börsen mächtig schwanken, mit ähnlichen Entwicklungen rechnen. Nicht auszuschließen, dass es unter der Oberfläche des Finanzsystems nicht nur bei den Banken gärt, sondern auch bei den Finanzinvestoren.

Wer binnen eines Jahres 100 oder sogar 200 Prozent an Rendite hereinholt, muss einen extrem heißen Reifen fahren – keine Mega-Rendite ohne Mega-Risiko (siehe Tabellen). Und wer auf Rille fährt, der kann schnell aus der Kurve fliegen: Im Durchschnitt verschwinden fünf bis zehn Prozent der geschätzten 9000 bis 14.000 Hedgefonds weltweit binnen eines Jahres wieder von der Bildfläche.

Anzeige

21 Kommentare zu Hedgefonds & Co.: Die dunkle Macht der Schattenbanken

  • Die Gesellschaft ist Krank. Die Politik ist unfähig , oder die Politvorturner verdienen selber kräftig daran die Hedgefonds nicht an die Leine zu legen. Das ist ein staatlich legitimiertes Spielkasino wo die Gewinne garantiert an die bosse dieser Hedgefonds gehen , geht das ganze in die Hose muß der Steuerzahler ran.
    Der Fisch stinkt am Kopf.
    Man könnte auch sagen : wenn man einen Schweinestall ausmisten will zum reinigen müssen die Schweine vorher raus.

  • Wir, die Wähler von Politikern, die Schuldenmachen zum willfährigen Prinzip gemacht haben, bekommen jetzt die Rechnung von den Geldbesitzern und beschweren uns auch noch darüber. Die meisten Staaten haben sich mit ca 80% ihres bruttosozialproduktes verschuldet und das Geld bzw die Verfügungsmacht darüber liegt nun eben woanders, aber eben nicht mehr bei den Politern. Einige große Kapitalsammelstellen und Hedgefonds verfügen über riesige budgets und Politiker beklagen sich nun darüber, daß sie nichts mehr oder nur wenig steuern können, weil diese jetzt das Geld haben, daß sie zuvor für fragwürdige Projekte und Wohltaten aus dem Fenster geschmissen haben. There is no free lunch. Das wehleidige Klagen der Politik in Finanzfragen ist eine ohnmächtige Reaktion auf die eigene Dummheit. Keine überdimensionale Staatsschulden = keine großen und mächtigen Kapitalsammelstellen = kein Problem mit mächtigen Hedgefonds. Die Vermutung liegt nahe, daß (mit der Dummheit) möchten Politiker nicht so gerne hören.

  • Die Hedgefonds haben noch keinen Zugang zu Zentralbankgeld. Spätestens beim nächsten Crash wird sich dies ändern, denn dann wird man sie als "Systemrelevant" einstufen.

Alle Kommentare lesen
Immobilien-Wertfinder:Was Mieten und Kaufen in Ihrer Region kostet

Mit unserem interaktiven Tool finden Sie Interessierte Mieten und Kaufpreise in ihrem Viertel und ihrer Straße. Mehr...

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%