Investmenttrends: Fondsmanager French: "Der Partykater ist vorbei"

Investmenttrends: Fondsmanager French: "Der Partykater ist vorbei"

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Graham French, Fondsmanager des M&G Global Basics

Der weltweite Aktienfonds M&G Global Basics gehört zu den langfristig erfolgreichsten seiner Kategorie. In den vergangenen Monaten lief es nicht gut. Fondsmanager Graham French über die Fehler und die Zukunft. Für ihn sind Umweltschutz, Bildung, Gesundheit und Effizienz in der Landwirtschaft die kommenden Themen.

Der M&G Global Basics ist mit einem Volumen von 2,7 Milliarden Euro der Vorzeigefonds vom britischen Fondshaus M&G. Deswegen hat der 40prozentige Verlust in den vergangenen zwölf Monaten viele Anleger geschockt. Die Fondsanalysten der Ratingagentur Morningstar geben dem Fonds trotzdem die höchstmögliche Note und begründen das vor allem mit dem exzellenten Managementteam rund um Star-Fondsmanager Graham French. Investiert wird weltweit ausschließlich in Aktien. Mitunter machen kleinere Nebenwerte einen Großteil des Fonds aus. Derzeit ist er allerdings eher auf mittelgroße Aktien ausgerichtet.

Spürnase für Trends

French hat in der Vergangenheit viele Trends wie den Aufstieg der Schwellenländer und die Rohstoffhausse erkannt und zu Geld für Anleger gemacht. Mit seiner Idee, vor allem Unternehmen in den Fonds zu stecken, die Produkte herstellen, mit denen Menschen ihre Alltags- und Grundbedürfnisse befriedigen, lag er lange goldrichtig. Rohstoffe, Nahrungsmittel- und Konsumgüterhersteller brachten hohe Kursgewinne und konnten vom Wachstum in den Schwellenländern profitieren. Im Interview erklärt French, was in den vergangenen Monaten falsch gelaufen ist und wohin es mit dem Fonds gehen wird.

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Es lief für Sie jahrelang super. Warum sind Sie nicht Hedgefondsmanager geworden, dann hätten sie vielleicht die Verluste durch Derivate und Shortselling aufhalten können?

Das bezweifle ich. Die meisten Hedgefonds haben von der Krise nicht profitieren können. Ich hatte tatsächlich Angebote, bei Hedgefonds anzuheuern. Aber mir widerstrebt deren Geschäftsmodell. Anleger zahlen extrem hohe Gebühren für Produkte, die ihnen keinen Mehrwert lieferten. Ich habe schon im Jahr 2005 gesagt, es beunruhigt mich, dass Hedgefonds und Investmentbanker andere Marktteilnehmer in immer riskantere Bereiche hereinziehen, deren Risiken sie oft nicht verstehen. Es war reine Gier und es ist für mich, der ich Teil der Finanzindustrie bin, schmerzlich, zu sehen was da passiert ist. Eine einzelne US-Bank hat seinen 18000 Mitarbeitern vergangenes Jahr mehr gezahlt, als fünf Millionen Menschen aus fünf afrikanischen Staaten im vorigen Jahr verdient haben. Das ist absurd.

Sie haben aber auch von dem aufgeblasenen Aufschwung profitiert.

Die Unternehmen aus dem Fonds produzieren gemäß unseres Ansatzes Produkte für den täglichen Bedarf oder die Rohstoffe, die jeder benötigt. Sie hatten Wachstum und Gewinne. Wir haben nicht in Luft investiert und halten auch keine Derivate. Und mein Arbeitgeber M&G bietet auch keine Hedgefonds an. Dadurch hatten wir im vergangenen Jahr auch Mittelzuflüsse, weil wir für langfristige Prinzipien und Integrität stehen.

Sie haben in nur etwa zwei Monaten extrem hohe Verluste eingefahren. Was ist da schief gelaufen?

Im vergangenen Jahr lagen wir für sechs Wochen im Oktober und November komplett falsch. Wir haben das Tempo und die Auswirkungen der Finanzkrise auf die Realwirtschaft unterschätzt und damals kamen viele Rohstoffwerte unter die Räder. Wir haben erwartet, dass die Regierungen früher eingreifen würden, damit das Desaster an den Finanzmärkten auf die Wirtschaft nicht übergeht. Eine ähnliche Situation hatte ich auch schon im Jahr 2002. Trotzdem ist die Vergangenheitsperformance von etwa 7,8 Prozent pro Jahr seit der Auflage im Jahr 2000 akzeptabel, viele Jahre haben wir wirklich das meiste richtig gemacht.

Was denn genau?

Die Schwierigkeiten der Finanzbranche und der US-Autoindustrie haben wir früh erkannt, zudem auch die Verlagerung der Wirtschaftstätigkeit von West nach Ost. Mir war auch klar, das in China ab September zunächst wenig laufen wird.

Wieso?

Nach den olympischen Spielen waren die einfach erschöpft. Da kamen zwei Extreme zusammen: Eine der größten Volkswirtschaften hatte einen Partykater und schwächelte  - und eine der größten Investmentbanken war zusammengebrochen.

Haben sich die Chinesen schon ausgeruht?

Die Aufträge kommen langsam doch wieder. Chinas Bruttoinlandsprodukt erholt sich offenbar seit einem Monat. Es wächst um sieben Prozent. Die Einzelhandelsverkäufe in China gingen zweistellig hoch, Autokäufe stiegen. Die Nachfrage nach Metallen und Mineralien ist in China auf einem Allzeit-Hoch. Vor allem in den Schwellenländern bleibt die Nachfrage hoch. China erwartet sechs Prozent Wachstum in diesem Jahr, Indien fünf, Brasilien zwei Prozent. Der Geldkreislauf funktioniert nicht, aber nicht alle Wirtschaftsbereiche sind über Jahre lahmgelegt. Es kann jetzt nicht so falsch sein, Geld in Unternehmen zu investieren, die die Grundbedürfnisse der Menschen befriedigen wie beispielsweise den Konsumgüterkonzern Unilever oder den Hygieneartikelmulti Colgate, die in Schwellenländern mehr verdienen als in den USA.

Waren Sie denn 2008 das Geld wert, dass Sie verdient haben?

Na ja. Denke ich dabei an meinen Vater, der als Buchdrucker wenig verdient hat, obwohl er auch sehr leidenschaftlich und hart gearbeitet hat, dann muss ich sagen, dass die gesamte Finanzbranche überbezahlt ist. Wenn es Sie beruhigt, habe ich aber auch eigenes Geld mit dem Fonds verloren, weil ich die Verluste mitgemacht habe. Und wir setzen alles daran, wieder auf die Erfolgsspur zu kommen. Offensichtlich trauen unsere Anleger uns das zu. In den vergangenen Monaten hatte der Global Basics Mittelzuflüsse. Das war für mich eine wichtige Bestätigung.

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